Liebe Leserinnen und Leser,
am Freitag schrieb ich Ihnen, die Tech-Konzerne investierten Hunderte Milliarden in KI-Infrastruktur und die Börse belohne sie dafür. Diese Woche stellte ich die Frage, ob Apple, Microsoft und Meta mit ihren Quartalszahlen beweisen können, dass sich die gewaltigen Ausgaben rechnen. Die Antwort steht noch aus. Doch während wir auf die Bücher der Tech-Giganten warten, verschiebt sich etwas Grundsätzliches in den Kapitalströmen.
Als am späten Freitagnachmittag die Meldungen über neue Vermittlungsgespräche zwischen den USA und dem Iran in Pakistan über die Ticker liefen, sackte der Ölpreis auf rund 95 Dollar ab. Trump hatte militärische Schläge für zwei Wochen ausgesetzt, Teheran die Straße von Hormus vorübergehend wieder geöffnet. Man hätte erwarten können, dass das Geld reflexartig zurück in die Software-Werte fließt. Stattdessen zeigen die Kapitalströme der vergangenen Tage ein anderes Bild: Das große Geld rotiert. Raus aus der reinen KI-Euphorie, rein in reale, physisch begrenzte Vermögenswerte.
13 Millionen Barrel pro Tag – und die Marine rüstet auf
Die Internationale Energieagentur lieferte in dieser Woche Zahlen, die den Ernst der Lage beziffern: Über 13 Millionen Barrel pro Tag fielen beim Export zeitweise aus – die größte Blockade in der Geschichte des Ölmarkts. Dass die Deutsche Marine in den kommenden Tagen das Minenjagdboot „Fulda“ ins Mittelmeer verlegt, um sich auf einen möglichen multinationalen Einsatz zur Sicherung der Meerenge vorzubereiten, ist kein symbolischer Akt. Die Politik stellt sich auf eine Störung ein, die Monate dauern kann.
Für Investoren heißt das: Die geopolitische Risikoprämie bleibt hoch, selbst wenn die Diplomatie zwischenzeitlich Fortschritte meldet. Doch das Kapital fließt nicht nur ins schwarze Gold. Die eigentliche Dynamik spielt sich bei den Metallen ab.
Barrick, Newmont und die Rückkehr der Substanz
Während die KI-Infrastruktur in den vergangenen Monaten die Schlagzeilen dominierte, vollzieht sich bei den Goldproduzenten ein Ausbruch, der fundamental untermauert ist. Barrick Gold meldete für das Gesamtjahr 2025 einen Umsatzanstieg um 31 Prozent auf 16,96 Milliarden Dollar. Der Nettogewinn verdoppelte sich mehr als – plus 133 Prozent auf 4,99 Milliarden Dollar. Allein im vierten Quartal stiegen die Goldverkäufe gegenüber dem Vorquartal um 15 Prozent auf 960.000 Unzen, der operative Cashflow erreichte mit 2,73 Milliarden Dollar einen Rekordwert.
Der Goldpreis selbst konsolidiert zuletzt auf extrem hohem Niveau zwischen 4.700 und 4.720 US-Dollar pro Feinunze, nachdem er am 28. Januar sein Allzeithoch von knapp 5.590 Dollar markiert hatte. Auch Newmont profitiert massiv: Analysten hoben das Kursziel auf 140 Dollar an, getrieben von einem Rekord-Free-Cashflow von 3,1 Milliarden Dollar im ersten Quartal. Was wir hier sehen, ist keine kurzfristige Spekulation. Anleger parken Kapital dort, wo physische Knappheit einen natürlichen Boden einzieht.
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Der institutionelle Bitcoin-Squeeze
Diese Flucht in knappe Güter beschränkt sich nicht auf Edelmetalle. Bitcoin notiert bei rund 77.600 Dollar und liegt im April bereits 13 Prozent im Plus. Die inverse Korrelation zum US-Dollar hat mit minus 0,90 den extremsten Stand seit September 2022 erreicht. Gleichzeitig saugen die US-Spot-ETFs den Markt leer: 2,12 Milliarden Dollar flossen allein in den letzten neun Handelstagen in diese Produkte. BlackRock hält in seinem IBIT-Fonds mittlerweile über 806.000 Bitcoin im Wert von knapp 64 Milliarden Dollar.
