Fujikura hat die Märkte überrascht — und das gleich doppelt. Erst hob das Unternehmen seine Gewinnprognose drastisch an. Dann stellte eine Analystenbank fest, dass hinter dem Sprung ein Wachstumstreiber steckt, den niemand auf dem Radar hatte.

Die Prognoseerhöhung, die alles auslöste

Am 19. Juni hob Fujikura seine Prognose für das operative Ergebnis auf ¥310 Milliarden an — gegenüber dem vorherigen Ziel von ¥211 Milliarden. Der Bloomberg-Konsens lag bei ¥258 Milliarden. Fujikura übertraf ihn deutlich.

Für das erste Halbjahr erwartet das Unternehmen nun ein operatives Ergebnis von ¥174 Milliarden. Das sind 89 Prozent mehr als bisher geplant. Auslöser waren neue Aufträge von Hyperscalern für optische Komponenten im Telekomsegment. Diese Aufträge flossen nicht in die ursprüngliche Planung ein.

Morgan Stanley kommentierte, dass eine so massive Prognoseerhöhung nur einen Monat nach dem letzten Jahresergebnis ungewöhnlich sei. CEO Naoki Okada erklärte, das Unternehmen bediene inzwischen fast alle großen US-Hyperscaler mit Glasfaserkabeln. Knappe Kapazitäten erlauben es Fujikura, höhere Preise durchzusetzen — und Kunden akzeptieren sie.

Der dritte Gewinnmotor

SMBC Nikko hob das Kursziel von ¥5.300 auf ¥7.400 an und behielt die höchste Kaufempfehlung. Die Bank stellte fest, dass mehr als die Hälfte der Prognoseerhöhung nicht aus Glasfaserkabeln oder optischen Verdrahtungsmaterialien stammt. Stattdessen treiben optische Komponenten ohne Glasfaser den Anstieg: Multi-Core-Steckverbinder, Patchkabel, Racks und Panels.

Diesen „dritten Gewinnmotor“ hatte SMBC Nikko nach eigenen Angaben nicht erwartet. Das ist eine bedeutende Neubewertung — nicht nur des Ergebnisses, sondern des Geschäftsmodells.

Kapazitätsausbau und Bewertungsrisiko

Fujikura plant, die Produktionskapazität an allen Standorten in Japan und den USA auf etwa das Dreifache des heutigen Niveaus auszubauen. Ein neues US-Werk soll noch vor Ende des Jahrzehnts anlaufen. Die volle Kapazität am amerikanischen Standort peilt Okada für das Geschäftsjahr 2035 an.

Die Aktie schloss den Freitag bei 32,99 Euro — ein Tagesrückgang von knapp drei Prozent, aber ein Wochenplus von über sechs Prozent und ein 30-Tage-Anstieg von mehr als 20 Prozent. Das Kurs-Gewinn-Verhältnis liegt deutlich über dem japanischen Branchendurchschnitt von 14,4x und auch über dem Peer-Durchschnitt von 30,5x. Diese Prämie setzt voraus, dass die KI-Nachfrage und die Preissetzungsmacht anhalten.

Am 30. Juni zahlt Fujikura eine Dividende von ¥95,00 je Aktie. Den nächsten konkreten Stresstest liefern die Quartalszahlen im August 2026 — dann zeigt sich, ob die Nachfrage nach Rechenzentrumskomponenten strukturell ist oder ein einmaliger Schub.