Gold geriet am Freitag im Umfeld möglicher Zwangsverkäufe und steigender Zinserwartungen unter Druck: Die Tagesveränderung betrug -3,6%. Reuters zufolge könnten Verkäufe von Technologiewerten den Rückgang verstärkt haben. Die Commerzbank hielt die Verluste bei Edelmetallen am Freitag für übertrieben und erwartete eine Erholung. Damit steht die Frage im Mittelpunkt, wie viel des Verkaufsdrucks auf kurzfristigen Liquiditätsbedarf zurückgeht.
Aktienverluste könnten Goldverkäufe verstärkt haben
Auslöser des Technologie-Ausverkaufs waren laut Reuters Zweifel an der Rendite hoher Investitionen in künstliche Intelligenz. Nach Einschätzung der Commerzbank könnten die Aktienverluste Nachschussforderungen und dadurch erzwungene Goldverkäufe ausgelöst haben. Bestätigt ist dieser Zusammenhang nicht. Er bietet aber eine mögliche Erklärung dafür, warum Gold gemeinsam mit Aktien unter Druck stand.
Diese Unterscheidung ist für die Einordnung wichtig: Verkäufe zur Deckung von Nachschussforderungen wären anders zu bewerten als eine grundlegend schwächere Goldnachfrage. Die Erholungserwartung der Commerzbank steht damit neben einem Vorbehalt: Wie stark solche liquiditätsbedingten Verkäufe tatsächlich zum Rückgang beitrugen, ist nicht belegt.
Daneben belasteten laut Reuters höhere Ölpreise und robuste US-Inflationsdaten das Edelmetall. Sie stärkten die Erwartungen weiterer Zinserhöhungen. Das unverzinsliche Gold verlor dadurch an Attraktivität. Die mögliche technische Verstärkung des Ausverkaufs beseitigt diesen geldpolitischen Gegenwind also nicht.
Prognosen zeigen unterschiedliche Zeithorizonte
Die am Dienstag veröffentlichte Reuters-Umfrage zeichnete ein gemischtes Bild. Die mediane Goldpreisprognose für das laufende Jahr lag bei 4.495 US-Dollar je Feinunze. Für 2027 betrug sie 4.650 US-Dollar.
Gegenüber der vorherigen Befragung sank damit die Prognose für das laufende Jahr, während die Erwartung für das Folgejahr stieg. Als Belastungen nannten die Befragten hohe Renditen amerikanischer Staatsanleihen, einen starken Dollar und länger hohe Zinsen. Die Umfrage beschreibt somit keinen ungebrochen optimistischen Ausblick.
Standard-Chartered-Analystin Suki Cooper erwartete in der am Dienstag veröffentlichten Befragung zunächst eine Konsolidierung und anschließend eine Erholung. Diese Einschätzung passt zur Unterscheidung zwischen kurzfristigem Druck und längerfristigen Perspektiven. Eine unmittelbar bevorstehende Trendwende lässt sich daraus allerdings nicht ableiten.
Zentralbankkäufe bilden ein Gegengewicht
Die People’s Bank of China erwarb im September 23 Tonnen Gold. Im dritten Quartal beliefen sich ihre Käufe damit auf 63 Tonnen.
Der September brachte demnach den stärksten monatlichen Zuwachs seit Oktober 2023. Zusätzlich berichtete der World Gold Council über anhaltende Nachfrage nach börsengehandelten Goldfonds in China Anfang Oktober. Diese Käufe zeigen Unterstützung aus anderen Anlegergruppen, obwohl der Markt zuletzt erheblichen Verkaufsdruck verzeichnete.
Für die Zinserwartungen folgt mit dem US-Arbeitsmarktbericht für Oktober am 6. November 2026 der nächste wichtige Termin. Bis dahin stehen sich zwei Kräfte gegenüber: geldpolitischer Gegenwind und möglicherweise erzwungene Verkäufe einerseits, fortgesetzte Zentralbanknachfrage andererseits. Die Erholungsthese der Analysten beruht darauf, dass der jüngste Verkaufsdruck nicht dauerhaft die Oberhand behält.
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