Ein einziger Arbeitsmarktbericht hat die Zinserwartungen in den USA auf den Kopf gestellt. Gold profitiert davon massiv und hält sich zum Wochenstart nahe der 4.400-Dollar-Marke.

Schwacher Jobbericht als Preistreiber

Der US-Arbeitsmarkt hat im Juli überraschend 23.000 Stellen verloren. Ökonomen hatten mit einem Plus von 80.000 Jobs gerechnet. Auch die Zahl für Juni wurde nach unten korrigiert, auf lediglich 20.000 neue Stellen.

Die Reaktion an den Finanzmärkten fiel deutlich aus. Vor einer Woche lag die eingepreiste Wahrscheinlichkeit für eine Zinserhöhung im September noch bei 67 Prozent. Nach den enttäuschenden Daten ist sie auf rund 44 Prozent gefallen.

Gold notiert aktuell bei 4.405 Dollar je Feinunze. Auf Wochensicht steht ein Plus von 7,15 Prozent, getrieben genau durch diese veränderten Zinserwartungen. Der Preis bewegt sich damit nahe seinem 100-Tage-Durchschnitt von 4.402,97 Dollar — ein Zeichen dafür, dass sich das aktuelle Niveau nach dem schnellen Anstieg erst einmal stabilisiert.

Nahost-Diplomatie sorgt für Nervosität

Neben der Zinsdebatte bleibt die Lage im Nahen Osten ein Faktor. Die Ölpreise sind gestiegen, weil weiterhin Unsicherheit über die Wiedereröffnung der Straße von Hormus besteht.

Iran erklärte, die Gespräche mit Oman stünden kurz vor einer Einigung. Direkte Verhandlungen mit den USA bestritt Teheran allerdings. Für Marktbeobachter bleibt die Situation damit unklar — und genau diese Unsicherheit stützt tendenziell den Goldpreis als Absicherung.

In dieser Woche stehen zwei wichtige Inflationsberichte an. Sie dürften zeigen, dass der Preisdruck für US-Amerikaner weiter zunimmt. Bleibt der Ton zwischen Washington und Teheran unverändert, richten sich alle Augen auf diese Daten.

Asiatische Nachfrage bleibt hoch

Auch fernab der Zinsdebatte zeigt sich robuste Nachfrage nach dem Edelmetall. Chinesische Investoren bauen ihre Long-Positionen in goldgestützten Anlagen weiter aus. Sie nutzen Gold zur Absicherung gegen Schwankungen bei Technologieaktien.

Hinzu kommen Käufe von Zentralbanken, vor allem in Asien. Der jüngste Rückgang der Anleiherenditen wirkt zusätzlich unterstützend: Sinkende Renditen senken die Opportunitätskosten fürs Halten von Gold, das selbst keine Zinsen abwirft.

Der RSI von 66,7 signalisiert, dass Gold nach der starken Rally der vergangenen Woche noch nicht überkauft ist. Genug Spielraum bleibt also nach oben — vorausgesetzt, die fundamentalen Treiber halten.

Die entscheidende Frage für die kommenden Tage: Bestätigen die anstehenden Inflationsdaten die gesunkenen Zinserwartungen, oder zwingen sie die Fed zu einem härteren Kurs? Fällt die Inflation höher aus als erwartet, dürfte der Markt seine Zinserhöhungs-Wahrscheinlichkeit für September wieder nach oben korrigieren — mit entsprechendem Gegenwind für den Goldpreis.