Gerresheimer: Silgan-Angebot von 41 Euro abgelehnt

Der Pharmaverpacker Gerresheimer hat ein Übernahmeangebot von Silgan zurückgewiesen und konzentriert sich stattdessen auf den Verkauf seiner US-Tochter Centor und die Bewältigung der Bilanzkrise.

Gerresheimer Aktie
Kurz & knapp:
  • Ablehnung eines unverbindlichen Angebots über 41 Euro je Aktie
  • Verkauf der US-Tochter Centor zur Schuldenreduzierung geplant
  • Bilanzskandal durch vorzeitige Umsatzbuchungen verursacht
  • Institutionelle Investoren steigen trotz Kursverlusten ein

Ein Angebot, das mehr als das Doppelte des damaligen Börsenkurses bot — und Gerresheimer hat es trotzdem abgelehnt. Der Düsseldorfer Pharmaverpackungsspezialist will seinen Weg aus der Krise lieber allein gehen.

Wie Reuters unter Berufung auf drei informierte Quellen berichtete, hatte der US-Konzern Silgan im März unverbindlich 41 Euro je Aktie geboten. Gespräche finden laut diesen Quellen nicht mehr statt. Gerresheimer will sich stattdessen auf die Lösung seiner Bilanzprobleme und den Verkauf der US-Tochter Centor konzentrieren.

Centor-Verkauf soll Schulden abbauen

Der Centor-Prozess läuft. Eine zweistellige Anzahl von Interessenten ist bereits dabei. Centor stellt Verpackungssysteme für verschreibungspflichtige Medikamente in den USA her. Ende 2024 stand die Sparte mit 292 Millionen Euro in den Büchern. Gerresheimer rechnet noch in diesem Jahr mit dem Abschluss der Transaktion. Die Investmentbank Morgan Stanley begleitet den Prozess.

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Auf der Finanzierungsseite hat das Unternehmen Luft gewonnen. Schuldschein-Inhaber mit 96 Prozent des Gesamtvolumens von 870 Millionen Euro stimmten einer Fristverlängerung bis Ende September 2026 zu. Wesentliche Kreditbedingungen zum Verschuldungsgrad sind bis einschließlich des dritten Quartals 2026 ausgesetzt.

Bilanzskandal zieht juristische Kreise

Im Kern der Krise stehen sogenannte Bill-and-Hold-Vereinbarungen. Gerresheimer stellte Kunden Waren in Rechnung, lieferte sie aber erst später aus — und buchte die Umsätze zu früh. Eine unabhängige Anwaltskanzlei bestätigte systematische Verstöße gegen IFRS-Vorschriften. Sie summierten sich auf 35 Millionen Euro Umsatz und 24 Millionen Euro bereinigtes EBITDA.

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Die Folge: Die Abschlussprüferaufsichtsstelle APAS hat ein berufsrechtliches Verfahren gegen KPMG eingeleitet. Die Prüfer hatten den Jahresabschluss 2024 trotz der Fehler uneingeschränkt testiert — obwohl KPMG erst 2024 den bisherigen Prüfer Deloitte abgelöst hatte. Der Aktionärsschutzverband DSW prüft Schadensersatzansprüche gegen Ex-Vorstandschef Dietmar Siemssen und Ex-Finanzvorstand Bernd Metzner. Auch Bewertungsfragen rund um Geschäftswerte von rund 676 Millionen Euro stehen dabei im Fokus.

Institutionelle Investoren steigen ein

Die Aktie hat in den vergangenen zwölf Monaten rund 57 Prozent verloren und notiert bei 22,24 Euro — weit unter dem 52-Wochen-Hoch von 64,40 Euro. Kein Wunder, dass der Kurs nach der Reuters-Meldung kurzzeitig fünf Prozent nachgab. Allerdings erholte er sich schnell. Institutionelle Investoren wie der CastleKnight Master Fund und Deka Investment meldeten neue Beteiligungen — offenbar wetten sie auf eine Stabilisierung.

Den testierten Jahres- und Konzernabschluss 2025 will Gerresheimer im Juni 2026 vorlegen. Der Halbjahresbericht ist für den 14. Juli 2026 terminiert. Bis dahin bleibt jede neue Meldung aus dem regulatorischen Umfeld ein potenzieller Kurstreiber — in beide Richtungen.

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Mit über fünfzehn Jahren Erfahrung als Wirtschaftsjournalist hat sich Felix Baarz als Experte für internationale Finanzmärkte etabliert. Seine Leidenschaft gilt den Mechanismen globaler Finanzmärkte und komplexen wirtschaftspolitischen Zusammenhängen, die er für seine Leserschaft verständlich aufbereitet.In Köln geboren und aufgewachsen, entdeckte er früh sein Interesse für Wirtschaftsthemen und internationale Entwicklungen. Nach seinem Studium startete er als Wirtschaftsredakteur bei einer renommierten deutschen Fachpublikation, bevor ihn sein Weg ins Ausland führte.Ein prägendes Kapitel seiner Karriere waren die sechs Jahre in New York, wo er direkten Einblick in die globale Finanzwelt erhielt. Die Berichterstattung von der Wall Street und über weltweite wirtschaftspolitische Entscheidungen schärfte seinen Blick für globale Zusammenhänge.Heute ist Felix Baarz als freier Journalist für führende Wirtschafts- und Finanzmedien im deutschsprachigen Raum tätig. Seine Arbeit zeichnet sich durch fundierte Recherchen und präzise Analysen aus. Er möchte nicht nur Fakten präsentieren, sondern auch deren Bedeutung erklären und seinen Lesern Orientierung bieten – sei es zu wirtschaftlichen Trends, politischen Entscheidungen oder langfristigen Veränderungen in der Finanzwelt.Zusätzlich moderiert er Diskussionen und nimmt an Expertenrunden teil, um sein Wissen einem breiteren Publikum zugänglich zu machen. Dabei liegt sein Fokus darauf, komplexe Themen informativ und inspirierend zu vermitteln. Felix Baarz versteht seine journalistische Aufgabe darin, in einer sich schnell wandelnden Welt einen klaren Blick auf wirtschaftliche Zusammenhänge zu ermöglichen und seine Leser bei fundierten Entscheidungen zu unterstützen – beruflich wie privat.