Gold hat eine schwierige Woche mit einem versöhnlichen Freitagsschluss beendet. Der Kurs stabilisierte sich bei 4.103,70 US-Dollar — ein Tagesplus von 1,54 Prozent, aber auf Wochensicht noch immer ein Minus von 1,66 Prozent.

120 Tonnen physisches Gold gesucht

Das auffälligste Signal kam vom Terminmarkt. Beim Verfall der Juni-Kontrakte an der COMEX lagen Anträge auf physische Auslieferung für rund 38.600 Kontrakte vor. Das entspricht etwa 120 Tonnen Gold — der höchste Stand seit Februar.

Die Botschaft dahinter ist eindeutig. Spekulative Anleger räumen ihre Positionen im Papiergold-Markt. Industrielle Käufer und langfristig orientierte Investoren nutzen das aktuelle Preisniveau dagegen für massive Zukäufe. Diese physische Nachfrage wirkt als stabiler Boden gegen weitere Kursrückgänge.

Zinsdruck und schwindende Risikoprämie

Der wichtigste Belastungsfaktor bleibt die Geldpolitik. Unter dem neuen Fed-Chef Kevin Warsh liegt die PCE-Kernrate bei 3,4 Prozent — deutlich über dem Notenbank-Ziel. Die Märkte preisen für die zweite Jahreshälfte 2026 weitere Zinserhöhungen ein. Höhere Zinsen machen zinsloses Gold weniger attraktiv.

Hinzu kam eine geopolitische Entspannung im Nahen Osten. Die Risikoprämie, die Gold zuletzt gestützt hatte, ist aus dem Preis entwichen. Strukturelle Käufer wie die Zentralbanken Polens und Chinas halten dagegen. Beide erhöhten ihre Goldreserven auch im Mai weiter.

Der Rückzug vom Allzeithoch ist erheblich: Im Januar 2026 notierte Gold noch bei 5.626,80 US-Dollar. Seitdem hat das Metall rund 27 Prozent verloren.

Non-Farm Payrolls als nächster Stresstest

Die kommende Woche bringt mehrere wichtige Datenpunkte. Zu Wochenbeginn erscheinen die Einkaufsmanagerindizes für das verarbeitende Gewerbe sowie die JOLTS-Daten zu offenen Stellen. Der entscheidende Termin folgt am Freitag: die US-Arbeitsmarktdaten. Analysten erwarten rund 110.000 neue Stellen. Ein deutlich stärkeres Ergebnis würde die Zinserhöhungserwartungen anheizen — und Gold erneut unter Druck setzen.

Charttechnisch bleibt die 4.000-Dollar-Marke die entscheidende Unterstützung. Hält sie, ist eine Erholung bis 4.150 US-Dollar möglich. Bricht sie nachhaltig, öffnet sich der Weg in Richtung 3.930 US-Dollar — knapp über dem 52-Wochen-Tief bei 3.901,30 US-Dollar.