Starke Nachfrage, schwache Kurse. Beim Goldpreis klaffen Realität und Marktstimmung aktuell weit auseinander. Während der Kurs seit Wochen fällt, füllen Notenbanken ihre Tresore in einem historisch einmaligen Tempo. Das birgt massives Spannungspotenzial vor den anstehenden US-Inflationsdaten.
Der Verkaufsdruck der letzten Wochen ist enorm. Aktuell notiert die Feinunze bei rund 4.188 US-Dollar. Auf Monatssicht verlor das Edelmetall knapp zwölf Prozent an Wert. Der RSI-Indikator signalisiert mit einem Wert von 27 eine klare überverkaufte Marktsituation.
Zinswende verschoben
Auslöser für die Talfahrt ist der robuste US-Arbeitsmarkt. Im Mai entstanden 172.000 neue Stellen in den USA. Volkswirte hatten nur mit der Hälfte gerechnet. Die Folge: Marktteilnehmer preisen Zinssenkungen rigoros aus.
Goldman Sachs reagierte prompt. Die Investmentbank strich alle erwarteten Zinssenkungen für das Jahr 2026. Die Experten verschoben die Lockerungen auf 2027. Dennoch hält die Bank am Jahresendziel von 5.400 US-Dollar je Feinunze fest.
Entscheidungstag für den Dollar-Raum
Heute um 14:30 Uhr MESZ blickt der Markt auf die US-Verbraucherpreise. Die Ausgangslage ist angespannt. Im April kletterte die Inflation auf 3,8 Prozent. Ein heißer Wert für den Mai dürfte Gold weiter unter Druck setzen.
Nächste Woche folgt das Treffen der US-Notenbank. Der neue Fed-Vorsitzende Kevin Warsh leitet seine erste Sitzung. Das Gremium ist tief gespalten. Bei der letzten Zinspause stimmten acht Mitglieder dafür und vier dagegen. So uneinig war der Ausschuss zuletzt im Oktober 1992.
Rekordjagd der Zentralbanken
Trotz der makroökonomischen Gegenwinde bleibt die physische Nachfrage intakt. Die chinesische Notenbank kaufte im Mai weitere 320.000 Feinunzen. Damit baut Peking seine Goldreserven seit 19 Monaten ununterbrochen aus. Das ist die längste Kaufserie, seit die Behörde diese Daten regelmäßig meldet.
Der globale Trend bestätigt dieses Bild. Laut World Gold Council stieg die weltweite Nachfrage im ersten Quartal um 74 Prozent. Besonders Barren und Münzen verzeichneten massive Zuflüsse. Immer mehr Notenbanken kehren als Käufer in den Markt zurück.
Die heutigen US-Verbraucherpreise geben die kurzfristige Richtung vor. Fällt die Inflation niedriger aus als erwartet, erhält die US-Notenbank dringend benötigten Spielraum. Das könnte den aktuellen Abverkauf stoppen und eine schnelle Erholung der Goldnotierungen einleiten.
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