Nahost-Unsicherheit, steigende Ölpreise, ein festerer Dollar: Eigentlich klingt das nach einem Marktumfeld, in dem Gold gefragt sein müsste. Am Montag passiert das Gegenteil. Der Kurs liegt aktuell bei 4.538,40 Dollar und damit 0,69 Prozent unter dem Schlusskurs vom Freitag bei 4.569,90 Dollar.
Der Grund ist eine Verschiebung der Marktlogik. Nicht die Krisenangst dominiert, sondern die Frage, ob höhere Energiepreise und ein starker Dollar die US-Notenbank länger auf restriktivem Kurs halten.
Dollar und Öl bremsen Gold aus
Für Gold ist ein stärkerer US-Dollar ein direkter Belastungsfaktor. Das Edelmetall wird international in Dollar gehandelt. Wird die US-Währung fester, verteuert sich Gold für Käufer außerhalb des Dollarraums.
Hinzu kommt der Ölpreis. Steigende Energiekosten können Inflationssorgen verstärken. Genau das ist für Gold heikel, weil höhere Inflationserwartungen die Hoffnung auf sinkende Zinsen dämpfen können.
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Damit wirkt der Nahost-Konflikt derzeit über zwei Kanäle. Er kann zwar Nachfrage nach sicheren Häfen auslösen. Er kann aber auch Öl, Inflationserwartungen und Zinserwartungen nach oben treiben. Am Montag überwiegt offenbar der zweite Effekt.
Fed bleibt vorsichtig
Aussagen aus der US-Notenbank verstärken diesen Druck. Michelle Bowman, Fed-Vizechefin für Bankenaufsicht, verwies am Freitag darauf, dass die wirtschaftlichen Folgen des Nahostkriegs noch bewertet würden. Sie könnten zu anhaltendem Inflationsdruck führen und eine straffere Geldpolitik nötig machen.
Auch Anna Paulson, Präsidentin der Federal Reserve Bank of Philadelphia, blieb vorsichtig. Sie bezeichnete die aktuell leicht restriktive Geldpolitik als passend für einen unsicheren Ausblick mit weiterhin erhöhten Inflationsrisiken.
Für Gold ist das ein klares Problem. Das Edelmetall wirft keine laufenden Erträge ab. Je länger verzinsliche Anlagen attraktiv bleiben, desto schwerer tut sich Gold mit Anschlusskäufen.
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Physische Nachfrage liefert keinen Ausgleich
Auch von der physischen Nachfrage kommt wenig Unterstützung. In Indien blieb das Kaufinteresse zuletzt wegen hoher Preise und Importabgaben gedämpft. Das ist relevant, weil Indien zu den wichtigsten physischen Goldmärkten zählt.
In China verengten sich derweil die Prämien. Das deutet ebenfalls auf vorsichtigere Nachfrage hin. Der Markt wird damit nicht von breiter Kaufdynamik aus Asien getragen.
Technisch fehlt ebenfalls Rückenwind: Gold notiert 2,19 Prozent unter dem 50-Tage-Durchschnitt, der RSI liegt bei 49,8. Das passt zu einem Markt, der kurzfristig weder klar überkauft noch klar überverkauft wirkt.
Der nächste Impuls hängt nun an der Entscheidung von US-Präsident Donald Trump über den vorgeschlagenen Deal zur Verlängerung der Waffenruhe mit Iran. Eine Entspannung könnte Ölpreise und Inflationssorgen dämpfen, aber auch die Krisennachfrage nach Gold reduzieren. Eine Verschärfung hätte den umgekehrten Effekt: mehr Sicherheitsbedarf, aber womöglich erneut Druck über Dollar, Öl und Fed-Erwartungen.
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