Rechnerisch sollten die deutschen Erdgasspeicher zum 1. November zu durchschnittlich 70 Prozent gefüllt sein, tatsächlich sind es lediglich rund 61,4 Prozent. Die Gasversorgung für den anstehenden Winter gilt nach behördlicher Einschätzung dennoch als gesichert. Der geringere Puffer könnte allerdings vor allem gegen Ende der Heizperiode die Anfälligkeit für Preisspitzen erhöhen.
Direkte gesetzliche Sanktionen zieht das Verfehlen der Quote nicht nach sich. Die Bundesnetzagentur stuft das Risiko von Engpässen weiterhin als gering ein. Das Wirtschaftsministerium verweist darauf, dass die Speicherstände durch die gewachsene Importinfrastruktur für Flüssigerdgas (LNG) und feste Pipeline-Lieferungen aus Norwegen heute eine andere Rolle spielen als in früheren Jahren. Über die Terminals lassen sich auch während der laufenden Heizperiode zusätzliche Mengen am Weltmarkt beschaffen.
Hohe Einkaufspreise bremsten die Befüllung
Dass die Speicher weniger gefüllt sind als vorgesehen, hat vor allem ökonomische Gründe. Üblicherweise nutzen Händler günstigere Sommermonate zur Einspeicherung, um das Gas im Winter mit Aufschlag zu verkaufen. In diesem Jahr trieben geopolitische Spannungen rund um den Iran-Konflikt die Großhandelspreise bereits im Sommer nach oben.
Der Zukauf erschien vielen Marktteilnehmern wirtschaftlich wenig attraktiv, da Sommergas zeitweise teurer gehandelt wurde als die Erwartungen für den Winterverkauf. Ende September wies das Wirtschaftsministerium deshalb das bundeseigene Energieunternehmen Sefe an, zusätzliche Mengen einzuspeichern. Aktuell lagern rund 150 Terawattstunden Gas in den deutschen Anlagen — nach Branchenangaben mehr, als im gesamten vergangenen Winter entnommen wurde.
Belastungsproben drohen erst im Spätwinter
Der Verband der Speicherbetreiber sieht in dem Fehlbetrag dennoch ein Warnsignal. Mit sinkendem Pegel nimmt nicht nur der Vorrat ab, sondern auch die physikalische Ausspeicherleistung. Die Anlagen können bei fallendem Füllstand technisch bedingt weniger Gas pro Tag ins Netz einspeisen.
Kritisch könnte diese Dynamik im Februar und März werden, sollten späte Kältewellen auf bereits geleerte Speicher treffen. In einem solchen Szenario drohen kurzfristige Preisausschläge an den Spotmärkten, die sich auch auf die Stromkosten durchschlagen können. Um dem vorzubeugen, hat das Wirtschaftsministerium zusätzliche Ausschreibungen aufgesetzt, die speziell Vorräte für den Spätwinter absichern sollen.
Langfristig stellt die Politik das Sicherungssystem um. Die bestehenden Vorgaben laufen zum 31. März 2027 aus. Ab dem Winter 2027 soll stattdessen schrittweise eine nationale Gasreserve von 24 Milliarden Kilowattstunden aufgebaut werden, finanziert über eine Umlage.


