Der Goldpreis durchbricht eine magische Schwelle. Erstmals seit November 2025 kostet die Feinunze weniger als 4.000 US-Dollar. Am Donnerstagmorgen rutschte der Kurs auf 3.982 Dollar ab.

Das Edelmetall verliert damit massiv an Wert. Seit dem Allzeithoch im Januar 2026 hat sich der Preis um rund 29 Prozent verbilligt. Zwei Faktoren treiben diesen Ausverkauf an.

Die neue Härte der US-Notenbank

Kevin Warsh führt die Federal Reserve seit Mai 2026. Der neue Fed-Chef setzt auf einen harten Kurs. Auf der Juni-Sitzung strich er die bisher übliche Prognose für künftige Zinsen. Die Notenbank entscheidet nun strikt nach aktueller Datenlage.

Das Ziel: Bei der Teuerungsrate muss wieder eine Zwei vor dem Komma stehen. Der Markt reagiert nervös auf diese neue Doktrin. Investoren preisen für September 2026 eine weitere Zinserhöhung ein. Die Wahrscheinlichkeit dafür sprang innerhalb einer Woche von 29 auf 68 Prozent. Gold bringt keine Zinsen. Steigende Renditen machen das Edelmetall daher unattraktiv.

Entspannung im Nahen Osten

Parallel dazu schwindet die Angst vor einer geopolitischen Eskalation. US-Präsident Trump stellte am 24. Juni ein Rahmenabkommen mit dem Iran vor. Für die nächsten 60 Tage fallen die Durchfahrtsgebühren in der Straße von Hormuz weg. Im Gegenzug darf Teheran kontrolliert US-Agrarprodukte kaufen.

Die Folge: Die kriegsbedingte Risikoprämie für Gold bricht weg. Anleger ziehen massiv Kapital aus dem sicheren Hafen ab. Die Gefahr von großflächigen Lieferausfällen im Rohstoffsektor scheint vorerst gebannt.

Zentralbanken stützen den Boden

Institutionelle Käufer verhindern einen noch tieferen Absturz. Weltweite Zentralbanken erwarben im ersten Quartal 2026 netto rund 244 Tonnen Gold.

Polen kaufte im April 14 Tonnen. China stockte die Reserven um 8 Tonnen auf. Ein starker US-Dollar dämpft diese Nachfrage jedoch ab. Er macht Gold für Käufer außerhalb der USA teurer.

Am heutigen Donnerstag blickt der Markt auf die US-Inflationsdaten. Ökonomen erwarten beim Kern-PCE für Mai einen Anstieg auf 3,4 Prozent. Übertreffen die Zahlen die Fed-Zielmarke von 3,6 Prozent, droht weiterer Zinsdruck.

Fällt die Inflation schwächer aus, werten Marktbeobachter dies als Chance. Eine technische Gegenbewegung in Richtung 4.400 Dollar wäre dann möglich. Große Adressen passen sich der neuen Realität bereits an. Goldman Sachs senkte das Kursziel für das Jahresende von 5.400 auf 4.900 US-Dollar.