Ein Angebot, das mehr als das Doppelte des damaligen Börsenkurses bot — und Gerresheimer hat es trotzdem abgelehnt. Der Düsseldorfer Pharmaverpackungsspezialist will seinen Weg aus der Krise lieber allein gehen.
Wie Reuters unter Berufung auf drei informierte Quellen berichtete, hatte der US-Konzern Silgan im März unverbindlich 41 Euro je Aktie geboten. Gespräche finden laut diesen Quellen nicht mehr statt. Gerresheimer will sich stattdessen auf die Lösung seiner Bilanzprobleme und den Verkauf der US-Tochter Centor konzentrieren.
Centor-Verkauf soll Schulden abbauen
Der Centor-Prozess läuft. Eine zweistellige Anzahl von Interessenten ist bereits dabei. Centor stellt Verpackungssysteme für verschreibungspflichtige Medikamente in den USA her. Ende 2024 stand die Sparte mit 292 Millionen Euro in den Büchern. Gerresheimer rechnet noch in diesem Jahr mit dem Abschluss der Transaktion. Die Investmentbank Morgan Stanley begleitet den Prozess.
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Auf der Finanzierungsseite hat das Unternehmen Luft gewonnen. Schuldschein-Inhaber mit 96 Prozent des Gesamtvolumens von 870 Millionen Euro stimmten einer Fristverlängerung bis Ende September 2026 zu. Wesentliche Kreditbedingungen zum Verschuldungsgrad sind bis einschließlich des dritten Quartals 2026 ausgesetzt.
Bilanzskandal zieht juristische Kreise
Im Kern der Krise stehen sogenannte Bill-and-Hold-Vereinbarungen. Gerresheimer stellte Kunden Waren in Rechnung, lieferte sie aber erst später aus — und buchte die Umsätze zu früh. Eine unabhängige Anwaltskanzlei bestätigte systematische Verstöße gegen IFRS-Vorschriften. Sie summierten sich auf 35 Millionen Euro Umsatz und 24 Millionen Euro bereinigtes EBITDA.
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Die Folge: Die Abschlussprüferaufsichtsstelle APAS hat ein berufsrechtliches Verfahren gegen KPMG eingeleitet. Die Prüfer hatten den Jahresabschluss 2024 trotz der Fehler uneingeschränkt testiert — obwohl KPMG erst 2024 den bisherigen Prüfer Deloitte abgelöst hatte. Der Aktionärsschutzverband DSW prüft Schadensersatzansprüche gegen Ex-Vorstandschef Dietmar Siemssen und Ex-Finanzvorstand Bernd Metzner. Auch Bewertungsfragen rund um Geschäftswerte von rund 676 Millionen Euro stehen dabei im Fokus.
Institutionelle Investoren steigen ein
Die Aktie hat in den vergangenen zwölf Monaten rund 57 Prozent verloren und notiert bei 22,24 Euro — weit unter dem 52-Wochen-Hoch von 64,40 Euro. Kein Wunder, dass der Kurs nach der Reuters-Meldung kurzzeitig fünf Prozent nachgab. Allerdings erholte er sich schnell. Institutionelle Investoren wie der CastleKnight Master Fund und Deka Investment meldeten neue Beteiligungen — offenbar wetten sie auf eine Stabilisierung.
Den testierten Jahres- und Konzernabschluss 2025 will Gerresheimer im Juni 2026 vorlegen. Der Halbjahresbericht ist für den 14. Juli 2026 terminiert. Bis dahin bleibt jede neue Meldung aus dem regulatorischen Umfeld ein potenzieller Kurstreiber — in beide Richtungen.
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