Der britische Leitindex klettert heute auf über 10.400 Punkte — und die Stimmung am Markt ist spürbar entspannter als noch vor wenigen Tagen. Der Grund: Washington signalisiert, vorerst auf einen Militärschlag gegen den Iran zu verzichten. Das reicht den Märkten, um Gewinne auszubauen.

US-Präsident Trump hatte am Montagabend bekanntgegeben, einen angeblich für Dienstag geplanten Angriff auf den Iran abzusagen. Mehrere Golfstaaten hätten darum gebeten, den Angriff zunächst zu verschieben, während ernsthafte Verhandlungen mit Teheran liefen. Trump selbst sprach von einer „sehr guten Chance“ auf eine Einigung, drohte jedoch gleichzeitig mit massiven Militäraktionen, sollte kein akzeptables Ergebnis erzielt werden.

Einzelwerte mit klarem Rückenwind

Während der Gesamtindex um rund 0,67 Prozent zulegt, stechen einige Titel besonders hervor. IG Group Holdings führt die Gewinnerliste an — ein Plus von fast 10 Prozent, nachdem das Unternehmen seine Prognose für das organische Umsatzwachstum im Gesamtjahr 2026 auf 10 bis 15 Prozent angehoben hat, auf Basis eines 2025er-Umsatzes von rund 1,1 Milliarden Pfund.

Dr. Martens überraschte positiv mit einem Anstieg des bereinigten Vorsteuergewinns um 61 Prozent im abgelaufenen Geschäftsjahr — und schickte die Aktie um 8,5 Prozent nach oben. Auch Diploma legte mit einem soliden Halbjahresbericht und angehobener Prognose um 5,4 Prozent zu. RightMove und 3i Group gewannen jeweils über 4 Prozent.

Minenwerte als Bremsklotz

Nicht alle Sektoren profitieren von der aufgehellten Stimmung. Rohstoffwerte stehen unter Druck: Rio Tinto, Glencore, Antofagasta, Anglo American und Fresnillo verloren zwischen 1 und gut 2 Prozent. Der Rohstoffsektor europaweit gab ebenfalls nach — ein deutliches Gegengewicht zur Euphorie in anderen Bereichen.

Im Hintergrund liefern die britischen Arbeitsmarktdaten ein gemischtes Bild. Die Arbeitslosenquote stieg im ersten Quartal 2026 leicht auf 5,0 Prozent, nach 4,9 Prozent im Vorquartal — und lag damit über den Erwartungen. Das Lohnwachstum ohne Boni verlangsamte sich auf 3,4 Prozent, während es inklusive Sonderzahlungen auf 4,1 Prozent anzog. Für die Inflationsdebatte liefern diese Zahlen kein eindeutiges Signal.

Die Geopolitik dominiert heute das Geschehen in London. Ob aus der Gesprächsbereitschaft zwischen Washington und Teheran tatsächlich eine tragfähige Vereinbarung wird, bleibt offen — Trump selbst hat die Drohkulisse ausdrücklich aufrechterhalten. Finanzwerte und Einzeltitel mit starken Unternehmensnachrichten halten den FTSE 100 dennoch klar im Plus.