Wenn sich ausnahmslos jeder befragte Wall-Street-Analyst in eine Richtung positioniert, sollte der Fall eigentlich klar sein. Beim Gold ist genau das gerade passiert – und trotzdem tritt der Kurs seit Tagen auf der Stelle. Ein selten deutliches Signal trifft auf einen Markt, der sich davon bislang wenig beeindrucken lässt.
Einhelliger Optimismus, zähe Realität
In der jüngsten Kitco-Erhebung rechneten sämtliche 16 befragten Wall-Street-Experten mit steigenden Notierungen – eine Zustimmungsquote von 100 Prozent, wie sie selten vorkommt. Auch bei den Privatanlegern überwiegt der Optimismus: Von 220 Teilnehmern erwarteten 58 Prozent höhere Kurse, nur 24 Prozent setzten auf fallende Preise, der Rest rechnete mit Seitwärtsbewegung.
Der Kurs selbst zeigte sich davon zuletzt unbeeindruckt. Die Feinunze gab um 0,4 Prozent auf 4.384 Dollar nach, bevor sie in den vergangenen Tagen bis auf rund 4.322 Dollar zurückfiel und nun ein Drei-Tages-Tief markiert. Die Marke von 4.300 Dollar rückt damit als nächster Prüfstein ins Blickfeld.
Fed bremst, Iran-Risiken stützen
Der Auslöser für die Schwäche liegt fünf Handelstage zurück: die jüngste Zinsanhebung der Federal Reserve. Sie hat die geldpolitische Ausgangslage spürbar verschoben und den Dollar gestützt – ein klassischer Gegenwind für das zinslose Edelmetall.
Selbst nachlassender Preisdruck am Ölmarkt, sinkende Anleiherenditen und geringere Sorge vor einem Energieschock konnten daran nichts ändern, im Gegenteil: Der Kurs rutschte zeitweise um mehr als ein Prozent ab.
Aktuell hält sich Gold in einem Spannungsfeld. Auf der einen Seite drückt die hawkische Fed-Rhetorik über einen festeren Dollar auf die Notierung, auf der anderen Seite verhindern die Spannungen im Nahen Osten einen tieferen Rückfall. Händler dürften daher zunächst zurückhaltend bleiben, bis sich die Lage rund um den Konflikt klarer abzeichnet – Richtungswetten sind in dieser Gemengelage riskant.
Die kommenden Handelstage werden zeigen, ob die Marke von 4.300 Dollar hält oder ob die Fed-getriebene Dollarstärke den nächsten Rutsch einleitet. Sollte die Unterstützung standhalten, hätte der geschlossene Analystenoptimismus zumindest kurzfristig recht behalten.
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