Ein europäisches Patentgericht kippt einen zentralen Schutz für Fujikura – und trifft den japanischen Glasfaserkabel-Hersteller damit an einer empfindlichen Stelle. Die Aktie steht bei 26,52 Euro, sieben Prozent unter dem Wert der Vorwoche. Auf Monatssicht bleibt trotzdem ein Plus von 17,39 Prozent.

Europäisches Patentamt kippt Kabel-Patent

Die Technische Beschwerdekammer des Europäischen Patentamts hat das Patent EP3796060 vollständig widerrufen. Die Entscheidung ist endgültig, eine Berufung ist nicht mehr möglich. Betroffen sind Fujikura Ltd und die europäische Tochter Fujikura Europe Limited.

Damit endet ein Rechtsstreit, der seit 2023 läuft. Fujikura hatte den indischen Konkurrenten Sterlite Technologies vor dem britischen High Court verklagt. Der Vorwurf: Sterlite verletze mit seiner Celesta-Kabelserie geschützte Fujikura-Technologie.

Zunächst sah es nach einem Erfolg für die Japaner aus. Richter Tom Mitcheson KC verhandelte den Fall zwischen dem 6. und 15. Oktober 2025 und erklärte das Patent für gültig und verletzt. Die Berufung beim Europäischen Patentamt hat dieses Urteil nun komplett gekippt.

Sterlite kann die Niederlage nun für sich nutzen. Das Unternehmen sieht ein zentrales Risiko für seine Celesta-Produktlinie beseitigt und verfolgt inzwischen die Erstattung eigener Anwaltskosten von Fujikura. Im Kern ging es um eine spezielle Kabelmantel-Technologie: Glasfaserkabel werden mit Hochdruckluft durch Leitungsrohre geblasen, und das strittige Design sollte genau diesen Installationsprozess verbessern.

Kurs gerät in Tech-Ausverkauf

Die Patent-Niederlage trifft die Aktie zu einem ungünstigen Zeitpunkt. Seit ihren Rekordständen im Juni befindet sich die Aktie in einer scharfen Abwärtsbewegung. Die annualisierte 30-Tage-Volatilität liegt bei 130,98 Prozent – ein Wert, der die extreme Schwankungsbreite des Papiers unterstreicht.

Der RSI steht bei 43,7. Das deutet auf ein neutrales bis leicht überverkauftes Terrain hin, nicht auf eine technische Extremsituation. Der breitere Tokioter Markt belastet zusätzlich: Technologie- und Halbleiterwerte stehen unter Druck, nachdem volatile Sitzungen an der Nasdaq die Bewertungen von KI-Titeln erneut infrage gestellt haben. Fujikura hängt mit seinem Geschäft eng an der Nachfrage nach Hochdichte-Glasfaserkabeln für KI-Rechenzentren – und damit direkt an dieser Neubewertung.

Rechtsschlappe verstärkt Vorsicht der Anleger

Die Patent-Niederlage passt schlecht zu einem eigentlich starken operativen Bild. Erst vor wenigen Wochen hatte Fujikura seine Gewinnprognose für das Geschäftsjahr bis März 2027 deutlich angehoben. Der Fokus der Anleger hat sich seither jedoch verschoben – erst zu Ausführungsrisiken, jetzt zum Verlust eines wichtigen Wettbewerbsschutzes im lukrativen europäischen Kabelmarkt.

Der Rechtsstreit ist mit dem Urteil endgültig zugunsten von Sterlite entschieden. Kostenerstattungsverfahren dürften folgen. Entscheidend wird nun, wie Fujikuras Management auf die schwächere Wettbewerbsposition in Europa reagiert – gerade im Hochdichte-Kabelsegment, das für die KI-Wachstumsstory des Konzerns zentral ist.