Ein Waffenruheverlängerung, die noch niemand unterschrieben hat — das ist die fragile Grundlage, auf der der FTSE 100 am Freitagmorgen leicht zulegt. Der Index bewegt sich in einer engen Spanne rund 0,3 Prozent im Plus bei rund 10.457 Punkten.
Ceasefire-Entwurf ohne Trumps Unterschrift
Der Kursimpuls kommt aus den Verhandlungen zwischen Washington und Teheran. Einem Berichtsentwurf zufolge haben beide Seiten einen 60-tägigen Waffenstillstand skizziert, der die Straße von Hormuz wieder öffnen und formale Gespräche über Irans Nuklearprogramm einleiten würde. US-Präsident Trump soll sich jedoch noch einige Tage Bedenkzeit erbeten haben. Vizepräsident Vance formulierte es knapp: „Wir sind noch nicht da, aber sehr nah dran.“
Das reicht für vorsichtigen Optimismus — mehr nicht. Aus Teheran kamen umgehend Gegenaussagen: Der Entwurf sei weder finalisiert noch bestätigt, und ein Parlamentsmitglied bezeichnete den vorliegenden Text als das Gegenteil der iranischen Kernforderungen. Militärisch läuft der Konflikt unterdessen weiter: Iran feuerte nach US-Angaben eine Ballistikrakete auf Kuwait ab, die abgefangen wurde.
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Gewinner und Verlierer im Index
Die Sektorrotation spiegelt die geopolitische Lage direkt wider. Reise- und Transportwerte profitieren von der Hoffnung auf entspanntere Schifffahrtsrouten — IAG gehört zu den Gewinnern mit einem Plus im mittleren einstelligen Prozentbereich. Autotrader Group legt rund 4,5 Prozent zu, Rolls-Royce, Barclays und Antofagasta gewinnen jeweils zwischen einem und drei Prozent.
Auf der Verliererseite stehen Energiewerte und defensive Sektoren. Öltitel geben nach, weil sinkende Spannungen am Golf tendenziell Abwärtsdruck auf den Ölpreis erzeugen. Pearson verliert rund 2,7 Prozent, British American Tobacco und Centrica geben ebenfalls nach. Die Abgaben bei Ölwerten bleiben jedoch begrenzt — der Markt kalkuliert ein, dass selbst eine Waffenruhe nicht automatisch den Weg für höhere Öllieferungen aus der Golfregion freimacht.
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Oman und Pakistan als Schlüsselmediatoren
Das diplomatische Bild ist vielschichtig. US-Außenminister Rubio trifft heute den pakistanischen Außenminister in Washington — Pakistan gilt als wichtiger Vermittler. Parallel dazu verhandelt Staatssekretärin Hooker mit Omans Botschafter, dessen Land eine zentrale Rolle bei der rechtlichen Regelung der Meerengenpassage spielt. Washingtons Wirtschaftsdruck läuft unterdessen weiter: Sanktionen gegen Irans Hormuz-Behörde wurden verhängt, US-Kriegsschiffe haben nach offiziellen Angaben bereits über 110 Schiffe umgeleitet.
Ob Trump das Abkommen noch am Wochenende unterzeichnet, entscheidet darüber, wie der FTSE 100 in die neue Woche startet. Bleibt die Einigung ein Entwurf auf dem Papier, dürfte der vorsichtige Optimismus schnell wieder kippen.
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