Fünf Wasserstoff-Aktien im Realitätscheck — von KI-Boom bis Auftragsflaute

Bloom Energy profitiert vom KI-Boom, während Nel ASA mit schrumpfenden Aufträgen kämpft. ITM Power und Plug Power zeigen gemischte Signale.

Nel ASA Aktie
Kurz & knapp:
  • Bloom Energy durch KI-Deals beflügelt
  • Nel ASA mit sinkendem Auftragsbestand
  • ITM Power sichert Großprojekt in Schottland
  • PowerCell Sweden erreicht EBITDA-Wende

Bloom Energy surft auf der KI-Welle in eine eigene Galaxie, ITM Power sichert sich einen Großauftrag in Schottland, und Plug Power notiert nahe am Allzeithoch. Gleichzeitig kämpft Nel ASA mit schrumpfendem Auftragsbestand, während PowerCell Sweden still und leise den EBITDA-Turnaround geschafft hat. Die Wasserstoff-Branche bewegt sich nicht in eine Richtung — sie bewegt sich in fünf.

Nel ASA: Technologiesprung trifft auf leeren Auftragseingang

Nel ASA hat die große Produktoffensive gestartet. Der norwegische Elektrolyseur-Hersteller bringt seine nächste Generation druckbeaufschlagter alkalischer Systeme auf den Markt — das Ergebnis von über acht Jahren Entwicklungsarbeit und erfolgreichen Tests am Standort Herøya. Das Versprechen: Turnkey-Kosten von unter 1.450 Dollar pro Kilowatt für eine 25-MW-Anlage. Etwa die Hälfte dessen, was konventionelle Lösungen kosten.

Kein Wunder also, dass der Aktienkurs seit Jahresanfang rund 62 % zugelegt hat. Die Kehrseite zeigt sich im operativen Geschäft. Im ersten Quartal 2026 lag der Umsatz bei 148 Millionen NOK — ein Rückgang von 5 % gegenüber dem Vorjahr. Das EBITDA blieb mit minus 100 Millionen NOK tiefrot, wenn auch um 15 Millionen verbessert.

Schwerer wiegt der Auftragsbestand. Er ist auf 1,113 Milliarden NOK geschrumpft, ein Minus von 24 % gegenüber dem Vorjahresquartal. Das Analysten-Urteil fällt entsprechend nüchtern aus: Keiner der sieben befragten Experten empfiehlt den Kauf, das durchschnittliche Kursziel liegt bei 2,12 NOK. Bei einem aktuellen Kurs von 0,31 Euro — heute erneut über 7 % im Minus — bleibt die Lücke zwischen Technologie-Story und Marktakzeptanz groß. Das Management setzt darauf, dass im Laufe des Jahres mehr finale Investitionsentscheidungen fallen als 2025 und die Produktionskapazität in Herøya auf zunächst ein Gigawatt pro Jahr hochgefahren wird.

ITM Power: Partnerschaft in Schottland als nächster Meilenstein

Der Kursanstieg von ITM Power sticht heraus. Seit Jahresanfang hat sich der Wert fast verdreifacht, das Plus auf Zwölfmonatssicht beträgt über 120 %. Heute steht die Aktie bei 2,07 Euro, nach einem Wochenminus von gut 8 %. Die Bewertung ist ambitioniert — das Kurs-Umsatz-Verhältnis liegt bei rund 38.

Der jüngste Treiber: eine strategische Partnerschaft mit Protium Green Solutions. Gemeinsam wollen die beiden Unternehmen industrielle Grünwasserstoff-Anlagen in Großbritannien entwickeln, investieren und betreiben. Den Anfang macht das Cromarty-Projekt in Schottland mit 15 MW Elektrolyseurkapazität und einer Tagesproduktion von etwa sieben Tonnen grünem Wasserstoff. Die finale Investitionsentscheidung wird für Dezember 2026 angepeilt.

