Elf Nächte in Folge greifen die USA den Iran an. Der Goldpreis reagiert deutlich: Am Mittwoch steigt die Feinunze auf 4.152,90 Dollar, ein Plus von 1,74 Prozent zum Vortag. Zwei Kräfte ziehen dabei in unterschiedliche Richtungen — geopolitische Angst und die Aussicht auf höhere Zinsen.

Militärische Eskalation stützt die Nachfrage

Der Konflikt zwischen den USA und dem Iran verschärft sich weiter. Das US-Militär griff erneut Ziele im Iran an. Ziel: die Fähigkeit des Landes schwächen, Handelsschiffe in der Straße von Hormus zu bedrohen.

Präsident Trump warnte zusätzlich vor weiteren Angriffen. Er drohte mit Vergeltung, sollten Iran-nahe Huthi-Rebellen den Schiffsverkehr im Roten Meer weiter stören. Außenminister Marco Rubio erklärte, die USA blieben grundsätzlich offen für ein Abkommen mit Teheran. Er äußerte aber Zweifel, ob der Iran zu akzeptablen Bedingungen bereit sei.

Diese Gemengelage treibt klassische Fluchtbewegungen ins Gold. Anleger suchen Sicherheit, wenn militärische Risiken eskalieren.

Fed-Sitzung Ende Juli rückt in den Blick

Parallel zur geopolitischen Lage wächst die Aufmerksamkeit für die US-Notenbank. Die nächste FOMC-Sitzung findet am 28. und 29. Juli 2026 statt. Neue Wirtschaftsprojektionen wird es bei diesem Termin nicht geben. Die Entscheidung folgt am 29. Juli um 20:00 Uhr MESZ, die Pressekonferenz eine halbe Stunde später.

Die Markterwartung hat sich zuletzt verschoben. ADP-Daten zeigen ein schwächeres Beschäftigungswachstum: In den vier Wochen bis zum 4. Juli entstanden im Schnitt 16.500 Stellen pro Woche, weniger als im Zeitraum davor. Es ist bereits der vierte Rückgang in Folge.

Trotzdem rechnen die Märkte für die Juli-Sitzung mit einer unveränderten Zinspolitik. Für September wird dagegen eine Zinserhöhung mit einer Wahrscheinlichkeit von über 55 Prozent eingepreist. Bis März 2027 gehen Marktteilnehmer sogar von zwei Erhöhungen um jeweils 25 Basispunkte aus.

Ölpreise verschärfen die Inflationssorgen

Steigende Energiepreise befeuern die Zinsdiskussion zusätzlich. Trump hatte kurzfristige Gespräche mit dem Iran heruntergespielt und weitere Angriffe angedroht — das trieb die Ölpreise nach oben. Hinzu kommen Störungen im Roten Meer durch die Huthi-Rebellen sowie eine Serie von Angriffen auf das Terminal des Caspian Pipeline Consortium an der russischen Schwarzmeerküste.

Diese Entwicklung erklärt, warum Gold trotz der aktuellen Kaufwelle weit von seinem Rekordhoch entfernt bleibt. Der aktuelle Kurs liegt gut 26 Prozent unter dem 52-Wochen-Hoch von 5.626,80 Dollar aus dem Januar. Höhere Ölpreise nähren die Erwartung, dass die Zinsen länger hoch bleiben müssen — ein Gegengewicht zur sicheren-Hafen-Nachfrage.

Zum 200-Tage-Durchschnitt von 4.541,65 Dollar fehlen dem Goldpreis derzeit rund 8,6 Prozent. Der physische Markt bleibt trotz der Spannungen vergleichsweise ruhig. Die Aufmerksamkeit der Anleger verschiebt sich zunehmend auf den 29. Juli — den Tag, an dem die Fed ihre Entscheidung verkündet.