Selten liegen zwei so richtungsweisende Makro-Ereignisse so eng beieinander. In den nächsten zwei Wochen bekommt der Goldmarkt gleich zweimal Antworten auf die Frage, die ihn seit Monaten beschäftigt: Wie lange hält die Fed ihren restriktiven Kurs?
Gold notiert aktuell bei 4.569,90 USD je Feinunze — knapp 1,5 Prozent unter dem 50-Tage-Durchschnitt, aber noch gut 16 Prozent über dem Jahrestief vom November 2025. Der RSI liegt bei knapp 50, was weder Überkauft- noch Überverkauft-Signale sendet. Der Markt wartet.
CPI am 10. Juni: Inflationsdruck bleibt das Kernproblem
Am 10. Juni veröffentlicht das US-Statistikbüro die Verbraucherpreisdaten für Mai. Die Ausgangslage ist heikel: Im April kletterte der Gesamt-CPI auf 3,8 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Energiepreise trugen dabei mehr als 40 Prozent des monatlichen Gesamtanstiegs bei — ein Faktor, der direkt mit den Spannungen im Nahen Osten zusammenhängt.
Washington und Teheran sollen eine vorläufige Einigung über einen 60-tägigen Waffenstillstand und die Sicherung der Schifffahrt durch die Straße von Hormus erzielt haben. Bestätigt ist das noch nicht — weder von US-Präsident Trump noch vom Iran. Bleibt die Einigung fragil, bleiben auch die Energiepreise unter Aufwärtsdruck, und damit die Inflation.
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Für Gold ist das ein zweischneidiges Schwert. Höhere Inflation stützt zwar die Nachfrage nach dem Edelmetall als Wertspeicher, stärkt aber auch den Dollar und hält die Fed auf Kurs — was den Goldpreis tendenziell belastet.
Fed am 17. Juni: Dot Plot als eigentlicher Gradmesser
Eine Woche später folgt die FOMC-Sitzung. Drei Zinspausen in Folge zeigen, dass die Notenbank keinen Spielraum für schnelle Lockerungen sieht. Die Inflation liegt mit 2,7 Prozent noch deutlich über dem Ziel, während das BIP-Wachstum im ersten Quartal mit 1,6 Prozent hinter den Erwartungen von 2,0 Prozent zurückblieb. Die Fed sitzt zwischen zu hoher Inflation und schwächelnder Wirtschaft.
Besonders aufschlussreich wird der aktualisierte Dot Plot sein. Signalisieren die Mitglieder erste Senkungen noch 2026, dürfte Gold profitieren. Hält die Mehrheit an einem unveränderten Kurs bis weit in 2027 fest, bleibt der Gegenwind bestehen.
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Zentralbanken als stabiler Anker
Was den Goldmarkt unabhängig vom kurzfristigen Makro-Bild stützt: die strukturelle Nachfrage aus dem offiziellen Sektor. Im ersten Quartal 2026 kauften Zentralbanken weltweit netto 244 Tonnen Gold. Die chinesische Volksbank allein erwarb im April rund 8 Tonnen — der stärkste Monatszukauf seit Dezember 2024 und bereits der 18. Monat in Folge mit Nettokäufen.
Der Hintergrund ist bekannt: Die Einfrierung russischer Währungsreserven von rund 300 Milliarden Dollar im Jahr 2022 hat das Reservemanagement vieler Staaten dauerhaft verändert. Gold lässt sich nicht per Dekret sperren — das bleibt ein strukturelles Argument, das kurzfristige Kursrückgänge abfedern kann.
Die technische Unterstützungszone zwischen 4.423 und 4.466 USD hat zuletzt gehalten. Ob das reicht, entscheidet sich in den nächsten zwei Wochen — zuerst am 10. Juni, dann am 17. Juni.
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