Gold hat US-Staatsanleihen als größten Posten in den globalen Währungsreserven überholt. Neue Daten des World Gold Council zeigen den Wandel: 27 Prozent Gold stehen 22 Prozent Treasuries gegenüber. Parallel spitzt sich der Konflikt zwischen den USA und dem Iran in der Straße von Hormus zu. Zwei Kräfte ziehen an einem Markt, der ohnehin nervös reagiert.

Iran-Konflikt schürt Ölpreise und Inflationsangst

Die USA haben eine Seeblockade gegen iranische Häfen verhängt. Iran reagierte mit Raketenangriffen auf US-Stützpunkte in Jordanien und Bahrain. Durch die Straße von Hormus fließen rund 20 Prozent des weltweiten Öls. Die Blockade versetzt die Rohstoffmärkte in Alarmbereitschaft.

Die US-Regierung hat eine ursprünglich geplante Gebühr von 20 Prozent für die Durchfahrt fallen gelassen. Neue Handelsabkommen ersetzen die Maßnahme. Die militärische Blockade bleibt jedoch bestehen. In der Folge steigen die Ölpreise der Sorten Brent und WTI deutlich.

Das schürt neue Sorgen vor einem Wiederaufflammen der Inflation. Dabei brachte der US-Verbraucherpreisindex im Juni eigentlich Entlastung: Die Jahresrate sank auf 3,5 Prozent, der stärkste monatliche Rückgang seit Jahren.

Zentralbanken schichten Reserven um

Gold macht mittlerweile rund 27 Prozent der weltweiten Währungsreserven aus. US-Staatsanleihen kommen nur noch auf 22 Prozent. Vor allem Schwellenländer wie Indien und China treiben den Wandel voran.

  • Indien: Der Bestand an US-Staatsanleihen sank binnen eines Jahres auf 181 Milliarden Dollar, die Goldreserven wuchsen im Gegenzug auf 881 Tonnen.
  • China: Die Notenbank PBoC kaufte im Juni weitere 15 Tonnen Gold – der 20. Monat in Folge mit Zukäufen.
  • Umfrage: 45 Prozent der Zentralbanken wollen ihre Goldbestände im kommenden Jahr weiter aufstocken, 74 Prozent erwarten einen sinkenden Dollar-Anteil an den globalen Reserven.

Fed unter Warsh bleibt hart

Der neue Fed-Vorsitzende Kevin Warsh erhöht den Druck auf die Edelmetalle. In seiner ersten Anhörung vor dem Abgeordnetenhaus kündigte er einen Regimewechsel in der Inflationsbekämpfung an. Trotz der Abkühlung auf 3,5 Prozent hält Warsh am strikten Kurs fest. Er warnte davor, den Kampf gegen die Teuerung vorzeitig für beendet zu erklären.

Die Märkte preisen aktuell eine Wahrscheinlichkeit von 58 Prozent für eine weitere Zinserhöhung im September ein. Restriktive Zinsaussichten und die Rolle als Krisenwährung ziehen Gold in entgegengesetzte Richtungen. Das Edelmetall pendelt derzeit zwischen der Unterstützung bei 4.000 Dollar und dem Widerstand bei 4.100 Dollar.

Kursbild: Gold unter Druck trotz Zentralbank-Rückenwind

Gold schloss am Dienstag bei 4.067,50 Dollar. Seit Jahresbeginn notiert das Edelmetall 6,32 Prozent im Minus, binnen 30 Tagen ging es um 6,08 Prozent zurück.

Zum 52-Wochen-Hoch von 5.626,80 Dollar aus Ende Januar fehlen inzwischen 27,71 Prozent.

Der Relative-Stärke-Index steht bei 41,9 Punkten, ein Wert im neutralen Bereich. Die 30-Tage-Volatilität bleibt mit 28,40 Prozent hoch. Gold notiert damit 10,40 Prozent unter seinem 200-Tage-Durchschnitt.

Die Marke von 4.000 Dollar bleibt die entscheidende Unterstützung nach unten. Hält sie, dürfte die anhaltende Nachfrage der Notenbanken den Preis stützen. Ein Ausbruch über die Widerstandszone bei 4.100 Dollar würde dagegen neue Kaufsignale liefern.