Vier Wochen Minus am Stück, ein Sechsmonatstief in Euro und ein RSI von 37 — Gold kämpft gerade an mehreren Fronten. Trotzdem senden Positionierungsdaten ein ungewöhnliches Signal.
Die COT-Daten vom 27. Juni zeigen: Großspekulanten haben ihre Short-Positionen massiv abgebaut. Der Optimismus im Optionshandel steigt, ebenso die Lieferanträge an der COMEX. Das klingt bullisch — steht aber einem schwierigen Makroumfeld gegenüber.
Fed-Kurs drückt auf den Preis
Seit der Fed-Sitzung vom 17. Juni hat Gold rund 6 Prozent verloren. Mitte der Woche fiel der Preis erstmals seit November unter 4.000 Dollar. Am Freitag schloss das Edelmetall bei 4.103,70 Dollar — ein Tagesplus von 1,54 Prozent, aber immer noch 1,66 Prozent unter dem Vorwochenniveau.
Der Auslöser für den Druck ist klar: Die Kerninflation (PCE) stieg auf 3,4 Prozent, das BIP-Wachstum im ersten Quartal wurde auf 2,1 Prozent nach oben revidiert. Zinssenkungen rücken damit in weite Ferne. Die Märkte preisen aktuell drei Zinserhöhungen für dieses Jahr ein. Die Wahrscheinlichkeit eines ersten Schritts im September liegt bei rund 62 Prozent.
Fed-Chef Warsh bekräftigte das Bekenntnis zur Inflationsbekämpfung. Gerüchte, er könnte dem Druck von Präsident Trump nachgeben, zerstreute er öffentlich.
Zwei Lager, ein Markt
Der Goldmarkt zeigt eine auffällige Spaltung. Auf der einen Seite stehen ETF-Anleger: Nach einem Mehrjahreshoch der Bestände Ende Februar kam es seither zu Abflüssen von rund 4 Prozent. Goldman Sachs verzeichnete sogar den ersten monatlichen Abfluss aus asiatischen Gold-ETFs seit August 2025.
Auf der anderen Seite kaufen Zentralbanken weiter. In den vergangenen vier Jahren erwarben sie im Schnitt 1.000 Tonnen Gold pro Jahr — doppelt so viel wie im vorangegangenen Jahrzehnt. Im ersten Quartal 2026 blieb die Nachfrage mit 244 Tonnen solide. Laut dem aktuellen Survey des World Gold Council wollen 45 Prozent der Zentralbanken ihre Bestände in den nächsten zwölf Monaten aufstocken. China kaufte zuletzt den neunzehnten Monat in Folge.
Banken senken Ziele, bleiben aber optimistisch
Goldman Sachs kappte sein Jahresziel am 20. Juni von 5.400 auf 4.900 Dollar. Als Begründung nannten die Analysten Daan Struyven und Lina Thomas nachlassende ETF-Zuflüsse sowie das vollständige Streichen aller Zinssenkungen aus der Goldman-Prognose für 2026.
Der Bankenkonsens bleibt dennoch deutlich über dem aktuellen Niveau:
- Goldman Sachs: 4.900 Dollar
- Morgan Stanley: 5.200 Dollar
- UBS: 5.500 Dollar
- J.P. Morgan: rund 6.000 Dollar
- Bank of America: 6.000 Dollar
- Wells Fargo: 6.100 bis 6.300 Dollar
Kritische Woche voraus
Charttechnisch bleibt das Bild angespannt. Solange Gold per Tagesschluss unter dem 50-Prozent-Retracement notiert, ist weiteres Abwärtspotenzial nicht ausgeschlossen. Bricht der Support beim 61,8-Prozent-Retracement, wären 3.875 Dollar die nächste Auffangzone — danach 3.645 Dollar.
Die Woche vom 29. Juni bis 3. Juli bringt eine Reihe marktbewegender Daten: US-Arbeitsmarktbericht für Juni, PMI-Daten, JOLTS-Zahlen für Mai. Alle können den Fed-Zinspfad direkt beeinflussen. Hinzu kommt der Abschluss des ersten Börsenhalbjahres — institutionelles Rebalancing dürfte die Volatilität zusätzlich erhöhen. Ob die bullischen Positionierungssignale aus dem COT-Report dann tragen, zeigen die Schlusskurse zum Wochenende.
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