Ein einziger Wirtschaftsbericht hat den Goldmarkt in dieser Woche komplett neu sortiert. Die US-Arbeitsmarktzahlen für Juli fielen so schwach aus, dass Anleger ihre Zinserwartungen für die Fed sofort revidierten. Die Folge: Gold sprang auf ein neues Wochenhoch, obwohl institutionelle Investoren noch immer skeptisch bleiben.
US-Arbeitsmarkt bricht ein
Das Bureau of Labor Statistics meldete für Juli einen Verlust von 23.000 Stellen außerhalb der Landwirtschaft. Erwartet hatten Ökonomen ein Plus von 85.000 Jobs. Zusätzlich korrigierte die Behörde die Werte für Mai und Juni um insgesamt 103.000 Stellen nach unten.
Die schwachen Daten trafen den Markt wie ein Weckruf. Laut CME FedWatch Tool fiel die Wahrscheinlichkeit für eine Zinserhöhung im September von 54 auf rund 44 Prozent. Gold profitiert direkt von sinkenden Zinserwartungen, weil das Edelmetall selbst keine Zinsen abwirft.
Am Freitag schloss Gold bei 4.401,40 US-Dollar je Feinunze. Das entspricht dem stärksten Wochenanstieg seit Januar mit 7,39 Prozent.
ETF-Anleger bleiben zurückhaltend
Die Kursrallye täuscht über eine Schwachstelle hinweg: Die großen Gold-ETFs haben Anleger in den vergangenen Monaten verloren, nicht zurückgewonnen. Der SPDR Gold Shares (GLD) ist der weltweit größte physisch besicherte Gold-Fonds. Zwischen 1. März und Mitte Juli flossen dort 14,4 Milliarden US-Dollar ab.
Allein im März zogen Investoren 8,5 Milliarden US-Dollar ab – der stärkste Monatsrückzug in der Geschichte des Fonds. Im Juli hat sich das Tempo deutlich verlangsamt: Bis zur Monatsmitte flossen nur noch rund 46 Millionen US-Dollar ab. Von einer echten Trendwende bei den ETF-Anlegern kann aber noch keine Rede sein.
Getragen wird die aktuelle Rallye vor allem von zwei anderen Kräften: makroökonomischen Umschichtungen und Zentralbanken. Diese kauften im zweiten Quartal 2026 rund 288,9 Tonnen Gold und hielten damit ihr hohes Kauftempo.
Charttechnik zeigt Warnsignale
Der Sprung über die Marke von 4.300 US-Dollar gilt technisch als starkes Signal. Der Relative-Stärke-Index steht aktuell bei 66,5 und nähert sich damit der überkauften Zone.
Analysten sehen die Region um 4.200 US-Dollar als neue Unterstützung. Bei 4.500 US-Dollar liegt das nächste Ziel.
Kurz gesagt: Der Trend zeigt nach oben, aber die Luft wird dünner.
Ausblick auf die neue Woche
In der kommenden Woche richtet sich der Blick auf die US-Inflationsdaten. Sie entscheiden mit, ob die Fed tatsächlich Spielraum für niedrigere Zinsen hat. Fällt die Inflation weiter, dürfte das die Zinssenkungserwartungen weiter befeuern.
Ein Anstieg der ETF-Bestände beim SPDR Gold Shares wäre das nächste wichtige Signal. Er würde zeigen, dass westliche Finanzinvestoren nach Monaten des Rückzugs wieder Vertrauen fassen. Bleibt dieser Zufluss aus, drohen bei den aktuellen Hochs schnelle Gewinnmitnahmen.
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