Die Pipeline reicht weiter:

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  • Magor Net Zero: 20 MW geplante Kapazität, für HAR2-Subventionen vorgesehen
  • South Tees Net Zero: 30 MW, ebenfalls im HAR2-Vergabeprozess
  • Chronos-Fertigungslinie: Zielkapazität von einem Gigawatt bis 2028, unterstützt durch 40 Millionen Pfund strategisches Eigenkapital von Great British Energy und einen Zuschuss von 46,5 Millionen Pfund vom Energieministerium

Der Juni wird für ITM Power zum entscheidenden Monat. Die britische Wettbewerbsbehörde CMA prüft derzeit den staatlichen Zuschuss für die Chronos-Linie. Eine Freigabe würde den außergewöhnlichen Kursanstieg nachträglich untermauern. Morgan Stanley hat die Aktie Ende April auf „Overweight“ hochgestuft und erwartet den EBITDA-Breakeven bereits im Geschäftsjahr 2028 — ein Jahr früher als der Konsens. Allerdings liegt das durchschnittliche Kursziel der Analysten bei 84,60 Pence, rund 45 % unter dem aktuellen Niveau.

Plug Power: Allzeithoch erreicht, Verluste bleiben

Plug Power hat kürzlich ein Allzeithoch bei 4,31 Dollar markiert. Das ist bemerkenswert für ein Unternehmen, das vor einem Jahr noch bei 0,76 Euro notierte. Heute liegt der Kurs bei 3,31 Euro — ein Tagesverlust von gut 6 %, aber immer noch ein Plus von über 74 % seit Jahresanfang.

Die Umsatzdynamik gibt den Bullen Argumente an die Hand. Im ersten Quartal 2026 stieg der Erlös um 22 % auf 163,5 Millionen Dollar und übertraf die Analystenschätzungen deutlich. Auch der bereinigte Verlust je Aktie fiel mit minus 0,08 Dollar besser aus als die erwarteten minus 0,10 Dollar.

Auf der Projektseite hat sich Plug Power am 30-MW-Barrow-Green-Hydrogen-Projekt in Cumbria beteiligt. Das Unternehmen liefert PEM-Elektrolyseure an das Joint Venture von Schroders Greencoat und Carlton Power, das seine finale Investitionsentscheidung bereits getroffen hat.

Die Euphorie hat allerdings ihren Preis. Mit einer Bruttomarge von minus 31 % in den letzten zwölf Monaten ist Profitabilität noch weit entfernt. Der Analystenkonsens liegt bei „Halten“ mit einem Durchschnittskursziel von 3,62 Dollar — die Aktie notiert bereits darüber. Die Spanne der Schätzungen reicht von 0,75 bis 7,00 Dollar. Selten war die Wall Street bei einem Wasserstoff-Titel so gespalten. Ein RSI von 24,7 signalisiert kurzfristig überverkaufte Verhältnisse nach dem jüngsten Rücksetzer.

Bloom Energy: Wenn KI-Hunger auf Brennstoffzellen trifft

Bloom Energy hat sich von der restlichen Wasserstoff-Branche praktisch abgekoppelt. Mit einer Marktkapitalisierung von über 82 Milliarden Dollar spielt das Unternehmen in einer völlig anderen Liga als die elektrolyseurbasierten Wettbewerber. Seit Jahresanfang steht ein Plus von rund 203 %, auf Zwölfmonatssicht sind es über 1.300 %.

Der Motor hinter dieser Entwicklung ist das explodierende Geschäft mit KI-Rechenzentren. Der europäische Cloud-Anbieter Nebius wird Bloom-Brennstoffzellen in seinen US-Rechenzentren einsetzen — ein Deal, der über die Vertragslaufzeit bis zu 2,6 Milliarden Dollar an Servicegebühren generieren könnte. Das erste Projekt mit 328 MW installierter Kapazität soll noch in diesem Jahr ans Netz gehen.

