Ein enttäuschender US-Arbeitsmarktbericht hat den Goldpreis am Freitag kräftig nach oben katapultiert. Die US-Wirtschaft baute im Juli 23.000 Stellen ab. Erwartet hatten Ökonomen ein Plus von 80.000 Jobs.

Die Reaktion an den Märkten war deutlich. Gold schloss bei 4.401,40 US-Dollar pro Feinunze, ein Tagesplus von 2,37 Prozent. Auf Wochensicht steht damit ein Anstieg von 7,39 Prozent zu Buche.

Fed-Kurs wackelt

Der schwache Arbeitsmarktbericht verschiebt die Erwartungen an die Geldpolitik. Fed-Chef Kevin Warsh, seit Mai im Amt, galt bislang als Verfechter eines restriktiven Kurses. Nach dem Beschäftigungsrückgang sank die von Märkten eingepreiste Wahrscheinlichkeit einer Zinserhöhung im September von 57 auf 44 Prozent.

Diese Verschiebung ist der eigentliche Treiber der Gold-Rally. Ein zinsloses Edelmetall wird attraktiver, sobald die Aussicht auf höhere Zinsen schwindet. Die Märkte preisen nun verstärkt eine Zinspause ein statt einer weiteren Straffung.

Am Mittwoch, den 12. August, folgt der nächste Belastungstest. Der US-Verbraucherpreisindex gilt als letzter wichtiger Datenpunkt vor der nächsten Fed-Sitzung. Zeigt sich die Inflation weiter abkühlend, dürfte das die Zinspause-Spekulation zementieren und Gold zusätzlichen Rückenwind geben.

Notenbanken kaufen weiter

Neben der geldpolitischen Wende stützt eine strukturelle Nachfrage den Goldpreis. China hat seine Goldreserven im Juli den 21. Monat in Folge aufgestockt. Weltweit kauften Zentralbanken im zweiten Quartal 2026 insgesamt 288,9 Tonnen Gold – ein Anstieg von 62 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum.

Diese Käufe laufen unabhängig von kurzfristigen Zinsspekulationen. Sie wirken wie ein Puffer gegen Rückschläge, selbst wenn die Fed-Erwartungen wieder drehen sollten.

Hinzu kommt geopolitische Unsicherheit. Die Verhandlungen über eine dauerhafte Öffnung der Straße von Hormus stocken, neue Forderungen aus Teheran belasten die Lage zusätzlich. Über den Ölpreis wirkt das indirekt auf die Inflationserwartungen und stärkt das Sicherheitsbedürfnis der Anleger.

Charttechnik bleibt konstruktiv

Trotz der starken Rally liegt Gold noch 21,21 Prozent unter dem 52-Wochen-Hoch von 5.586,20 US-Dollar vom 29. Januar. Der Blick auf die technischen Marken zeigt aber ein intaktes Bild:

  • Widerstand bei 4.452 US-Dollar – der ehemalige Aufwärtstrend. Ein Ausbruch darüber könnte den Weg Richtung Rekordhoch öffnen.
  • 200-Tage-Linie bei 4.278 US-Dollar – die wichtigste Absicherung nach unten. Solange Gold darüber notiert, bleibt das Bild konstruktiv.
  • Marke bei 4.203 US-Dollar – ehemalige Obergrenze einer Handelsspanne, jetzt psychologischer Rückhalt.

Der RSI von 66,5 signalisiert noch keine Überhitzung, lässt aber wenig Spielraum nach oben, bevor das Momentum kippen könnte.

Die kommende Woche entscheidet, ob die Rally trägt. Bestätigt der Inflationsbericht am 12. August die Abkühlung, dürfte Gold die Marke von 4.452 US-Dollar testen. Bleibt die Teuerung hartnäckig, gerät die 200-Tage-Linie bei 4.278 US-Dollar schnell wieder in den Fokus.