Die Erholung bei Gold könnte kurzlebig sein. Darauf verwies der unabhängige Finanzmarktanalyst Nikos Tzabouras heute gegenüber Reuters. Er führte den jüngsten Aufschwung auf Hoffnungen auf einen diplomatischen Durchbruch zwischen den USA und Iran sowie Zweifel an der Tragfähigkeit des KI-Booms zurück. Am Tag der US-Zwischenwahlen steht damit die Frage im Mittelpunkt, wie belastbar die Gegenbewegung nach dem Ausverkauf ist.

Entlastung beim Öl, Unsicherheit bei Zinsen

Den unmittelbaren Anstoß zur Erholung lieferte gestern der sinkende Ölpreis. Reuters berichtete über Gespräche zwischen iranischen Unterhändlern und katarischen Vermittlern über ein Ende des US-israelischen Kriegs gegen Iran. Die Aussicht auf eine Entspannung dämpfte Inflations- und Zinserhöhungssorgen.

Gold schloss gestern mit einem Plus von 1,8% bei 3.945,67 USD je Feinunze. Die Gegenbewegung folgte auf einen Rückgang, den laut Reuters am Freitag auch Verkäufe von Technologie- und KI-Aktien sowie zusätzlicher Liquiditätsbedarf verstärkt hatten.

Die Entlastung beim Öl beseitigt allerdings nicht die geldpolitische Unsicherheit. Der Markt hatte zuletzt weiterhin eine US-Zinserhöhung im Dezember eingepreist. Niedrigere Energiepreise mildern damit einen Belastungsfaktor für Gold, ohne den restriktiven Zinsausblick bereits aufzulösen.

Der US-PCE-Preisindex war im September um 0,5 % gestiegen, nach 0,3 % im August. Die Federal Reserve ließ ihren Leitzins am 28. Oktober unverändert bei 3,75–4,00 %.

Damit steht der jüngsten Entspannung bei den Energiepreisen ein weiterhin erhöhtes Inflationsniveau gegenüber. Für die Haltbarkeit der Gold-Erholung ist entscheidend, ob die Zinserwartungen tatsächlich nachgeben. Allein die Hoffnung auf diplomatische Fortschritte liefert dafür noch keine Bestätigung.

Weniger spekulative Zuversicht

Auch die Positionierung am Terminmarkt zeigt einen Rückzug spekulativer Anleger. Der am Freitag veröffentlichte Bericht der CFTC wies zum Stichtag 27. Oktober eine Netto-Long-Position großer Spekulanten bei COMEX-Gold von 186.451 Kontrakten aus. Das waren 13.414 Kontrakte weniger als eine Woche zuvor.

Der Positionsabbau ordnet die jüngste Gegenbewegung ein: Ihr ging eine Phase sinkender spekulativer Zuversicht voraus. Die Erholung des Goldpreises allein belegt deshalb noch keine erneute Ausweitung dieser Positionen.

Tzabouras’ heutige Warnung richtet den Blick entsprechend auf die Beständigkeit der jüngsten Impulse. Hoffnungen auf Diplomatie und Zweifel am KI-Boom können Gold kurzfristig beeinflussen. Ob daraus ein tragfähiger Aufschwung entsteht, ist mit der Gegenbewegung noch nicht entschieden.

Wahlen ändern den langfristigen Hintergrund kaum

Für den längerfristigen Blick relativierte Carsten Menke von Julius Bär gestern die Bedeutung der US-Zwischenwahlen. Nach seiner Einschätzung dürften sie den fiskalischen Hintergrund für Gold nicht wesentlich verändern. Anhaltende Defizite und die US-Schuldenlast seien längerfristig unterstützend.

Damit unterscheiden sich kurzfristiger Auslöser und langfristige Stützen deutlich. Während die jüngste Erholung von Ölpreisen und diplomatischen Hoffnungen getragen wurde, verweist Menke auf strukturelle fiskalische Faktoren.

Der nächste bestätigte Konjunkturtermin ist der US-Arbeitsmarktbericht für Oktober am 6. November. Die Beschäftigungsdaten können die Zinserwartungen beeinflussen. Für Gold liefern sie damit einen weiteren Prüfstein, ob aus der jüngsten Entlastung eine beständigere Erholung werden kann.