000 US-Dollar je Feinunze, obwohl der Konflikt zwischen den USA und dem Iran die Ölmärkte in Aufruhr versetzt und die Straße von Hormus zum Risikofaktor für die gesamte Weltwirtschaft geworden ist. Eigentlich gilt Gold in solchen Krisenphasen als klassischer Zufluchtsort. Diesmal jedoch zieht das Edelmetall nicht mit den Rohstoffmärkten mit: Während Brent-Rohöl binnen einer Woche um mehr als 14 Prozent auf ein 19-Wochen-Hoch sprang, verlor Gold im selben Zeitraum rund 2,5 Prozent. Zum Wochenschluss stand der Kurs bei 4.021,30 US-Dollar, ein Plus von 1,03 Prozent gegenüber dem Vortag – nach einem zwischenzeitlichen Wochentief von 3.959 Dollar.

Starker Dollar und Zinssorgen bremsen die Rally

Hinter der Schwäche steckt eine ungewöhnliche Gemengelage. Zwar eskaliert der Krieg am Golf weiter: Die USA fliegen nach eigenen Angaben bereits die achte Angriffsnacht in Folge gegen den Iran, zwei US-Soldaten kamen bei einem Raketenangriff in Jordanien ums Leben, und der Iran meldet den Abschuss einer US-Drohne vom Typ MQ-9 Reaper über Ahvaz. Doch statt in Gold flüchten Anleger derzeit eher in den US-Dollar, der sich als stabiler Fluchtwert etabliert hat. Zugleich nährt die Erwartung einer weiteren Fed-Zinserhöhung im September Sorgen, dass höher verzinste Anlagen für Investoren attraktiver werden als das zinslose Edelmetall. Der 30-Tage-Rückgang von 5,98 Prozent unterstreicht, wie deutlich sich diese Gemengelage bereits im Kurs niedergeschlagen hat.

Eine Umfrage von Kitco unter Marktteilnehmern zeichnet ein pessimistisches Bild für die kommenden Tage: 79 Prozent der befragten Wall-Street-Experten erwarten einen weiteren Rückgang des Goldpreises, nur 7 Prozent rechnen mit steigenden Notierungen. Unter Privatanlegern ist das Bild gespaltener, mit 40 Prozent Bären gegenüber 36 Prozent Bullen. Der Analyst Alex Kuptsikevich von FxPro geht sogar von einem Absturz auf 3.300 Dollar bis September aus, während die CPM Group eine Verkaufsempfehlung mit Kursziel 3.820 Dollar ausgegeben hat. Diese pessimistischen Stimmen kollidieren mit dem technischen Bild: Der Relative-Stärke-Index von 40,6 signalisiert bereits eine gewisse Überverkauftheit, was kurzfristig Gegenbewegungen begünstigen könnte.

Chinas Notenbank kauft weiter – aber langsamer

Auf der Nachfrageseite bleibt China ein wichtiger Stützpfeiler, allerdings mit nachlassender Dynamik. Die chinesischen Goldreserven wuchsen im Juni auf 2.321,6 Tonnen, ein Plus von 27 Tonnen im Jahresvergleich – deutlich langsamer als der Zuwachs von 266 Tonnen im Jahr 2023. Gleichzeitig verzeichnen chinesische Gold-ETFs mittlerweile Nettoabflüsse statt Zuflüsse. Die Analysten von Daishin Securities sehen daher nur begrenztes Aufwärtspotenzial für das Edelmetall, trotz der anhaltenden Käufe der chinesischen Zentralbank.

Nicht alle Marktbeobachter sind jedoch skeptisch. UBS prognostiziert einen Goldpreis von 5.200 Dollar in zwölf Monaten und begründet dies mit einem möglichen neuen Aufwärtszyklus für Edelmetalle. Diese Einschätzung steht damit diametral den kurzfristig bearishen Kitco-Umfragewerten und den Kurszielen von FxPro und CPM Group gegenüber – ein Beleg dafür, wie unterschiedlich die Markteinschätzungen derzeit auseinanderdriften.

Ausblick: Wichtige Woche mit Fed und Konjunkturdaten

Für die kommende Woche richtet sich der Blick der Anleger auf US-Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe, Einkaufsmanagerindizes sowie weitere geldpolitische Signale der Notenbanken. Sollte sich der Konflikt am Golf weiter zuspitzen und die Straße von Hormus tatsächlich zeitweise blockiert werden, könnte dies laut Einschätzung von Capital Economics die US-Inflation auf bis zu 5 Prozent treiben – ein Szenario, das theoretisch für Gold als Absicherung sprechen würde. Bislang jedoch dominiert am Goldmarkt die Sorge vor steigenden Zinsen die geopolitische Risikoprämie, und die Marke von 4.000 Dollar bleibt ein hart umkämpfter Unterstützungspunkt.