Die erste Handelswoche im Januar 2026 könnte gegensätzlicher kaum sein. Auf der einen Seite steht die Chevron Corporation, die als Hauptprofiteur der plötzlichen politischen Öffnung in Venezuela die Schlagzeilen dominiert und massive Volatilität in ihr Orderbuch holt. Auf der anderen Seite dümpelt Fuchs SE, der Weltmarktführer für Schmierstoffe, still in der Nähe seiner 52-Wochen-Tiefs, überschattet von der anhaltenden Industriearmut in Europa.
Für Anleger stellt sich heute eine fast binäre Entscheidung: Jagt man dem Momentum eines „Big Oil“-Giganten hinterher oder sammelt man einen deutschen „Hidden Champion“ am zyklischen Boden ein? Hier ist der direkte Schlagabtausch der beiden Aktien zum Stichtag 8. Januar 2026.
Nachrichtenlage: Geopolitik-Schub oder Konjunktur-Sorgen?
Chevron: Der Venezuela-Joker
Das bestimmende Thema im Januar 2026 ist für den US-Konzern eindeutig Venezuela. Nach den dramatischen politischen Verschiebungen in Caracas hat Chevron Berichten zufolge bereits eine Flotte von Tankern mobilisiert. Als einziger US-Major mit aktiver Lizenz und bestehender Infrastruktur vor Ort besitzt der Konzern einen entscheidenden „First-Mover“-Vorteil.
- Der Treibstoff: Chevron verhandelt direkt über eine Ausweitung der Lizenzen, was den Zugriff auf die weltweit größten nachgewiesenen Ölreserven massiv erleichtern könnte.
- Die Reaktion: Die Aktie reagiert nervös. Kurssprünge wechseln sich mit Rücksetzern ab, da Händler die enormen Instandsetzungskosten der maroden Infrastruktur gegen die Chancen abwägen.
- Der Kontext: Dieser Schachzug folgt nur sechs Monate nach dem wichtigen Schiedsspruch zur Übernahme der Hess Corporation, der Chevrons Position im lukrativen Guyana-Feld zementierte.
Fuchs SE: Das Warten auf den Boden
Ganz anders die Stimmungslage beim Mannheimer Schmierstoff-Spezialisten. Fuchs kämpft weiterhin gegen den Gegenwind der „deutschen Malaise“.
- Der Dämpfer: Analysten haben ihre Kursziele jüngst gesenkt und verweisen auf die schleppende Erholung der europäischen Industrieproduktion. Ein echter Trigger für kurzfristige Euphorie fehlt.
- Die Reaktion: Die Vorzugsaktie ist unter wichtige Durchschnittslinien gerutscht und notiert gefährlich nahe an der Marke von 37 Euro.
- Der Lichtblick: Trotz der Tristesse liefert die Strategie „Fuchs2025“ stabile Margen. Der aggressive Schwenk hin zu hochmargigen E-Fluids für Elektroautos und zur Kühlung von Rechenzentren läuft im Hintergrund weiter nach Plan.
Geschäftsmodell: Cash-Maschine gegen Burggraben-Spezialist
Während Chevron direkt am Tropf des Ölpreises hängt und gewaltige Summen investieren muss, betreibt Fuchs ein kapitalleichtes Modell mit tiefem wirtschaftlichen Burggraben.
| Kennzahl | Fuchs SE (Vorzug) | Chevron (CVX) |
|---|---|---|
| Marktkapitalisierung | ~5,8 Mrd. € | ~312 Mrd. $ |
| Aktueller Kurs | ~37,80 € | ~155,20 $ |
| KGV (Est. 2026) | ~16,5x | ~12,5x |
| Dividendenrendite | ~3,1 % | ~4,2 % |
| Beta (Volatilität) | 0,85 (Defensiv) | 1,15 (Zyklisch) |
Chevron: Die Cashflow-Maschine
Chevrons Modell basiert auf Dominanz im Upstream-Bereich. Mit dem Portfolio aus Permian Basin, Kasachstan und Guyana ist das Unternehmen eine Geldmaschine, die darauf ausgelegt ist, Dividenden und Aktienrückkäufe selbst bei Ölpreisen von 60 Dollar zu finanzieren. Das Risiko bleibt jedoch die Abhängigkeit vom Rohölpreis, dem Ende 2026 ein globales Überangebot drohen könnte.
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Fuchs SE: Der Technologie-Partner
Fuchs ist kein Ölproduzent, sondern ein Veredler. Das Unternehmen formuliert über 10.000 spezifische Schmierstoffe für Nischenanwendungen – von Windkraftanlagen bis zu chirurgischen Robotern. Das sorgt für hohe Wechselkosten bei den Kunden.
* Stärke: Die Bruttomargen sind stabil, da Rohstoffkosten (Basisöle) zeitversetzt an Kunden weitergegeben werden können.
* Schwäche: Das Unternehmen hängt am Volumen. Wenn in der deutschen Auto- und Maschinenbauindustrie die Bänder stillstehen, fehlt der Absatz.
