Notenbanken kaufen Gold wie nie zuvor. Der Kurs reagiert trotzdem kaum. Diese Diskrepanz treibt Anleger derzeit um.
Der Goldpreis notiert aktuell bei rund 4.040 US-Dollar je Feinunze. Auf Wochensicht steht ein Minus von 2,2 Prozent zu Buche, auf Monatssicht sind es 7,2 Prozent. Vom Rekordhoch bei 5.626,80 Dollar aus Ende Januar trennen den Kurs mittlerweile 28 Prozent.
China kauft, Russland verkauft
Die chinesische Notenbank PBOC hat ihre Goldreserven im Juni bereits den 20. Monat in Folge aufgestockt. Der Zukauf von rund 480.000 Feinunzen fiel dabei so hoch aus wie seit Oktober 2023 nicht mehr. Peking verfolgt damit klar eine Strategie: weg vom US-Dollar, hin zu mehr Diversifikation.
Auf der anderen Seite steht Russland. Das Land hat im ersten Halbjahr 2026 rund 34 Tonnen seiner Goldbestände verkauft – knapp 2 Prozent der Reserven. Zum Vergleich: Russlands jährliche Goldförderung liegt bei etwa 300 Tonnen. Als möglicher Grund gilt, dass Staaten rund um die Straße von Hormus Gold verkauft haben, um fehlende Öleinnahmen auszugleichen.
Notenbanken planen weitere Rekordkäufe
Der jährliche Central Bank Gold Reserves Survey liefert dazu passende Zahlen. In einer Umfrage unter 74 Zentralbanken gaben 45 Prozent an, auf Jahressicht Gold kaufen zu wollen. Das ist der höchste Wert seit Beginn der Erhebung 2018 durch World Gold Council und YouGov.
Nur eine einzige Zentralbank plant, ihre Bestände zu verringern. Die Motive der Käufer sind klar: geopolitische Unsicherheiten, mehr Diversifikation der Währungsreserven und eine schrittweise Abkehr vom Dollar. Rund drei Viertel der befragten Notenbanken rechnen damit, dass der Dollar in den globalen Reserven künftig an Bedeutung verliert.
Warum der Kurs trotzdem lahmt
Eigentlich müsste der Goldpreis von dieser Kaufwelle profitieren. Genau das passiert derzeit nicht. Seit Wochen dominiert eine zähe Konsolidierung statt neuer Höchststände.
Der 14-Tage-RSI liegt bei 40,2 und signalisiert damit eher Schwäche als Kaufdruck. Der Kurs notiert 6,7 Prozent unter dem 50-Tage-Durchschnitt und 11 Prozent unter dem 200-Tage-Durchschnitt. Die jährliche Volatilität liegt bei 28 Prozent – der Markt bleibt also nervös, auch ohne klare Richtung.
Die Erklärung für diese Lücke zwischen Nachfrage und Kurs: Zwei Kräfte ziehen in unterschiedliche Richtungen. China und die Zentralbanken sorgen mit ihren Käufen für ein starkes Fundament. Hohe Zinsen, ein robuster Dollar und vorsichtigere Analysten bremsen die Entwicklung gleichzeitig.
Was als Nächstes zählt
Welche der beiden Kräfte sich durchsetzt, entscheidet über die nächste größere Bewegung. Setzt sich die strukturelle Nachfrage der Notenbanken durch, könnte Gold Kurs auf sein Rekordhoch nehmen. Bleiben Zinsen und Dollar stark, dürfte die Konsolidierung noch etwas anhalten.
Der World Gold Council sieht in der aktuellen Käuferstruktur ein wichtiges Signal. Notenbanken, die dem Goldmarkt lange ferngeblieben waren, treten nun verstärkt als Käufer auf. Die fundamentale Nachfrageseite bleibt damit intakt – auch wenn Zinserwartungen und Dollarstärke den Kurs kurzfristig weiter deckeln können.
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