Die geldpolitische Straffung an den internationalen Finanzmärkten hat eine neue Dynamik erhalten. Laut Reuters hob die Bank of Japan ihren Leitzins am Freitag auf ein 31-Jahres-Hoch an und signalisierte zugleich die Bereitschaft zu weiteren Schritten. Damit verstärkt sich das globale Hochzinsumfeld, was traditionell als Belastungsfaktor für das zinslose Edelmetall gilt.
Dennoch zeigte sich das Edelmetall widerstandsfähig: Am Freitag legte der Spotpreis um 0,9 Prozent zu und beendete die Handelswoche bei 4.382,82 USD je Feinunze.
Entlastung durch sinkende Energiepreise
Dass der Goldpreis trotz der Zinssignale aus Tokio zulegen und auf ein Einwochenhoch klettern konnte, lag vor allem am Geschehen an den Energiemärkten. Zeitgleich nachgebende Rohölpreise bremsten am Freitag die Furcht vor einem erneuten Aufflammen des Inflationsdrucks. Dies dämpfte an den Terminmärkten die Erwartung drastischer Folgeschritte der Notenbanken und verschaffte dem Edelmetall spürbare Erleichterung.
Zuvor hatte die US-Notenbank Federal Reserve am vergangenen Mittwoch ihren Leitzinskorridor um 25 Basispunkte auf 3,75 bis 4,00 Prozent angehoben. Zwar stellte die Fed weitere Zinsschritte in Aussicht, die Marktteilnehmer preisen die künftige Zinsentwicklung jedoch bereits vorsichtiger ein.
Hohe Preise dämpfen physische Nachfrage in Asien
Während die Makrodaten für Bewegung sorgen, verzeichnet der asiatische Markt gedämpfte Umsätze im physischen Handel. Nach Angaben des Branchenverbands World Gold Council weiteten sich die lokalen Preisabschläge in Indien per 11. September auf 78 US-Dollar je Feinunze aus. Das hohe Preisniveau und die Kursschwankungen hemmten dort die Nachfrage nach Goldschmuck unmittelbar vor Beginn der traditionellen Fest- und Hochzeitssaison. Demgegenüber blieb das Interesse an physischen Investmentprodukten stabil, und auch indische Gold-ETFs verbuchten im August weitere Zuflüsse.
In China zeigte sich ein vergleichbares Bild der Zurückhaltung bei den Konsumenten. Die Goldabflüsse von der Shanghai Gold Exchange gingen im August um 22 Prozent gegenüber dem Vormonat und um 27 Prozent im Vergleich zum Vorjahr auf 62 Tonnen zurück.
Robuste Zuflüsse bei westlichen Finanzinvestoren
Ganz anders stellt sich die Situation bei westlichen Finanzmarktteilnehmern dar. Auf institutioneller Ebene griffen Anleger im Spätsommer massiv zu: Weltweit physisch besicherte Gold-ETFs verzeichneten im August Zuflüsse von 18 Milliarden US-Dollar, was laut World Gold Council dem zweitgrößten Monatszufluss entspricht. Die gesamten Bestände dieser Fonds stiegen um 121 Tonnen auf einen Rekordwert von 4.189 Tonnen.
Auch an der New Yorker Terminbörse COMEX bauten Spekulanten ihre Engagements aus. Das World Gold Council bezifferte die Netto-Long-Positionen per 11. September auf insgesamt 696 Tonnen. Den Löwenanteil daran hielten die institutionellen Fondsmanager mit 434 Tonnen.
Mit dem jüngsten Anstieg auf 4.382,82 USD liegt die Notierung zwar noch rund 22 Prozent unter ihrem 52-Wochen-Hoch von 5.598,58 USD, das Ende Januar markiert worden war. Die Kombination aus ETF-Käufen und nachlassenden Inflationsängsten hat den Goldpreis jedoch vorerst gegen die restriktiveren Töne der Zentralbanken abgeschirmt.
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