Fujikura zieht einen Schlussstrich unter eine fast 20 Jahre alte Partnerschaft in China. Der japanische Kabel- und Glasfaserhersteller verkauft seinen Anteil am Gemeinschaftsunternehmen in Wuhan komplett an den chinesischen Partner. Der Grund: Fujikura will sein Kapital dort einsetzen, wo gerade das große Geld verdient wird — im US-Boom rund um KI-Rechenzentren.

Verkauf des China-Joint-Ventures

Am Freitag, den 10. Juli, meldete Fujikura um 14:30 Uhr Ortszeit den kompletten Ausstieg aus dem Gemeinschaftsunternehmen Fujikura FiberHome Opto-Electronics Material Technology. Käufer ist der bisherige Partner FiberHome Telecommunication Technologies. Der Transferpreis liegt bei rund 11,957 Milliarden Yen, umgerechnet etwa 73 Millionen Euro.

Fujikura hielt insgesamt 60 Prozent an dem Joint Venture. Davon entfielen 40 Prozent auf den Mutterkonzern selbst, die restlichen 20 Prozent lagen bei der chinesischen Tochter Fujikura China. Das Gemeinschaftsunternehmen fertigte Vorformlinge für Glasfasern und erzielte im Geschäftsjahr bis Dezember 2025 einen Umsatz von 8,07 Milliarden Yen bei einem Betriebsgewinn von 513 Millionen Yen. Die Nettovermögenswerte lagen bei 19,9 Milliarden Yen.

Beide Seiten begründen den Schritt damit, dass das gemeinsame Geschäft seine Rolle erfüllt habe. Der Deal soll bis Ende September 2026 abgeschlossen sein. Fujikura selbst rechnet nur mit geringen Auswirkungen auf die eigene Ergebnisrechnung. Marktbeobachter werten den Verkauf als Teil einer Bereinigung des Portfolios, die die Kapitalstruktur verbessern soll.

17 Jahre China-Partnerschaft enden

Das Werk in Wuhan geht auf eine Kooperation zurück, die die beiden Unternehmen vor 17 Jahren geschlossen hatten. Der Ausstieg markiert damit keinen kurzfristigen Rückzieher, sondern das Ende einer langjährigen Verbindung. Fujikura richtet sein globales Geschäft derzeit neu aus — weg von China, hin zu den USA.

Dort bauen Hyperscaler ihre Rechenzentren für Künstliche Intelligenz massiv aus. Die Nachfrage nach leistungsstarken Glasfaserkabeln steigt entsprechend. Fujikura hat auf diesen Trend bereits reagiert: Ein neues Werk am Standort Sakura Works ist in Planung, ergänzt durch eine eigene US-Tochtergesellschaft für das amerikanische Geschäft.

Rekordjahr schafft finanziellen Spielraum

Der China-Ausstieg folgt auf ein außergewöhnlich starkes Geschäftsjahr. Für die zwölf Monate bis März 2026 meldete Fujikura einen Konzernumsatz von 1,182 Billionen Yen — ein Plus von 20,7 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Der Betriebsgewinn kletterte um 45,3 Prozent, der Nettogewinn für die Aktionäre sogar um 72,5 Prozent.

Die Eigenkapitalquote stieg auf 57,80 Prozent. Diese solide Basis gibt Fujikura finanziellen Spielraum für den Ausbau der US-Kapazitäten — unabhängig von den eher überschaubaren Erlösen aus dem China-Verkauf.

Kursreaktion

Die Fujikura-Aktie schloss am Freitag bei 28,28 Euro, ein Tagesplus von 1,73 Prozent. Auf Sicht von sieben Tagen steht dennoch ein Minus von 2,88 Prozent zu Buche, während sich der Kurs binnen 30 Tagen um 26,79 Prozent verteuert hat. Diese Schwankungsbreite spiegelt den steilen Anstieg nach der Anhebung der Gewinnprognose im Frühsommer wider, gefolgt von einer Korrektur.

Der RSI auf 14-Tage-Basis liegt bei 47,7 und signalisiert damit weder überkaufte noch überverkaufte Bedingungen. Die annualisierte 30-Tage-Volatilität bleibt mit knapp 129 Prozent jedoch hoch. Wer in Fujikura investiert, muss also weiterhin mit kräftigen Kursausschlägen rechnen.

Der nächste Termin, an dem sich zeigt, wie tragfähig die neue Strategie ist, steht bereits fest: Am 7. August 2026 legt Fujikura seine nächsten Quartalszahlen vor. Investoren dürften dann genau darauf achten, wie sich der China-Verkauf und das US-Investitionsprogramm auf den Ausblick für das laufende Geschäftsjahr auswirken.