Schwächere US-Inflationsdaten schicken den Goldpreis am Dienstag deutlich nach oben. Der Kurs steigt um 1,48 Prozent auf 4.067,50 US-Dollar pro Unze. Damit nähert sich das Edelmetall wieder der psychologisch wichtigen 4.100-Dollar-Marke.
Verbraucherpreise überraschen nach unten
Das US-Arbeitsministerium veröffentlichte am Dienstag Daten zum Verbraucherpreisindex für Juni. Die Zahlen fielen deutlich schwächer aus als erwartet. Der Index sank um 0,4 Prozent im Vergleich zum Vormonat — der stärkste monatliche Rückgang seit April 2020. Ökonomen hatten lediglich mit einem Minus von 0,1 Prozent gerechnet.
Auch die Jahresrate überraschte. Die Teuerung lag bei 3,5 Prozent, statt der erwarteten 3,8 Prozent und deutlich unter dem Mai-Wert von 4,2 Prozent. Die Kerninflation, ohne Energie und Lebensmittel, blieb mit 2,6 Prozent ebenfalls unter der Prognose von 2,9 Prozent.
Die Reaktion an den Märkten kam prompt. Sinkende Inflation gibt der Federal Reserve mehr Spielraum, die Zinsen im zweiten Halbjahr stabil zu halten oder sogar zu senken. Die Renditen von US-Staatsanleihen fielen daraufhin. Für Gold als zinsloses Anlagegut wird das sofort attraktiver.
Öl steigt, Nahost bleibt Unruheherd
Die Erholung am Goldmarkt fällt in eine Phase erhöhter geopolitischer Spannungen. Berichte über eine mögliche Schließung der Straße von Hormus durch den Iran ließen die Ölpreise zuletzt kräftig steigen. Brent-Öl verteuerte sich um mehr als 4 Prozent auf knapp 79 US-Dollar.
Normalerweise bremsen steigende Energiepreise den Goldpreis. Sie schüren Inflationssorgen und könnten die Notenbank zu einer härteren Linie zwingen. Am Dienstag setzte sich aber die Entlastung durch die schwachen US-Inflationsdaten durch. Gold bestätigt damit seinen Ruf als sicherer Hafen — nach einem Rückgang von rund 1,5 Prozent in der Vorwoche.
China kauft weiter Gold
Neben den kurzfristigen Impulsen stützt eine strukturelle Entwicklung den Goldpreis. Die chinesische Zentralbank PBOC hat ihre Goldreserven auch im Juni weiter aufgestockt. Mit einem Zukauf von 14,93 Tonnen verzeichnet Peking den 20. Monat in Folge mit Netto-Käufen.
Chinas gesamte Goldreserven liegen damit bei rund 2.346 Tonnen. Marktbeobachter werten die kontinuierliche Diversifizierung weg vom US-Dollar als wichtigen Stabilisator für den Goldpreis.
Was der Chart zeigt
Der aktuelle Kurs von 4.067,50 US-Dollar liegt zwar deutlich über dem Vortagesschluss, das Gesamtbild bleibt aber angeschlagen. Auf Monatssicht steht ein Minus von 6,08 Prozent, seit Jahresbeginn sind es 6,32 Prozent. Der Preis notiert damit fast 28 Prozent unter dem 52-Wochen-Hoch von 5.626,80 US-Dollar aus dem Januar.
Der Abstand zum 50-Tage-Durchschnitt beträgt minus 6,39 Prozent, zum 200-Tage-Durchschnitt sogar minus 10,40 Prozent. Der RSI von 41,9 signalisiert weder überkauftes noch überverkauftes Terrain. Analysten sehen die Marke von 4.100 US-Dollar als nächsten wichtigen Widerstand — ein nachhaltiger Ausbruch darüber könnte den Weg zu 4.200 US-Dollar öffnen.
Die kommende Anhörung des neuen Fed-Vorsitzenden Kevin Warsh vor dem Kongress dürfte die Richtung weiter mitbestimmen. Seine erste halbjährliche Stellungnahme zur Geldpolitik fällt genau in die Phase frischer Inflationsdaten. Parallel dazu startet heute die US-Berichtssaison der Großbanken — deren Einschätzungen zur Konjunktur könnten zusätzliche Impulse für den Goldpreis liefern.
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