Der Goldpreis hat sich am Freitag mit einem Satz auf 4.401,40 US-Dollar zurückgemeldet, ein Plus von 2,37 Prozent binnen eines Handelstages. Über die vergangene Woche summiert sich der Anstieg auf 7,39 Prozent – die stärkste Wochenbewegung seit Wochen. Auslöser der Rally sind ein enttäuschender US-Arbeitsmarktbericht, wachsende Zinssenkungsfantasie und eine sich verschärfende Sicherheitslage im Nahen Osten.
Schwacher Jobbericht schürt Zinssenkungshoffnungen
Der US-Arbeitsmarkt lieferte im Juli einen deutlichen Fehlschlag: Statt der von Ökonomen erwarteten 80.000 neuen Stellen gingen tatsächlich 23.000 Jobs verloren. Der Bericht traf die Märkte unvorbereitet und nährte sofort Spekulationen auf eine geldpolitische Lockerung der US-Notenbank. Die Rendite zehnjähriger US-Staatsanleihen gab um 15 Basispunkte nach, der Dollar schwächte sich um 1,2 Prozent ab – ein klassisches Umfeld für Gold, das als zinsloses Anlagegut von fallenden Realzinsen profitiert. An den Swap-Märkten wird mittlerweile eine Wahrscheinlichkeit von über 70 Prozent für eine Zinssenkung um einen Viertelpunkt bis zum dritten Quartal gehandelt. Notenbankchef Jerome Powell hatte nach der jüngsten Fed-Sitzung bereits durchblicken lassen, dass eine Senkung möglich sei, sollte sich die Inflation weiter abschwächen. Anleger richten den Blick nun auf die für Mittwoch angesetzten US-Inflationsdaten, die als nächster potenzieller Katalysator für die Edelmetalle gelten – auch der parallel gestiegene Silberpreis, der am Wochenende über die Marke von 63 Dollar kletterte, hängt an diesem Termin.
Trotz der kräftigen Erholung der vergangenen Wochen bleibt Gold weit von seinem bisherigen Rekord entfernt. Zum 52-Wochen-Hoch von 5.586,20 Dollar, aufgestellt Ende Januar, beträgt der Abstand noch 21,21 Prozent. Das zeigt: Die aktuelle Bewegung ist eine kräftige Zwischenerholung, keine Rückkehr auf altes Terrain.
Geopolitische Risiken addieren sich zur Zins-Story
Neben der Zinsdebatte treibt eine zweite Kraft den sicheren Hafen an: die Lage im Nahen Osten. Iran macht die Öffnung der Straße von Hormuz von einem Ende der US-Sanktionen und Entschädigungszahlungen abhängig, während ein Huthi-Angriff auf eine saudische Ölraffinerie die Spannungen weiter anheizt. Parallel dazu haben Saudi-Arabien, die Türkei und Pakistan mit dem sogenannten Mecca Defence Agreement ein neues Militärbündnis geschlossen – eine direkte Reaktion auf den vorangegangenen US-israelischen Angriff auf Iran und dessen Vergeltungsschläge. Solche Eskalationsstufen erhöhen typischerweise die Absicherungsnachfrage nach Gold, unabhängig von der Zinslage.
Nachfrage aus China stützt zusätzlich
Auch aus Asien kommt Unterstützung. Ein großer chinesischer Gold-ETF verzeichnete zuletzt 18 Handelstage in Folge Nettozuflüsse, das Fondsvolumen kletterte dabei über die Marke von 100 Milliarden Yuan. Über die vergangenen drei Jahre hat sich der Bestand des Fonds mehr als versechsfacht. Der anhaltende Zustrom unterstreicht, dass die physische und indirekte Goldnachfrage in China auch nach den jüngsten Kursgewinnen ungebrochen bleibt – ein Faktor, der die Nachfrageseite jenseits der westlichen Zins- und Geopolitik-Debatte stützt.
Für Anleger bleibt die Gemengelage aus schwächelndem US-Arbeitsmarkt, greifbarer Zinswende und ungelöster Nahost-Krise damit der zentrale Treiber der jüngsten Erholung. Die am Mittwoch fälligen US-Inflationsdaten dürften zeigen, ob der Rückenwind für Gold anhält oder ob die Rally zunächst eine Verschnaufpause einlegt.
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