Gold hat gerade sein schwächstes Quartal seit 2013 hinter sich. Fast 16 Prozent Wertverlust in drei Monaten – das gab es seit über einem Jahrzehnt nicht mehr. Zum Start ins zweite Halbjahr zeigt sich das Edelmetall nun leicht erholt.

Erholung nach historischem Kursrutsch

Am Mittwoch schloss Gold bei 4.091,60 Dollar je Unze. Auf Wochensicht steht ein Plus von 1,24 Prozent zu Buche. Der Monatsblick fällt deutlich schwächer aus: Auf 30-Tage-Sicht liegt das Metall 9,43 Prozent im Minus.

Seit Jahresbeginn beträgt der Verlust 5,76 Prozent. Der Abstand zum Rekordhoch bleibt gewaltig. Am 29. Januar hatte Gold noch bei 5.626,80 Dollar notiert – aktuell fehlen 27,28 Prozent bis dahin.

Der Blick auf die technischen Marken zeigt ein angeschlagenes Bild. Der 50-Tage-Durchschnitt liegt bei 4.438,04 Dollar, Gold notiert damit 7,81 Prozent darunter. Der RSI von 39,4 signalisiert keine Überverkauft-Situation, deutet aber auf anhaltend schwachen Momentum-Druck hin.

Iran-Spannungen belasten Risikoappetit

Zum Auftakt des zweiten Halbjahres sorgen geopolitische Spannungen für Nervosität. Erneute Spannungen zwischen den USA und dem Iran stellen Friedensaussichten im Nahen Osten infrage. Die großen US-Aktienindizes eröffneten am Mittwoch entsprechend niedriger.

Auch am Devisen- und Rentenmarkt bleibt die Stimmung angespannt. Gold profitiert von der Unsicherheit bislang aber nur begrenzt. Das ist ungewöhnlich – normalerweise gewinnt das Edelmetall in solchen Phasen als sicherer Hafen an Boden.

UBS: Sicherer Hafen unter Druck

Die Schwächephase erklärt sich laut Marktbeobachtern vor allem durch das veränderte geldpolitische Umfeld. UBS-Rohstoffanalyst Giovanni Staunovo sieht mehrere Faktoren am Werk: stärker als erwartete US-Konjunkturdaten, steigende Realrenditen und einen kräftigeren Dollar.

Hinzu kommt die veränderte Zinserwartung. Noch vor wenigen Wochen rechneten Marktteilnehmer mit Zinssenkungen der Fed. Inzwischen sind sogar Zinserhöhungen wieder im Gespräch.

Das trifft Gold doppelt. Steigende Anleiherenditen machen verzinsliche Anlagen attraktiver. Das zinslose Edelmetall verliert dadurch relativ an Reiz.

Amundi und Zentralbanken: Strukturelle Stütze bleibt

Trotz des historischen Quartalsverlustes bleiben institutionelle Anleger dem Edelmetall grundsätzlich zugewandt. Das Amundi Investment Institute verweist in seinem halbjährlichen Ausblick auf strukturelle Stützfaktoren. Dazu zählen das anspruchsvolle geldpolitische Umfeld, steigende Staatsverschuldung und die Bemühungen der Notenbanken, ihre Dollar-Reserven zu diversifizieren.

Der World Gold Council bestätigt diesen Trend. Eine Umfrage unter Zentralbanken zeigt einen Rekordanteil an Instituten, die ihre Goldreserven weiter aufstocken wollen. Diese offizielle Nachfrage wirkt der aktuellen Preisschwäche strukturell entgegen.

Ausblick

Für die kommenden Wochen dürften US-Konjunkturdaten und Fed-Signale die Preisrichtung bestimmen. Schwächere Wirtschaftsdaten oder eine Eskalation im Nahen Osten könnten dem Metall kurzfristig neuen Auftrieb geben. Die strukturellen Nachfragefaktoren – allen voran die Notenbankkäufe – bleiben von den kurzfristigen Bewegungen unabhängig bestehen.