Eine gekappte Gewinnprognose des französischen Zulieferers OPmobility hat am Donnerstag die gesamte europäische Branche belastet. Wenn ein zentraler Komponentenfertiger seine Erwartungen zurückschraubt, trifft das einen ohnehin nervösen Sektor. Die Ursachen für den Dämpfer liegen nicht nur im Unternehmen selbst, sondern spiegeln die Schwäche der großen Automobilhersteller wider.

Die Aktie des früheren Plastic-Omnium-Konzerns brach zeitweise um rund 20 Prozent ein und fiel auf 9,95 Euro. Das Management rechnet für 2026 nur noch mit einem operativen Gewinn von 430 bis 450 Millionen Euro. Ursprünglich wollte der Zulieferer das Vorjahresergebnis von rund 490 Millionen Euro übertreffen.

Der Konzern reagiert auf den Margendruck mit Sparmaßnahmen. In Frankreich und Deutschland sollen rund 770 Stellen wegfallen. Als Gründe führt die Unternehmensführung eine rückläufige Autoproduktion in Europa und China an. Erschwerend kommen gestiegene Kosten für Rohstoffe und elektronische Bauteile sowie Rückschläge bei Wasserstoffprojekten hinzu.

Verkäufe erfassen deutsche Zuliefererwerte

Die trüberen Aussichten zogen auch die Papiere der Konkurrenten nach unten. Im MDAX verzeichnete Aumovio mit einem Minus von 6,1 Prozent die deutlichsten Verluste. Das Unternehmen, das das frühere Automotive-Geschäft von Continental führt, hatte seine Ziele für 2026 bereits im August gesenkt.

Bei Schaeffler gaben die Anteilsscheine zeitweise um mehr als vier Prozent nach. Die Aktie näherte sich damit ihrem Jahrestief von 5,86 Euro an. Das Unternehmen kämpft neben dem schwachen Marktumfeld mit einer gestiegenen Nettoverschuldung, die Ende Juni 5,55 Milliarden Euro erreichte. Im Kleinwerte-Index SDAX gaben Norma Group um 3,5 Prozent nach, während in Paris die Papiere von Valeo um sechs Prozent fielen.

Vergleichsweise glimpflich verlief der Handelstag für Continental. Die Aktie verlor rund zwei Prozent auf knapp 69 Euro. Das Unternehmen profitiert von seiner strategischen Ausrichtung auf das Reifengeschäft und erhielt Rückenwind durch Bernstein Research. Das Analysehaus hob das Kursziel auf 82 Euro an und verwies auf das solide Cashflow-Profil des DAX-Konzerns.

Gegenwind von den Automobilherstellern

Hinter den Einbußen der Zulieferindustrie steht die anhaltende Schwäche der Fahrzeugbauer. Hohe Investitionen in die Elektromobilität treffen auf eine zähe Nachfrage und intensiven Wettbewerb aus China. Die daraus resultierenden Drosselungen der Produktionsbänder schlagen unmittelbar auf die Zulieferkette durch.

Volkswagen hatte Mitte September seine Prognose gesenkt, nachdem die Verkäufe in China eingebrochen waren. Bei Stellantis führten Engpässe bei Batterien und eine schwächere Nachfrage zu vorübergehenden Werksstillständen in Italien und Frankreich. Für die Zulieferer bedeutet diese Entwicklung, dass ihre Absatzmengen direkt an den gedrosselten Taktraten der Hersteller hängen.