Sinkende US-Anleiherenditen haben Gold am Freitag nicht gestützt. Die ING-Analysten Warren Patterson und Ewa Manthey erklärten in ihrer Einschätzung vom selben Tag, der Markt gewichte höhere Ölpreise stärker. Damit überlagerten Inflations- und Straffungssorgen mögliche Unterstützung durch den Renditerückgang. Physische Käufe bilden ein Gegengewicht, konnten den jüngsten Verkaufsdruck aber nicht aufhalten.
Warum niedrigere Renditen nicht genügen
Nach Einschätzung der ING fiel Gold am Freitag trotz eines Aktienabverkaufs und rückläufiger US-Staatsanleiherenditen. Entscheidend war für die Analysten der Ölpreisanstieg mit seinen möglichen Folgen für Inflation und Geldpolitik. Auch Reuters beschrieb am Freitag diesen Zusammenhang als Belastung für das Edelmetall.
Zusätzlichen Gegenwind lieferte laut ING der vorläufige US-Einkaufsmanagerindex für Oktober mit 57,6 Punkten. Er hielt den Dollar stabil und verhinderte nach Einschätzung der Analysten eine Erholung des Goldpreises.
Die Schwäche lässt sich damit nicht allein über die Bewegung der Anleiherenditen erklären. Der Markt reagierte stärker auf die möglichen Folgen höherer Energiekosten. Das ist die zentrale Einschränkung für Anleger, die aus fallenden Renditen bereits auf eine Entlastung für Gold schließen.
Der Spotpreis schloss am Freitag bei 3.997,48 USD je Feinunze. Damit brachte auch der jüngste Handelstag keine Stabilisierung gegenüber dem von ING beschriebenen Belastungsmix.
Physische Nachfrage setzt Gegenakzente
Auf der Nachfrageseite fällt das Bild weniger einseitig aus. Der World Gold Council berichtete am Dienstag von einer anziehenden saisonalen Goldnachfrage in Indien vor der Fest- und Hochzeitssaison. Händler meldeten eine bessere Auftragslage und füllten ihre Lager auf. Gleichzeitig erhöhten Altgoldtausch und informelle Zuflüsse das inländische Angebot.
Auch die chinesische Zentralbank kaufte weiter Gold. Laut World Gold Council vom 15. Oktober erwarb sie im September 23 Tonnen. Das war der größte Monatszukauf seit Oktober 2023.
Diese Käufe stehen dem jüngsten Preisrückgang gegenüber. Sie zeigen eine andere Entwicklung als die kurzfristige Reaktion auf Ölpreise und den Dollar. Eine unmittelbare Preiswende lässt sich daraus allerdings nicht ableiten: Trotz dieser Nachfrage blieb Gold zuletzt unter Druck.
Erholungserwartungen mit zeitlichem Abstand
Die DZ BANK hatte in ihrem Prognoseupdate vom 16. Oktober kurzfristige Belastungen und längerfristige Unterstützung ausdrücklich getrennt. Steigende US-Zinserhöhungserwartungen bezeichnete sie als Gegenwind, anhaltende Zentralbankkäufe als Stütze.
Für das Jahresende 2026 prognostizierte das Haus rund 4.300 US-Dollar je Feinunze.
Damit setzte die Einschätzung auf eine spätere Erholung, nicht auf ein sofortiges Ende des Verkaufsdrucks.
Für das erste Halbjahr 2027 nannte die DZ BANK 4.600 US-Dollar. Auf Jahressicht sah sie Potenzial um 5.000 US-Dollar.
Diese Erwartungen bleiben Prognosen. Der nächste konkrete Prüfstein für den kurzfristigen Ausblick ist der angekündigte Fed-Zinsentscheid am 28. Oktober 2026 samt Pressekonferenz. Am 29. Oktober 2026 folgt der US-PCE-Preisindex als wichtiger Inflationsmaßstab. Für Gold treffen damit physische Nachfrage und Erholungserwartungen auf einen Markt, der derzeit vor allem Inflationsrisiken gewichtet.
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