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Parallel dazu hat Bloom Energy im April Optionsscheine an Oracle ausgegeben, verknüpft mit einer Partnerschaft zur Vor-Ort-Stromversorgung von KI-Rechenzentren. Die modularen Festoxid-Brennstoffzellen lassen sich schneller installieren als klassische Netzanschlüsse — ein entscheidender Vorteil, wenn Tech-Konzerne um knappe Stromkapazitäten konkurrieren.

Die Quartalszahlen untermauern den Trend: 130 % Umsatzwachstum im ersten Quartal, Margenverbesserung und eine Anhebung der Jahresprognose auf 3,4 bis 3,8 Milliarden Dollar Umsatz. RBC Capital sieht den Kurs bei 335 Dollar, BTIG hat auf 295 Dollar erhöht.

Bei einem Forward-KGV von knapp 139 und einem Kurs-Umsatz-Verhältnis von 22,6 ist in der Bewertung allerdings makellose Umsetzung eingepreist. Heute notiert die Aktie bei 255 Euro, gut 9 % unter dem 52-Wochen-Hoch. Jeder Stolperer bei der Auslieferung könnte den Kurs empfindlich treffen.

PowerCell Sweden: Erster EBITDA-Meilenstein, wenig Begeisterung

PowerCell Sweden steht im Schatten der lauteren Namen. Das schwedische Brennstoffzellenunternehmen hat 2025 erstmals ein positives Jahres-EBITDA erzielt — eine EBITDA-Verbesserung von rund 79 Millionen SEK gegenüber dem Vorjahr. Der Umsatz stieg um 15 % auf 385 Millionen SEK, die Verluste schrumpften um knapp 38 %.

Der Breakeven-Punkt liegt bei etwa 400 Millionen SEK Jahresumsatz. Im ersten Quartal 2026 erreichte PowerCell 47 Millionen SEK Umsatz, das Ergebnis blieb mit minus 40 Millionen SEK negativ. Die maritime Sparte macht rund 80 bis 85 % des Geschäfts aus, mit langen Lieferzyklen. Kürzere Zyklen im Bereich Stromerzeugung könnten im Jahresverlauf für ein steileres Umsatzprofil sorgen.

Bei 3,04 Euro — heute ebenfalls rund 6 % im Minus — notiert die Aktie weit unter ihrem 52-Wochen-Hoch von 4,65 Euro. Analysten sehen den Wert als „Strong Buy“ mit einem Konsenskursziel von 33 SEK, deutlich über dem aktuellen Niveau. Ohne kurzfristige Katalysatoren bleibt PowerCell ein stiller Kandidat, der auf operative Bestätigung wartet.

Wasserstoff-Sektor: Fünf Geschwindigkeiten, ein Prüfstein

Die Spreizung im Wasserstoff-Sektor war selten so ausgeprägt wie im Juni 2026:

  • Bloom Energy dominiert mit KI-Infrastruktur-Deals und einer Bewertung, die den Rest der Branche um das Hundertfache übersteigt
  • ITM Power und Plug Power reiten auf frischen Katalysatoren, handeln aber beide über ihrem Analystenkonsens
  • Nel ASA muss beweisen, dass die neue Elektrolyseur-Plattform in Aufträge mündet
  • PowerCell Sweden hat operativ geliefert, wartet aber auf den nächsten Impuls

Die kommenden 90 Tage werden für mehrere dieser Titel richtungsweisend. ITM Power braucht die CMA-Freigabe im Juni. Nel ASA steht vor dem Q2-Bericht im Juli als erstem echten Gradmesser für die kommerzielle Traktion der neuen Plattform. Plug Power muss die Umsatzdynamik halten, um die Bewertung oberhalb des Konsens zu rechtfertigen. Und Bloom Energy steht vor der Aufgabe, einen milliardenschweren Auftragsbestand fehlerfrei abzuarbeiten — bei Multiplikatoren, die keinerlei Spielraum lassen.

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