Zwischen Kriegsangst und Zinssorgen sucht der Goldpreis derzeit seine Richtung. Am Freitag schloss die Feinunze bei 4.098,60 US-Dollar, ein Minus von 1,54 Prozent gegenüber dem Vortag. Die Eskalation zwischen den USA und dem Iran spricht eigentlich für das Krisenmetall, doch steigende US-Zinsen und ein robuster Dollar bremsen die Erholung.
Charttechnik: Stabilisierung mit Ausbruchspotenzial
Charttechnisch bewegt sich der Preis derzeit in einer Bandbreite zwischen 3.950 und 4.200 Dollar. Analysten werten diese Konsolidierung als möglichen Vorboten einer Trendwende: Ein Ausbruch nach oben würde weiteres Potenzial eröffnen, ein Rutsch unter die untere Marke erforderte dagegen eine Neubewertung. Der Kurs notiert derzeit rund 2,4 Prozent unter seinem gleitenden 50-Tage-Durchschnitt von 4.199,84 Dollar – ein Zeichen dafür, dass der kurzfristige Aufwärtsdruck noch fehlt. Zum 52-Wochen-Tief von 3.901,30 Dollar aus Ende Oktober beträgt der Abstand aber immerhin gut 5 Prozent, der Boden hält bislang.
Fed-Streit und Anleiheausverkauf bremsen die Rally
Innerhalb der US-Notenbank tobt derzeit ein offener Richtungsstreit. Drei Mitglieder fordern nach eigenen Angaben eine sofortige Zinserhöhung, während Fed-Chef Kevin Warsh sogar erwägt, die Zahl der geldpolitischen Sitzungen zu reduzieren, um flexibler reagieren zu können. Am Freitag kletterte die Rendite zehnjähriger US-Staatsanleihen auf ein 19-Jahres-Hoch. Der St.-Louis-Fed-Präsident Musalem wertete den Anleiheausverkauf als Warnsignal für baldige Zinsschritte und plädierte für eine frühere, schrittweise Anpassung. Steigende Realzinsen erhöhen die Opportunitätskosten für zinslos gehaltenes Gold und erklären einen Teil des jüngsten Rücksetzers.
Zur Nervosität trägt zusätzlich die Lage im Nahen Osten bei. Laut dpa-AFX erwägt US-Präsident Trump neue, möglicherweise besonders umfangreiche Angriffe auf den Iran, Teheran droht seinerseits mit Gegenschlägen auf kritische Infrastruktur in Israel und den Golfstaaten. Der Konflikt läuft bereits seit Ende Februar und geht damit in seinen sechsten Monat – ein Umstand, der die fundamentale Nachfrage nach dem Krisenmetall stützt, selbst wenn die Zinsseite kurzfristig dagegenhält.
Zentralbanken stützen die Nachfrage
Strukturell bleibt die Nachfrage nach Gold hoch. Der World Gold Council beziffert die weltweite Nachfrage im zweiten Quartal auf 1.269 Tonnen. Zentralbanken standen dabei allein für 289 Tonnen, während Barren und Münzen bei rund 307 Tonnen stabil blieben. Im ersten Halbjahr summierte sich die Gesamtnachfrage auf 2.522 Tonnen im Wert von 380 Milliarden Dollar. Aus Gold-ETFs flossen zugleich 45 Tonnen ab, während die Schmucknachfrage auf den niedrigsten Stand seit Beginn der Pandemie fiel – ein Hinweis darauf, dass die Käufe zunehmend von institutionellen und staatlichen Akteuren getragen werden, nicht mehr vom klassischen Konsumentengeschäft.
Produzenten profitieren vom hohen Preisniveau
Von der Preisentwicklung profitieren auch die Förderkonzerne. Barrick Mining meldete für das erste Quartal einen freien Cashflow von 1,21 Milliarden Dollar, ein Plus von 195 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Der Konzern legte parallel ein Aktienrückkaufprogramm über 3 Milliarden Dollar auf und bekräftigte seine Dividende. Solche Zahlen rücken Goldentwickler wieder stärker in den Fokus von Anlegern, die auf die operative Hebelwirkung des Preisniveaus setzen.
Für den Goldpreis selbst bleibt die Gemengelage aus geopolitischem Risiko, Fed-internen Spannungen und robuster Zentralbanknachfrage bestimmend. Ob der Ausbruch über 4.200 Dollar gelingt oder die Marke bei 3.950 Dollar erneut getestet wird, dürfte sich mit der Fed-Sitzung im September entscheiden.
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