Friedenshoffnungen und Zinssorgen ziehen gleichzeitig an Gold — in entgegengesetzte Richtungen. Das Ergebnis: Der Preis fiel am Dienstag auf 4.782 Dollar je Unze und bleibt damit unter der hartnäckigen Widerstandszone bei 4.800 Dollar.

Hormuz-Diplomatie als Preistreiber

Der Druck kommt aus dem Nahen Osten. Der zweiwöchige Waffenstillstand zwischen den USA und dem Iran läuft in dieser Woche aus. Vizepräsident JD Vance soll erneut die US-Delegation leiten, der Iran will offenbar ebenfalls Vertreter schicken. Präsident Trump signalisierte jedoch, er werde den Waffenstillstand kaum verlängern, sollte keine Einigung erzielt werden.

Der Konflikt hat einen Energieversorgungsschock ausgelöst. Höhere Ölpreise treiben die Inflation — und das erhöht den Druck auf die Notenbanken, die Zinsen oben zu halten. Beides belastet Gold. Paradox: Friedenssignale stützen den Kurs kurzfristig, weil sie Inflationsrisiken dämpfen.

Fed bleibt auf Kurs

Die US-Notenbank bewegt sich nicht. Laut CME Group liegt die Wahrscheinlichkeit, dass der Leitzins im April bei 3,50 bis 3,75 Prozent bleibt, bei 99,5 Prozent. Märkte, die vor dem Konflikt noch mit Zinssenkungen 2026 gerechnet hatten, haben diese Erwartung inzwischen aufgegeben.

Der Datenkalender dieser Woche gibt zusätzliche Orientierung. Am Donnerstag folgen Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe sowie PMI-Daten für Industrie und Dienstleistungen. Am Freitag veröffentlicht die Universität Michigan ihren Inflationserwartungsbericht für April.

Technisch angespannt, fundamental gestützt

Der MACD liegt mit −109 im negativen Bereich, der RSI fiel auf 43,5 — beides zeigt Bärendruck. Hält Gold über der Unterstützung bei rund 4.767 Dollar, wäre ein Ausbruch Richtung 4.967 bis 5.075 Dollar das nächste technische Ziel. Scheitert das, droht eine Rückkehr in die Zone um 4.653 Dollar.

Fundamental bleibt das Bild robuster. JPMorgan und Goldman Sachs erwarten Gold in einer Spanne von 4.000 bis 6.300 Dollar. Zentralbanken kaufen weiter: Der World Gold Council verzeichnete im Februar 27 Tonnen Nettokäufe. Schwellenländer-Notenbanken, angeführt von China, diversifizieren ihre Dollar-Reserven — ein struktureller Rückenwind, der kurzfristige Schwankungen überlagert.

Auf Monatssicht liegt Gold trotz des heutigen Rücksetzers rund 8,5 Prozent im Plus. Ob der Kurs die 5.000-Dollar-Marke zurückerobert, hängt maßgeblich davon ab, wie sich die Verhandlungen in dieser Woche entwickeln — und ob Brent-Öl unter 150 Dollar bleibt.