Der Schweizer Industriekonzern Georg Fischer blickt optimistischer auf das laufende Geschäftsjahr und hat die Prognose für das organische Wachstum angehoben. Ausschlaggebend für die Anpassung sind eine dynamische Auftragsentwicklung sowie strategische Weichenstellungen im Kerngeschäft.

Gleichzeitig treibt das Unternehmen aus Schaffhausen seinen Umbau voran und trennt sich von Randbereichen, um Ressourcen für zukunftsträchtige Segmente wie die Kühlung von Rechenzentren freizumachen.

Starke Nachfrage bei Flow Solutions

Medienberichten zufolge verzeichnete die Division Flow Solutions im ersten Halbjahr eine robuste Entwicklung. Der Umsatz in diesem Segment stieg um 5,1 % auf 1,58 Milliarden Franken, was einem organischen Wachstum von 5,7 % entspricht.

Besonders deutlich zeigte sich die Dynamik beim Auftragseingang: Hier meldete Georg Fischer am 17. Juli ein organisches Plus von 15,1 % auf insgesamt 1,73 Milliarden Franken. Dieser Zuwachs bildet das Fundament für die angehobene Guidance für das Gesamtjahr.

Das Management erwartet nun ein organisches Wachstum im mittleren einstelligen Prozentbereich, nachdem zuvor lediglich ein Zuwachs im unteren einstelligen Bereich in Aussicht gestellt worden war. Die Erwartungen an die operative Profitabilität bleiben hingegen unverändert. Das Unternehmen strebt für das Jahr 2026 weiterhin eine operative EBITDA-Marge in einer Spanne von 14 % bis 16 % an.

Kostendruck und Währungseffekte belasten Marge

Trotz der positiven Umsatzentwicklung stand die operative Marge im ersten Halbjahr unter Druck. Das vergleichbare EBIT stieg zwar leicht um 1,3 % auf 158 Millionen Franken, doch die entsprechende Marge ging um 0,4 Prozentpunkte auf 10,0 % zurück.

Verantwortlich für diesen Rückgang waren laut Unternehmensangaben vor allem negative Währungseffekte sowie eine teilweise unausgewogene Auslastung der Produktionskapazitäten. Zudem belastete die anhaltende Kosteninflation das Ergebnis.

Die operative Steuerung bleibt somit eine zentrale Herausforderung für die Konzernleitung, während das Unternehmen gleichzeitig sein Portfolio bereinigt. Ein wesentlicher Schritt in dieser Strategie ist der Verkauf des Feinguss-Geschäfts für die Luft- und Raumfahrt sowie für Industriegasturbinen.

Verkauf der Precicast-Gruppe eingeleitet

Bereits am 7. Juli gab Georg Fischer den Verkauf der früheren Division Casting Solutions an den US-Konzern Consolidated Precision Products Corp. (CPP) bekannt. Die betroffene Precicast-Gruppe beschäftigt rund 600 Mitarbeiter an Standorten in der Schweiz sowie in Rumänien. Durch die Devestition erwartet das Unternehmen einen Mittelzufluss von rund 220 Millionen Franken. Der Abschluss der Transaktion ist für das Ende des Jahres geplant.

Dieser Schritt unterstreicht den Fokus auf margenstärkere Geschäftsbereiche. Besonders im Industriebereich sieht der CEO erhebliche Wachstumschancen durch den weltweiten Boom bei Rechenzentren. Georg Fischer bietet hierfür spezielle Lösungen für das Wassermanagement und die Flüssigkühlung an. Ziel ist es, vom massiv steigenden Kühlungsbedarf moderner IT-Infrastrukturen zu profitieren.

Aktie markiert neues Jahrestief

An der Börse spiegelte sich der strategische Fortschritt zuletzt nicht unmittelbar wider. Der Aktienkurs verzeichnete in den vergangenen 30 Tagen einen Rückgang von 15 %. Mit einem Schlusskurs am Freitag von 63,78 USD notiert das Papier auf seinem aktuellen 52-Wochen-Tief. Der Abstand zum bisherigen Jahreshöchststand, der am 20. Juli erreicht worden war, hat sich damit auf 16 % ausgeweitet.

Für Anleger bleibt nun entscheidend, ob Georg Fischer die positive Dynamik beim Auftragseingang in der zweiten Jahreshälfte in eine verbesserte Profitabilität ummünzen kann. Der Fokus liegt dabei vor allem auf der Skalierung der Projekte im Bereich der Rechenzentrum-Kühlung und dem planmäßigen Abschluss des Verkaufs der Precicast-Einheiten.