Die G7-Staaten steuern gegen die rasant gestiegenen Kraftstoffpreise an. Über einen Zeitraum von vier Monaten bringen die führenden Industrienationen koordiniert 100 Millionen Barrel Rohöl und Diesel aus strategischen Reserven auf den Markt. Der Schritt soll den akuten Preisdruck mindern und die Versorgungslage an den Weltmärkten stabilisieren.
Ein Schwerpunkt der Maßnahme liegt auf der Versorgung mit Dieselkraftstoff. Bereits in den ersten 20 Tagen soll eine erhebliche Menge Diesel mobilisiert werden, um Engpässe abzufedern. Wirtschaftsministerin Katherina Reiche betonte, dass die Freigabe die heimische Energiesicherheit nicht gefährde. Die verbleibenden Notreserven sicherten das System weiterhin verlässlich ab.
Politischer Schulterschluss statt Exportstopp
Dem Beschluss ging ein transatlantischer Streit über drohende Handelsbeschränkungen voraus. Aus den USA war zuvor die Drohung laut geworden, Ausfuhren von Kraftstoffen einzuschränken, um die heimischen Preise zu dämpfen. Für Europa hätte dies erhebliche Risiken mit sich gebracht, da die Vereinigten Staaten nach dem Nahen Osten als wichtigster Lieferant für Diesel gelten.
In einer gemeinsamen Erklärung verständigten sich die Staats- und Regierungschefs schließlich auf den Verzicht jeglicher Exportbeschränkungen untereinander. Frankreichs Präsident Emmanuel Macron betonte das Ziel, neben der Rohölfreigabe auch Raffineriemargen und Transportkosten zu verringern. Die Entlastung an den Weltmärkten soll möglichst schnell an den Zapfsäulen ankommen.
Seltene Intervention auf den Weltmärkten
Die koordinierte Freigabe staatlicher Bestände über die Internationale Energieagentur bleibt eine Ausnahme. Seit den 1970er Jahren griff die Staatengruppe erst sechsmal zu diesem Instrument. Nach der Freigabe einer Rekordmenge im vergangenen März folgt nun der nächste koordinierte Eingriff in das Marktgeschehen.
Die Puffer der Mitgliedsländer sind weiterhin beträchtlich. Allein die staatlichen Notbestände umfassen 1,2 Milliarden Barrel Öl, ergänzt durch hunderte Millionen Barrel privater Vorräte. Deutschland selbst hält Reserven für mindestens 90 Tage vor, um eventuelle Versorgungsstörungen vollständig zu überbrücken. In den kommenden Tagen beraten die G7-Staaten über zusätzliche Diesel-Mengen, um den Markt weiter zu beruhigen.


