Ein enttäuschender US-Arbeitsmarktbericht hat dem Goldpreis die beste Woche seit Monaten beschert. Nach fünf Wochen mit Verlusten dreht das Edelmetall kräftig ins Plus. Der Auslöser: Die Fed dürfte ihre Zinspläne überdenken müssen.

Im Juni entstanden in den USA außerhalb der Landwirtschaft nur 57.000 neue Stellen. Analysten hatten mit etwa 110.000 bis 115.000 gerechnet. Die Arbeitslosenquote lag bei 4,2 Prozent.

Der Arbeitsmarkt schwächelt, Gold profitiert

Für Marktteilnehmer ist die Botschaft klar: Die US-Wirtschaft verliert an Fahrt. Das drückt die Wahrscheinlichkeit einer weiteren Zinserhöhung im September. Laut FedWatch-Tool sank sie von 66 Prozent auf etwa 54 Prozent.

Gold zahlt keine Zinsen. Steigt die Aussicht auf stabile oder fallende Leitzinsen, wird der Rohstoff automatisch attraktiver. Der US-Dollar-Index reagierte prompt und verzeichnete seinen stärksten Wochenverlust seit April – ein schwächerer Dollar macht Gold für Käufer außerhalb der USA günstiger.

Auch die Renditen zehnjähriger US-Staatsanleihen gaben nach und pendelten sich zwischen 4,45 und 4,48 Prozent ein. Der Goldpreis schloss die Woche bei 4.187,30 US-Dollar je Feinunze, ein Plus von 1,23 Prozent allein am Freitag. Auf Wochensicht steht ein Zuwachs von rund 2 Prozent zu Buche – auf Monatssicht bleibt aber ein Minus von gut 6 Prozent.

Zentralbanken kaufen weiter

Neben der Zinswende stützt eine zweite Kraft den Preis: die Nachfrage der Notenbanken. Im Mai kauften Zentralbanken weltweit netto 41 Tonnen Gold – der zweitstärkste Monat des Jahres.

Polen legte 18 Tonnen zu, China 10 Tonnen. Für Peking war es bereits der 20. Monat in Folge mit Zukäufen, die offiziellen Reserven kletterten auf 2.331 Tonnen. Usbekistan, Kasachstan und Singapur bauten ihre Bestände ebenfalls aus.

Verkäufe blieben die Ausnahme. Nur Russland und die Türkei reduzierten ihre Bestände, um 6 beziehungsweise 3 Tonnen. Diese breite institutionelle Nachfrage gilt als fundamentales Polster unter dem Preis.

Charttechnik: Wichtige Marke im Blick

Trotz der Rallye bleibt der Preis weit von seinem Rekord entfernt. Das 52-Wochen-Hoch von 5.626,80 US-Dollar aus dem Januar liegt gut ein Viertel über dem aktuellen Niveau. Zum 50-Tage-Durchschnitt von 4.415 US-Dollar fehlen dem Kurs noch gut 5 Prozent.

Ende Juni hatte sich charttechnisch ein „Death Cross“ gebildet – ein bearishes Signal. Die aktuelle Rallye scheint es vorerst zu neutralisieren. Der RSI von 46,6 zeigt: Weder überkauft noch überverkauft, Luft nach oben bleibt.

Analysten sehen die Marke von 4.200 US-Dollar als nächsten Widerstand. Ein nachhaltiger Ausbruch darüber würde den Weg zu 4.225 bis 4.250 US-Dollar öffnen.

Die kommende Woche liefert reichlich Diskussionsstoff. Am Dienstag steht der ISM Services PMI aus den USA an, am Donnerstag folgt das FOMC-Sitzungsprotokoll. Investoren erhoffen sich daraus Details zur internen Fed-Debatte über Arbeitsmarkt und Inflation – Erkenntnisse, die direkten Einfluss auf die weiteren Zinserwartungen und damit auf den Goldpreis haben dürften.