Die führenden westlichen Industrienationen stemmen sich gegen den jüngsten Preisschub an den Zapfsäulen. In einer gemeinsamen Initiative bringen die G7-Staaten ab sofort 100 Millionen Barrel Rohöl aus ihren Notreserven auf den Markt. Die Freigabe soll über einen Zeitraum von vier Monaten gestreckt werden, um das Angebot spürbar zu erhöhen und die Nervosität an den Rohstoffmärkten zu dämpfen.
Hinter der Entscheidung steht ein wachsender Versorgungsdruck, der vor allem die Preise für Diesel in die Höhe getrieben hat. Die Minister der Siebenergruppe sprachen nach einer Schalte von einer beispiellosen Volatilität an den Energiemärkten. Die nun aktivierten Mengen stammen aus einem Notkontingent, das die Staatengruppe bereits im Frühjahr grundsätzlich bewilligt hatte.
Druck aus Washington beschleunigt die Einigung
Der Beschluss ist auch das Ergebnis intensiver politischer Reibung über dem Atlantik. Die US-Regierung hatte die europäischen Partner zuletzt öffentlich gedrängt, unverzüglich zusätzliche Mengen zur Entlastung bereitzustellen. Drohungen aus Washington mit einem Exportstopp für Diesel erhöhten das Tempo der Abstimmung beträchtlich. Vor den anstehenden US-Kongresswahlen steht das Weiße Haus wegen der hohen Treibstoffpreise unter erheblichem innenpolitischem Druck.
Europäische Regierungsvertreter betonten nach den Verhandlungen, dass eine einvernehmliche Lösung im G7-Rahmen gefunden wurde, die auch den Interessen der europäischen Staaten gerecht werde. An den Beratungen unter französischem Vorsitz hatte neben Vertretern aus Japan, Großbritannien, Kanada und den USA auch Bundeskanzler Friedrich Merz teilgenommen.
Zusätzliche Schritte bei Diesel geplant
Die formelle Koordination liegt bei der Internationalen Energieagentur, die 32 Mitgliedsländer umfasst. Bereits im März hatte die Organisation als Reaktion auf den Iran-Krieg eine Rekordmenge von 400 Millionen Barrel strategischer Reserven freigegeben. Da dieser Puffer den aktuellen Preisdruck bei den Raffinerieprodukten nicht vollständig abfangen konnte, folgt nun der nächste Schritt.
Die Beratungen sind damit noch nicht abgeschlossen. In den kommenden Tagen kommen die Mitglieder der Energieagentur erneut zusammen, um über gesonderte Freigaben gezielt für Dieselkraftstoff zu verhandeln.


