Normalerweise ist das ein Widerspruch: Steigen die Aktienmärkte, brauchen Anleger keine Absicherung. Diese Woche zeigt Gold jedoch etwas anderes. Der Goldpreis schloss bei 4.375,60 US-Dollar je Feinunze, umgerechnet rund 3.780,96 Euro, während große Aktienindizes weiterhin nahe ihren Rekordständen notieren.
Diese Kombination ist ungewöhnlich. Sie deutet darauf hin, dass Anleger derzeit zwei Dinge gleichzeitig wollen: an weiteren Kurschancen bei Aktien teilhaben und sich zugleich gegen Inflation, Zinsunsicherheit und geopolitische Risiken absichern.
Fed-Zinssenkung rückt näher
Der eigentliche Treiber der Erholung liegt in Washington. Schwache US-Konjunkturdaten haben die Wetten auf eine straffere Geldpolitik der Federal Reserve deutlich gedämpft. Die Einzelhandelsumsätze fielen im Juli um 0,60 Prozent gegenüber dem Vormonat und verfehlten die Erwartungen klar, nachdem bereits die Beschäftigtenzahlen enttäuscht hatten.
Laut CME-FedWatch-Tool taxieren Händler die Wahrscheinlichkeit einer Zinserhöhung bei der Fed-Sitzung im September nur noch auf rund 33 Prozent. Für Gold ist das ein klassisches Kaufargument: Sinkende Realzinsen machen das zinslose Edelmetall relativ attraktiver.
Geopolitik bleibt zweite Stütze
Parallel zur Zinsdebatte sorgt die Lage rund um die Straße von Hormus für Unterstützung. Die Verhandlungen zwischen den USA und Iran stagnieren, während Washington angekündigt hat, den wirtschaftlichen Druck auf Teheran in der kommenden Woche weiter zu verschärfen. Die anhaltenden Spannungen treiben auch den Ölpreis nach oben, was zusätzliche Inflationssorgen schürt – ein Umfeld, das Gold traditionell zugutekommt.
Der Anleihemarkt zeigt allerdings, dass die Zinsrisiken keineswegs vollständig verschwunden sind. Die Situation bleibt fragil: Neue Konjunkturdaten könnten die Erwartungen an die Fed rasch wieder in die andere Richtung drehen.
Charttechnik zeigt Konsolidierung
Nach den kräftigen Vorwochengewinnen befindet sich Gold nun in einer Phase der Konsolidierung. Erste Widerstände liegen bei etwa 4.388 Dollar, während sich um 4.373 Dollar eine erste Unterstützung abzeichnet. Die technische Tendenz für die kommende Woche wird als leicht bullisch eingeschätzt, mit einer Gewichtung von etwa 60 zu 40 zugunsten weiterer Kursgewinne.
Für die kommende Woche bleibt die Fed-Zinsentscheidung am 15. und 16. September der zentrale Termin, an dem sich die aktuelle Erholung messen lassen muss. Bis dahin dürfte die Nachrichtenlage rund um die Straße von Hormus mindestens ebenso viel Einfluss auf den Goldpreis nehmen wie die Konjunkturdaten aus den USA.
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