Der Nahe Osten eskaliert, die Straße von Hormus ist dicht. Eigentlich ist das ein klassisches Szenario für steigende Edelmetallpreise. Aber Gold rutscht zum Wochenbeginn weiter ab und steuert auf die Marke von 4.100 Dollar je Feinunze zu. Zwei gegenläufige Kräfte zerreißen den Markt.

Zinswende abgesagt

Die US-Notenbank hat den Leitzins kürzlich bei einer Spanne von 3,50 bis 3,75 Prozent belassen. Die begleitenden Prognosen zeichnen allerdings ein restriktives Bild. Neun Fed-Mitglieder rechnen für 2026 mit steigenden Zinsen. Der Rest sieht kaum Entspannung.

Fed-Chef Kevin Warsh verweigerte eigene Prognosen im sogenannten Dot Plot. Er setzt stattdessen Arbeitsgruppen ein, um die Notenbank-Abläufe zu prüfen. Der Rentenmarkt reagierte prompt. Die Rendite zweijähriger US-Staatsanleihen sprang auf 4,21 Prozent. Das war der stärkste Tagesanstieg an einem Fed-Sitzungstag seit März 2008.

Die geopolitische Falle

Im Nahen Osten wächst derweil die Spannung. Der Iran hat die Straße von Hormus geschlossen. Teheran wirft den USA und Israel vor, anhaltende Angriffe im Libanon zu fliegen und damit einen Waffenstillstand gebrochen zu haben.

Normalerweise treibt solche Unsicherheit die Anleger in sichere Häfen. Diesmal passiert das Gegenteil. Eine Eskalation treibt die Ölpreise nach oben und heizt die Inflation an. Das zwingt die Zentralbanken zu harten Zinsen. Unverzinsliche Anlagen wie Gold verlieren dadurch massiv an Attraktivität.

Zentralbanken stützen den Boden

Trotz des Preisverfalls bleibt das Fundament stabil. Der World Gold Council meldet einen Rekord. Fast die Hälfte aller globalen Zentralbanken plant, die eigenen Goldreserven aufzustocken. China kauft bereits seit anderthalb Jahren ununterbrochen zu.

Am Donnerstag richtet sich der Blick auf neue US-Inflationsdaten. Die Notenbank erwartet für das Jahresende einen Kernpreisindex von 3,3 Prozent. Fällt der Bericht am 25. Juni heiß aus, dürften die Anleiherenditen weiter klettern. Ein starker Dollar würde den Abwärtsdruck auf das Edelmetall dann zementieren.