Gold steht heute im Spannungsfeld widersprüchlicher geopolitischer Signale. Anleger wägen Trumps Behauptung einer sofortigen Waffenruhe im Russland-Ukraine-Konflikt gegen erneute Angriffe im Nahen Osten ab. Laut Reuters stützten ein schwächerer US-Dollar und sinkende Ölpreise die jüngste Erholung. Die zunehmende Anlegernachfrage gibt zusätzlichen Rückhalt, während Inflations- und Zinsrisiken den Spielraum begrenzen.

Geopolitik wirkt über Öl und Zinsen

Reuters berichtet heute, dass Marktteilnehmer eine gemeldete Energie-Waffenruhe zwischen Russland und der Ukraine gegen die neuen Angriffe im Nahen Osten abwägen. Eine bestätigte umfassende Waffenruhe lässt sich daraus nicht ableiten. Für Gold verknüpfen diese Entwicklungen die Erwartungen an Ölpreise, Inflation und Zinsen.

Die Erholung vom Tief am Mittwoch erhielt laut Reuters vor allem Unterstützung durch den schwächeren Dollar und niedrigere Ölpreise. Am Freitag kamen sinkende Renditen amerikanischer Staatsanleihen hinzu. Zugleich blieben Inflationssorgen und die Aussicht auf weitere geldpolitische Straffung belastende Faktoren.

Diese gegenläufigen Einflüsse prägen auch den Wochenauftakt. Der Spotpreis liegt zum heutigen Tagesschluss bei 4.174,03 USD je Feinunze; damit setzt sich die Erholung trotz der genannten Stützen nicht geradlinig fort.

Die ANZ-Analysten verwiesen heute auf zunehmende Anlegernachfrage als Unterstützung für Gold. Eine Einschränkung lieferten am Freitag die Analysten von ING: Rückgänge des US-Dollars könnten kurzlebig und geringfügig bleiben. Sie begründeten das mit fragilen Anleihemärkten und einer weiterhin restriktiven Haltung der US-Notenbank. Der jüngste Rückenwind ist damit nicht automatisch dauerhaft.

Nachfrage stützt, Spekulanten reduzieren Positionen

Die Nachfrageargumente reichen über die kurzfristigen Bewegungen von Dollar und Öl hinaus. Nach Angaben des World Gold Council verzeichneten physisch besicherte Gold-ETFs im September Zuflüsse von 10 Mrd. US-Dollar. Ihre Bestände wuchsen um 67 Tonnen auf den Rekordwert von 4.256 Tonnen.

Damit steht hinter der Erholung auch eine starke Nachfrage nach börsengehandelten Goldanlagen. Das garantiert keine steigenden Preise, bildet aber ein Gegengewicht zum Rückzug spekulativer Anleger am Terminmarkt.

Der am Freitag veröffentlichte CFTC-Bericht zeigte zum Stichtag 6. Oktober einen Rückgang der Netto-Long-Position großer Spekulanten um 3,8 % auf 210.335 Kontrakte. Die Positionierung fiel damit vorsichtiger aus, obwohl Gold-ETFs weiterhin erhebliche Mittel anzogen.

Auch die chinesische Zentralbank kaufte weiter Gold. Laut Reuters meldete sie für September einen Zukauf von 21 Tonnen und Bestände von 2.196 Tonnen. Es war der größte monatliche Zuwachs seit September 2023.

ETF-Anleger, Zentralbanken und Futures-Spekulanten senden somit kein einheitliches Signal. Für die Einordnung des Goldmarkts ist diese Unterscheidung entscheidend: Starke Nachfrage in einem Bereich schließt Positionsabbau in einem anderen nicht aus.

Nächster Prüfpunkt für die Erholung

Am 14. Oktober veröffentlicht das US Bureau of Labor Statistics den Verbraucherpreisindex für September. Der Termin bildet den nächsten Prüfpunkt für die Zinserwartungen und damit für den makroökonomischen Rahmen des Goldmarkts.

Bis dahin treffen belastbare Nachfragesignale auf unsichere geopolitische Entwicklungen. Die Erholung erhält Unterstützung durch Fondszuflüsse und Zentralbankkäufe. Ihre kurzfristige Tragfähigkeit hängt jedoch auch davon ab, ob der Rückenwind von Dollar, Ölpreisen und Renditen anhält. Allein die gemeldete Waffenruhe liefert dafür noch keine verlässliche Grundlage.