Kräftige US-Arbeitsmarktdaten haben dem Goldpreis am Freitag einen deutlichen Dämpfer verpasst. Die US-Wirtschaft schuf im August 162.000 neue Stellen – fast dreimal so viele wie die erwarteten 56.000. Das Edelmetall reagierte prompt mit einem Rückgang und schloss am Freitag bei 4.430,09 US-Dollar je Feinunze, ein Minus von 1,0 Prozent zum Vortag.

Der Grund für die Verkaufswelle liegt auf der Hand: Ein robuster Arbeitsmarkt gibt der Federal Reserve weniger Anlass für eine schnelle Zinssenkung. Da zinslos gehaltenes Gold in einem Umfeld hoher Zinsen an Attraktivität verliert, drücken steigende Zinserwartungen typischerweise auf den Preis.

Die Marktteilnehmer richten den Blick nun auf die US-Verbraucherpreisdaten, die am 11. September veröffentlicht werden – sie gelten als entscheidender Wegweiser für die Fed-Zinsentscheidung am 15. und 16. September.

Zentralbanken bleiben verlässliche Käufer

Während kurzfristige Zinsspekulationen den Preis auf Tagesbasis bewegen, liefert die strukturelle Nachfrage der Notenbanken ein anderes Bild. Nach Angaben des World Gold Council kauften Zentralbanken im Juli weltweit 23 Tonnen Gold, angeführt von China mit 20 Tonnen und Polen mit 8 Tonnen.

Auf das laufende Jahr summieren sich die Käufe damit auf rund 130 Tonnen – etwas weniger als die rund 160 Tonnen im Vorjahreszeitraum, aber weiterhin ein deutliches Signal für strategisches Interesse öffentlicher Institutionen.

Nicht alle Notenbanken bauen ihre Bestände jedoch aus. Zwischen Januar und Mai verkaufte die russische Zentralbank 34,2 Tonnen, die türkische Notenbank sogar 81,0 Tonnen – beide zählten damit zu den größten Verkäufern weltweit. Im Mai hingegen kauften Notenbanken netto 41 Tonnen, mit Polen, China, Usbekistan und Kasachstan als größten Käufern.

Das Bild ist also durchwachsen, doch die Grundtendenz bleibt: Eine Umfrage des World Gold Council ergab, dass 89 Prozent der befragten Zentralbanken in den kommenden zwölf Monaten steigende globale Goldreserven erwarten, 45 Prozent rechnen sogar mit einem Anstieg ihrer eigenen Bestände – ein Rekordwert in dieser Erhebung.

Nachfrage bleibt hoch, Preisdynamik gemischt

Auf der Nachfrageseite zeigte sich im zweiten Quartal Stabilität: Die weltweite Goldnachfrage summierte sich auf 1.268,9 Tonnen und blieb damit im Jahresvergleich stabil, bei einem durchschnittlichen LBMA-Preis von 4.506 US-Dollar, der gegenüber dem ersten Quartal um 8 Prozent niedriger lag. Im August selbst legte der Goldpreis noch kräftig zu, um 10,5 Prozent im Monatsverlauf, während Silber sogar 14,9 Prozent gewann.

Blickt man auf die vergangenen zwölf Monate, zeigt sich das Ausmaß der Rally: Der Preis liegt aktuell 25 Prozent über dem Niveau vor rund einem Jahr. Zugleich bleibt der Markt volatil – seit dem Rekordhoch von 5.598,58 US-Dollar Ende Januar hat sich der Preis um 21 Prozent zurückgezogen, was zeigt, wie stark Zinserwartungen und geopolitische Nachrichten das Edelmetall kurzfristig bewegen können.

Für die kommende Woche richtet sich der Blick der Anleger auf die Inflationsdaten und die Fed-Sitzung. Beide Termine dürften entscheiden, ob die jüngste Konsolidierung nur eine Verschnaufpause ist oder der Beginn einer längeren Seitwärtsphase.