Stimmungsbarometer: Wer hat die Fans auf seiner Seite?
Die Divergenz in der Marktstimmung ist in der ersten Januarwoche 2026 greifbar.
Chevron: Das gespaltene Lager
* Die Optimisten: Viele Experten sehen die Öffnung Venezuelas als „Game Changer“, der günstig Reserven hinzufügt. Sie trauen der Aktie Kurse weit über 175 Dollar zu.
* Die Skeptiker: Kritische Stimmen warnen, dass der Markt die Geschwindigkeit der Erholung in Venezuela überschätzt und die drohende Ölschwemme ignoriert.
* Fazit: Die Stimmung ist vorsichtig optimistisch, aber die „Venezuela-Prämie“ im Kurs ist fragil.
Fuchs SE: Die kollektive Vorsicht
* Die Optimisten: Langfristig orientierte Analysten sehen die aktuelle Bewertung als Fehlpreisung an. Ihrer Meinung nach ist die Aktie für eine Rezession eingepreist, die bereits bekannt ist. Die Qualität des Unternehmens wird nicht bezweifelt.
* Die Skeptiker: Kurzfristig fehlt der Katalysator. Das Sentiment ist schwach, weil niemand in ein fallendes Messer greifen will.
* Potenzial: Die Konsens-Ziele liegen bei 46-50 Euro, was ein Aufwärtspotenzial von rund 25-30 % impliziert.
Charttechnik: Wo liegen die Kaufmarken?
Chevron (Kampf um den Ausbruch)
Die Aktie konsolidiert in einer Spanne zwischen 150 und 160 Dollar.
* Widerstand: Die 160-Dollar-Marke ist der Schlüssel. Ein Ausbruch hier, getrieben durch bestätigte Lizenzen, würde den Weg zu neuen Allzeithochs freimachen.
* Unterstützung: Bei 148-150 Dollar liegt ein starker Boden. Fällt dieser, bewertet der Markt die geopolitischen Risiken als zu hoch.
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Fuchs SE (Bodenbildung gesucht)
Der Chart ist technisch überverkauft, sendet aber noch kein Kaufsignal.
* Unterstützung: Die Marke von 37,00 Euro ist die kritische „Linie im Sand“ (52-Wochen-Tief). Diese muss halten, damit die Bullen-These intakt bleibt.
* Widerstand: Unmittelbar bei ca. 39,50 Euro warten die gleitenden Durchschnitte. Erst ein Schlusskurs über 40 Euro wäre ein erstes echtes Lebenszeichen.
Das Urteil: Rendite sofort oder später?
Die Entscheidung zwischen Fuchs und Chevron hängt vollständig vom Zeithorizont und der Risikobereitschaft ab.
Der Fall für Chevron (Die „Rendite & Geopolitik“-Wette)
Man kauft Chevron heute, wenn man an den Superzyklus der US-Energie glaubt.
* Warum: Man erhält eine Dividendenrendite von über 4 % in US-Dollar, Zugang zum Wachstum in Guyana/Venezuela und einen Hedge gegen geopolitisches Chaos.
* Risiko: Sollte der Venezuela-Deal in Sanktionen oder Korruption steckenbleiben oder die Ölnachfrage 2026 schwächeln, hat die Aktie Luft nach unten bis in den 130er-Bereich.
Der Fall für Fuchs SE (Die „Antizyklische Value“-Wette)
Man kauft Fuchs heute, wenn man auf Mean Reversion (Rückkehr zum Mittelwert) setzt.
* Warum: Man kauft einen Weltmarktführer zu einem seltenen Rabatt (KGV ~16,5 vs. historisch 20+). Die Bilanz ist sauber und die Transformation weg vom Verbrenner gelingt.
* Katalysator: Eine Zinssenkung der EZB im Laufe des Jahres 2026 könnte die Investitionsfreude in Europa neu entfachen und diesen Zykliker deutlich nach oben treiben.
* Risiko: Eine sich vertiefende Rezession in Deutschland könnte die Aktie noch weitere 6-12 Monate lähmen.
Fazit
Chevron gewinnt beim Thema Momentum und sofortige Aktionärsrendite. Es ist die aufregende Wette für den Januar 2026, getrieben von Nachrichtenfluss und geopolitischer Ambition. Allerdings ist im Kurs bereits viel Optimismus bezüglich Südamerika eingepreist.
Fuchs SE gewinnt bei Qualität und Bewertung. Es ist die ungeliebte, langweilige Wahl, die dem geduldigen Investor jedoch eine höhere Sicherheitsmarge bietet. Während Chevron um Barrels in Krisenregionen kämpft, sorgt Fuchs im Hintergrund dafür, dass die Maschinen der Zukunft – ob Windräder oder EV-Fertigungsstraßen – weiterlaufen.
- Für den Trader: Long bei Chevron, sobald die 160 Dollar fallen, mit Blick auf die Venezuela-News.
- Für den Investor: Akkumulieren bei Fuchs SE nahe 37 Euro, als Wette auf die unvermeidliche Erholung deutscher Qualitätswerte.
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