Die Liquidität konzentriert sich dabei auf immer weniger Akteure. Laut einem aktuellen Bericht der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich dominiert Binance 39 Prozent des globalen Spot-Volumens. Wer das noch als Retail-Phänomen abtut, ignoriert die Fakten. Das ist institutionelle Positionierung vor dem nächsten geldpolitischen Schritt.
Powells letzter Auftritt – und sein Nachfolger
Dieser Schritt wird in den kommenden Wochen in Washington vorbereitet. Am Dienstag und Mittwoch tritt die Fed zusammen. Eine Zinssenkung ist vom Tisch – der Markt preist zu 99 Prozent ein Stillhalten in der Spanne von 3,50 bis 3,75 Prozent ein, bei einer US-Inflation von zuletzt 3,3 Prozent.
Wichtiger als der Zinsentscheid ist die Personalie dahinter: Es wird voraussichtlich Jerome Powells letzte reguläre Pressekonferenz. Die strafrechtlichen Ermittlungen gegen ihn hat das Justizministerium am Freitag eingestellt, seine Amtszeit endet am 15. Mai. Sein designierter Nachfolger Kevin Warsh absolvierte am vergangenen Dienstag seine Anhörung vor dem Senatsbankenausschuss, die Abstimmung ist für den 29. April angesetzt. Warsh steht für niedrigere Zinsen und schnelleres Wachstum – eine Kombination, die reale Assets und digitale Alternativwährungen mittelfristig weiter stützen dürfte.
Standort Deutschland: Frust ohne Konzept
Während das US-Kapital sich für dieses Szenario positioniert, wächst in der heimischen Wirtschaft der Unmut. Arbeitgeberpräsident Rainer Dulger und Ifo-Chef Clemens Fuest kritisierten die Bundesregierung an diesem Wochenende scharf: Es fehle an einem wirtschaftspolitischen Gesamtkonzept, die Lohnnebenkosten stiegen stetig. Dass Kanzler Friedrich Merz gleichzeitig in Marburg Kürzungen bei der gesetzlichen Rente kategorisch ausschloss, mag politisch nachvollziehbar sein. Ökonomisch vergrößert es den Handlungsdruck auf einen Standort, dessen Geschäftsklima – wie ich am Freitag berichtete – auf dem Niveau von Mai 2020 angekommen ist.
Was das für die neue Woche bedeutet
Die Tech-Giganten um SAP, die am Freitagabend mit starkem Cloud-Wachstum überzeugten, werden ihre Berechtigung in den Portfolios behalten. Nächste Woche öffnen Apple, Microsoft und Meta ihre Bücher – dann wird sich zeigen, ob die 275 Milliarden Dollar an KI-Investitionen bereits Erträge liefern.
Während das Kapital zwischen Gold, digitalen Assets und KI-Infrastruktur rotiert, stellt sich für Anleger die entscheidende Frage: Welche Aktien profitieren 2026 wirklich? Finanzexperten haben fünf Qualitätsunternehmen mit internationalem Wachstumspotenzial identifiziert – jetzt kostenlos nachlesen. 5 Top-Aktien 2026 gratis herunterladen
Doch die asymmetrischen Chancen liegen derzeit woanders: dort, wo eine ungebremste Liquiditätsausweitung auf harte physische oder mathematische Grenzen trifft. Bei Kupfer, bei Gold, bei digitalen Assets. Die Rotation hat begonnen. Die Frage ist nicht mehr ob, sondern wie weit sie trägt.
Ich wünsche Ihnen einen schönen Rest des Wochenendes und einen erfolgreichen Start in die neue Handelswoche.
Herzlichst, Ihr Andreas Sommer


