Der Goldpreis rutscht unter eine psychologisch wichtige Marke. Am 1. Juli fiel das Edelmetall auf 3.984 Dollar je Feinunze — nahe dem tiefsten Stand seit fast acht Monaten. Starke US-Konjunkturdaten und wachsende Erwartungen an eine Fed-Zinserhöhung lasten auf dem Metall.
Den unmittelbaren Auslöser lieferte der Arbeitsmarkt. Der JOLTS-Bericht vom 30. Juni zeigte 7,6 Millionen offene Stellen im Mai — unverändert stark. Futures-Märkte preisen laut CME FedWatch inzwischen eine 30-prozentige Chance auf eine Zinserhöhung beim nächsten FOMC-Treffen ein. Für September liegt die Wahrscheinlichkeit einer Straffung bereits über 60 Prozent.
Warsh und die Fed-Bilanz
Strukturell belastet ein Führungswechsel an der Spitze der Notenbank. Der neue Fed-Chef Kevin Warsh kündigte am 17. Juni fünf unabhängige Task Forces an. Sie sollen Kommunikation, Bilanzmanagement, Datenverantwortung, den Inflationsrahmen und Arbeitsmarkttrends neu bewerten. Besonders die Bilanzüberprüfung dürfte Märkte bewegen — die Fed hält derzeit Anleihen im Wert von 6,7 Billionen Dollar. Das Juni-Dot-Plot-Diagramm unterstrich den Kurs: Fast alle Notenbanker erwarten, dass die Zinsen bis Ende 2026 unverändert bleiben oder steigen.
Steigende Anleiherenditen verstärken den Druck auf Gold zusätzlich. Zinstragende Anlagen werden attraktiver — Bullion verliert.
Zentralbanken kaufen trotzdem
Kein Wunder, dass institutionelle Käufer eine andere Perspektive einnehmen. Die chinesische Zentralbank erwarb im April 8 Tonnen Gold — die höchste Menge seit Dezember 2024. Es war ihr 18. Kaufmonat in Folge. Chinas Nettoimporte lagen im ersten Quartal 2026 bei 317 Tonnen, fast dreimal so viel wie im Vorquartal, wie J.P. Morgan berichtet.
Global kauften Zentralbanken im ersten Quartal 244 Tonnen Gold — nach 208 Tonnen im Vorquartal. Die Gesamtnachfrage erreichte mit 1.231 Tonnen einen Rekordwert für das erste Quartal.
Analysten streiten über die Richtung
Goldman Sachs senkte im Juni das Kursziel für Gold zum Jahresende 2026 von 5.400 auf 4.900 Dollar. Begründung: keine Zinssenkungen der Fed in diesem Jahr. J.P. Morgan beschreibt die Lage nüchtern — Gold schleppt sich über den 200-Tage-Durchschnitt bei rund 4.340 Dollar, bleibt aber unterhalb des 50-Tage-Durchschnitts bei 4.730 Dollar gedeckelt. Bei den meisten Investoren stehe das Metall angesichts drohender Zinserhöhungen hinten an.
Hinzu kommt die geopolitische Komponente. US-Iran-Gespräche in Katar laufen, direkte Verhandlungen erwartet niemand. Gold war seit Ende Februar unter Druck geraten — ausgelöst durch die Nahost-Krise und steigende Energiepreise, die Inflationssorgen anheizten.
Der nächste Prüfstein kommt am 2. Juli: Der Nonfarm-Payrolls-Bericht soll einen Beschäftigungsanstieg um 110.000 Stellen zeigen. Fällt er stark aus, dürfte der Druck auf Gold weiter zunehmen.
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