Der Kurs explodiert, die Börse zieht Notbremsen. Fujikura-Aktien erleben einen historischen Höhenflug – mit Folgen.

Die Aktie des japanischen Kabelherstellers Fujikura hat zwei Tage in Folge das tägliche Kurslimit nach oben durchbrochen. Jetzt reagiert die Tokioter Börse. Sie weitet die täglichen Kursschwankungsbreiten aus – ab dem 23. Juni. Die neue Spanne: von 5.161 Yen bis 10.165 Yen. Zum Vergleich: Am Montag schloss die Aktie bei 6.161 Yen.

Auslöser der Rallye ist eine deutliche Anhebung der Gewinnprognose. Für das Geschäftsjahr bis März 2027 erwartet Fujikura nun einen Nettogewinn von 229 Milliarden Yen – 47 Prozent mehr als bisher. Auch das operative Ergebnis soll mit 310 Milliarden Yen 47 Prozent über der alten Prognose liegen. Der Umsatz soll auf 1,46 Billionen Yen steigen.

Die Börse wertet das als klares Signal. Hier in Europa notiert die Aktie am Montag bei 38,03 Euro – ein Plus von 22,28 Prozent an einem einzigen Tag. Auf Wochensicht beträgt der Gewinn 59,84 Prozent.

KI-Infrastruktur als Turbo

Die Rekordzahlen haben einen klaren Treiber: die Nachfrage nach Glasfaserkabeln. Fujikura liefert essenzielle Komponenten für KI-Rechenzentren. Und die werden weltweit in Rekordtempo gebaut.

Hinzu kommt ein milliardenschwerer Impuls aus Tokio. Die japanische Regierung plant offenbar ein Investitionsprogramm für „Physical AI“ – also künstliche Intelligenz in Robotik und Automatisierung. 10,5 Billionen Yen (rund 65 Milliarden US-Dollar) sind bis 2040 vorgesehen. Insgesamt sollen 370 Billionen Yen in 17 strategische Sektoren fließen.

Der Nikkei-225-Index reagierte prompt. Am 22. Juni schloss er erstmals über 72.000 Punkten – neues Allzeithoch.

Rallye mit Fragezeichen

Fujikura ist damit nicht allein. Auch Fanuc, Yaskawa Electric und zahlreiche Halbleiterwerte legen zu. Die KI-Welle erfasst den gesamten japanischen Technologiesektor.

Doch die Geschwindigkeit der Rallye ist ungewöhnlich. Seit den jüngsten Tiefs hat Fujikura rund 58,5 Prozent zugelegt. Ein Tempo, das hohe Erwartungen eingepreist hat.

Die entscheidende Frage für Anleger: Kann Fujikura die Investitionswelle der globalen Rechenzentren wirklich in nachhaltiges Umsatzwachstum übersetzen? Der Markt wettet darauf. Ob die Realität folgt, entscheiden die nächsten Quartalszahlen.