Der Goldpreis bleibt vor den mit Spannung erwarteten US-Arbeitsmarktdaten am heutigen Freitag in Kauflaune. Am Donnerstag legte der Spotpreis um 2,0 Prozent zu und schloss bei 4.473,07 US-Dollar je Feinunze. Damit liegt das Edelmetall gut 5,6 Prozent über seinem 50-Tage-Durchschnitt, notiert aber weiterhin rund 20 Prozent unter seinem 52-Wochen-Hoch von 5.598,58 Dollar.
Auslöser der jüngsten Rally waren Aussagen von Fed-Gouverneur Christopher Waller, der sich am Donnerstag für ein Zins-Stillhalten bei der kommenden Fed-Sitzung am 16. September aussprach und zugleich eine fortschreitende Disinflation in den USA sah.
Der Dollar-Index reagierte mit einem Rutsch auf 98,85 Punkte, den tiefsten Stand seit dem 28. August, was Gold als Anlage in der US-Währung zusätzlich verbilligte. Der Yen legte parallel deutlich zu, während US-Anleiherenditen nachgaben.
Arbeitsmarktdaten als nächster Prüfstein
Für den heutigen Handelstag richtet sich der Blick auf die US-Arbeitsmarktdaten, die um 14:30 Uhr veröffentlicht werden. Erwartet werden eine Arbeitslosenquote von 4,1 Prozent und ein Stellenzuwachs von 56.000 – nach einem Rückgang von 23.000 Stellen im Juli.
Am Terminmarkt bewertet das FedWatch-Tool die Wahrscheinlichkeit einer Zinssenkung um 25 Basispunkte im September nur noch mit 50 Prozent, nachdem sie am Vortag noch bei 63 Prozent gelegen hatte. Der Dezember-Future auf Gold gab in der Nacht auf Freitag entsprechend leicht nach, um 21,80 Dollar auf 4.518,10 Dollar.
Schwächere Beschäftigungsdaten dürften die Zinssenkungsfantasie neu befeuern und damit tendenziell für Rückenwind bei Gold sorgen, da niedrigere Zinsen die Opportunitätskosten des zinslosen Edelmetalls senken. Ein überraschend robuster Arbeitsmarkt könnte dagegen die Zinssenkungswetten weiter zurückdrängen und kurzfristig Druck auf den Preis ausüben.
Notenbanken misstrauen New York
Neben der Zinsdebatte sorgt eine strukturelle Entwicklung für Aufmerksamkeit: Die niederländische Notenbank De Nederlandsche Bank hat nach eigenen Angaben seit Frühjahr 2026 rund 86 bis 90 Tonnen Gold aus den USA und Kanada abgezogen und größtenteils nach London sowie in das inländische Zeist verlagert.
Der Anteil der in den USA gelagerten Bestände sank dadurch von 31 auf 18,5 Prozent, jener in Kanada von 19,7 auf ebenfalls 18,5 Prozent. Nach Angaben der Notenbank wurden dabei 59 Tonnen in New York verkauft und in London zurückgekauft, weitere 27 Tonnen physisch transportiert. Zeist ist mit einem Anteil von rund 31 Prozent inzwischen der wichtigste Lagerort der niederländischen Reserven.
Laut einer Analyse der Neuen Zürcher Zeitung reiht sich der Schritt in einen breiteren Trend ein: Bereits 2025 hatte Frankreich 129 Tonnen Gold aus New York abgezogen.
Die Schweizerische Nationalbank wiederum lagert schon jetzt kein Gold in den USA und hält 70 Prozent ihrer 1.040 Tonnen im Inland. Die Verlagerungen werden vielfach als geopolitische Absicherung gegen einen möglichen eingeschränkten Zugriff auf im Ausland gelagerte Reserven gedeutet.
Einordnung für Anleger
Die Kombination aus lockerer werdender Zinserwartung und dem sichtbaren Vertrauensschwund einzelner Notenbanken gegenüber der Lagerung in den USA stützt die fundamentale Nachfrage nach Gold.
Mit einer 30-Tage-Volatilität von 27 Prozent bleiben aber auch scharfe Gegenbewegungen möglich, wie der Wochenverlauf mit einem Plus von lediglich 0,4 Prozent trotz des kräftigen Tagessprungs zeigt. Der heutige Handelstag mit den US-Arbeitsmarktdaten dürfte richtungsweisend dafür sein, ob sich die jüngste Erholung fortsetzt.
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