Der Goldpreis bleibt in der Nähe seines Dreimonatshochs, während sich an den Anleihemärkten ein neues Kapitel abzeichnet. Auslöser ist ein Vorstoß von US-Finanzminister Scott Bessent, der über das Finanzministeriums-Konto TGA offenbar Anleiherückkäufe im Umfang von rund einer Billion Dollar erwägt.

Zusätzlich hat das Finanzministerium die Obergrenze für einzelne Rückkauf-Operationen angehoben. Am Markt wird das als Eingriff zur Stützung der Anleihekurse gelesen – und als Signal, dass Washington bereit ist, aktiv gegen steigende Renditen vorzugehen.

Gold notiert am Mittwoch bei 4.658,41 US-Dollar je Feinunze, nach einem nahezu unveränderten Vortag mit einem Plus von 0,1 Prozent. Auf Sicht von 30 Tagen hat das Edelmetall 14 Prozent zugelegt, seit Jahresbeginn steht ein Anstieg von 7,9 Prozent zu Buche.

Zum 52-Wochen-Hoch von 5.598,58 US-Dollar aus Ende Januar fehlen dem Kurs derzeit 17 Prozent – der jüngste Rückschlag im Jahresverlauf ist damit längst nicht wettgemacht, auch wenn die kurzfristige Dynamik klar nach oben zeigt.

Kritik an Bessents Vorgehen wächst

Nicht alle Marktbeobachter sehen die Anleihe-Intervention positiv. Der bekannte Investor Stanley Druckenmiller bezeichnete Bessents Eingriff als schweren Fehler. Sein Argument: Washington kämpfe gegen Preise an, die der Markt bereits gesetzt habe. Die 30-jährige US-Anleiherendite lag zuletzt nahe einem 20-Jahres-Hoch, was die Debatte um die Nachhaltigkeit der Staatsverschuldung neu befeuert.

Genau diese Gemengelage – ein Finanzministerium, das mit außergewöhnlichen Mitteln in den Anleihemarkt eingreift, während die Verschuldung auf Rekordniveaus verharrt – nährt die sogenannte Abwertungs-Handelsthese: Anleger suchen Zuflucht in Sachwerten wie Gold, wenn sie an der Kaufkraft von Staatsanleihen und Währungen zweifeln.

Der Dollar-Index ist im August um 0,8 Prozent gefallen und markierte ein Dreimonatstief. Ein schwächerer Dollar macht Gold für Käufer außerhalb der USA günstiger und stützt traditionell den Preis. Laut UBS steuert Gold im August auf den stärksten Monatsgewinn seit September 1999 zu – ein historischer Vergleich, der die Ausnahmestellung der aktuellen Rally unterstreicht.

Fed-Termine und Nahost-Entspannung als Gegenspieler

Parallel zur Bessent-Debatte richtet sich der Blick auf die US-Notenbank. Die Wahrscheinlichkeit einer Zinserhöhung im September wird von den Futures-Märkten aktuell bei rund 40 Prozent gesehen, nachdem sie zuvor höher gelegen hatte.

Fed-Chef Kevin Warsh spricht am Freitag beim Jackson-Hole-Symposium – seine Äußerungen dürften die Zinserwartungen und damit auch den Goldpreis kurzfristig bewegen. Zudem stehen die Kern-PCE-Daten für Juli im Fokus, die als bevorzugtes Inflationsmaß der Fed gelten.

Gegenwind für die Rally kommt zusätzlich von der geopolitischen Front: Berichte über Fortschritte bei Gesprächen zwischen Iran und Oman zur Straße von Hormus haben die Nachfrage nach sicheren Häfen zuletzt gedämpft. Fällt diese Risikoprämie weiter, könnte das kurzfristig Druck auf den Goldpreis ausüben – auch wenn die strukturellen Treiber, Dollar-Schwäche und Zweifel an der US-Fiskalpolitik, bestehen bleiben.

Auf der Nachfrageseite bleibt Asien ein wichtiger Faktor: Chinas Netto-Goldimporte über Hongkong legten im Juli deutlich zu, was auf anhaltendes Interesse institutioneller wie privater Käufer hindeutet. Mit einem RSI von 75,2 gilt Gold nach klassischer Lesart als überkauft – ein Warnsignal für kurzfristige Rücksetzer, das die grundsätzliche Aufwärtsdynamik aber nicht zwingend infrage stellt.