Gewinnmitnahmen stoppen den Höhenflug beim Gaspreis

Der TTF-Kontrakt sank nach einem Höchststand seit Ende 2022, während niedrige Speicherstände und LNG-Risiken den Markt belasten.

KI-generiertes Symbolbild
Symbolbild, KI-generiert
Kurz & knapp:
  • TTF erreichte 87,44 Euro je Megawattstunde
  • Monatsplus beim Gaspreis beträgt rund 16 Prozent
  • Deutsche Speicher liegen unter dem Fünfjahresmittel
  • SEFE erhielt Auftrag zur Gasbeschaffung

Europäisches Erdgas hat seine jüngste Preisrally vorerst unterbrochen. Nach einem Sprung auf den höchsten Stand seit Ende 2022 setzten an der Börse in Amsterdam Gewinnmitnahmen ein, weil Händler den Markt kurzfristig als überkauft einstuften. Die grundlegenden Sorgen um die Energieversorgung vor der kalten Jahreszeit bleiben jedoch bestehen.

Kurze Atempause nach rasantem Anstieg

Gegen Mittag notierte der richtungweisende Terminkontrakt TTF zur Lieferung in einem Monat bei 84,37 Euro je Megawattstunde. In der vorhergehenden Nacht hatte der Kontrakt in der Spitze noch 87,44 Euro erreicht.

Der Markt blickt auf einen steilen Preisanstieg zurück. Seit Beginn des laufenden Monats verteuerte sich der Rohstoff um rund 16 Prozent. Seit Jahresbeginn hat sich der Preis für europäisches Erdgas sogar nahezu verdreifacht. Zu Spitzenzeiten nach Beginn des Ukraine-Kriegs lagen die Notierungen allerdings mit mehr als 300 Euro noch deutlich höher.

Geringere Reserven und Nahost-Risiken

Hinter dem jüngsten Auftrieb stehen handfeste Versorgungsrisiken. Im Nahen Osten belasten Angriffe des Iran auf Handelsschiffe in der Straße von Hormus die Schifffahrt. Dadurch geraten Lieferungen von verflüssigtem Erdgas (LNG) aus den Fördergebieten am Persischen Golf ins Stocken.

Parallel dazu läuft die Auffüllung der europäischen Speicherbestände. In Deutschland sind die Gasspeicher derzeit zu fast 60 Prozent gefüllt. Dieser Füllstand liegt spürbar unter dem saisonalen Fünfjahresdurchschnitt von 87 Prozent.

Um zusätzliche Puffer aufzubauen, erhielt das staatliche Unternehmen SEFE Securing Energy for Europe bereits den Auftrag, weiteres Erdgas für die Reserven zu beschaffen. Marktbeobachter rechnen damit, dass europäische Abnehmer in den kommenden Monaten mit asiatischen Staaten um freie LNG-Lieferungen konkurrieren werden.

Akute Versorgungsengpässe drohen nach Einschätzung des Analysehauses PVM Oil Associates im Winter zwar nicht. Insbesondere bei anhaltend niedrigen Temperaturen dürften die Preise an den Handelsplätzen aber auf einem erhöhten Niveau verharren.

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Felix Baarz arbeitet seit 2016 als Wirtschaftsjournalist und gehört zur Redaktion der YES Investmedia GmbH.Unter seinem Namen erscheinen auf Trading-Treff seit März 2025 Beiträge zu Aktien, Trading und Indizes sowie zu wirtschaftlichen Rahmenthemen. Schwerpunkte sind Rohstoffwerte sowie KI- und Technologiewerte.Quellen dieses Ressorts: Unternehmensmitteilungen und Pflichtveröffentlichungen, Geschäftsberichte und Quartalszahlen, Kurs- und Handelsdaten der Börsenplätze sowie Meldungen der Nachrichtenagenturen. Bei Index- und Trading-Themen zusätzlich die Zusammensetzung und Anpassungen der Indexanbieter sowie Terminmarktdaten; bei Technologie- und KI-Werten Produktankündigungen und Geschäftszahlen der Unternehmen.Einordnung: Analystenurteile und Kursziele erscheinen als Aussage der jeweiligen Häuser, nicht als Bewertung der Redaktion. Kurs- und Unternehmensangaben geben den Stand zum Zeitpunkt der Veröffentlichung wieder.