Liebe Traderinnen und Trader,
an diesem Freitag zählt weniger die Schlagzeile als die Frage, wer am Ende kauft. Bei der Commerzbank steht mit UniCredit ein Käufer fest im Markt. Bei Evonik liegt ein höheres Gebot von BASF auf dem Tisch, doch die Aktie traut ihm noch nicht ganz.
Beim Gold setzt sich die Zinswette gegen die Angst vom Golf durch. Vor einer Woche mit Fed, EZB und wichtigen Bankzahlen entscheiden deshalb wenige Marken darüber, wo Sie stehen wollen.
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Commerzbank: Ein Käufer mit klarem Ziel
Die Commerzbank hat, was wenigen Aktien vergönnt ist: einen Käufer, der unabhängig vom Tagesgeschehen Stücke einsammelt. UniCredit will bis Jahresende rund 50 Prozent der Stimmrechte kontrollieren. Die Commerzbank-Aktie legt im Verlauf rund 2 Prozent zu, während der DAX unter eine kurzfristige Trendlinie rutscht.
Wer hält dagegen? Die Deutsche Bank. Vorstand Alexander von zur Mühlen will die Verunsicherung bei Firmenkunden nutzen, um Mittelständler abzuwerben. Eine Umfrage unter Finanzchefs stützt diese Strategie, denn 75 Prozent bewerten den Deal negativ. Am Montag kommen Warnstreiks von Verdi hinzu, unter anderem in Hamburger Filialen der drei Banken.
Für das Depot zählt das Ungleichgewicht. Ein Käufer mit festem Ziel stützt die Commerzbank nach unten. Die Deutsche Bank trägt dagegen vor ihren Zahlen am Mittwoch die größere Unsicherheit. Ihre Aktie hat auf Wochensicht fast 6 Prozent verloren, weil der Markt Risikokosten aus dem US-Gewerbeimmobiliensektor fürchtet.
Wer beide Titel gegeneinander handelt, also auf den einen setzt und gegen den anderen, hat bis Mittwoch eine klare Richtung: Commerzbank vor Deutscher Bank.
Evonik: Das Gebot steigt, die Aktie zögert
BASF hat laut Bloomberg sein unverbindliches Angebot für Evonik auf rund 24 Euro je Aktie erhöht. Das erste Gebot war abgelehnt worden. Die Evonik-Aktie reagiert verhalten und notiert im Verlauf bei 21,32 Euro.
Warum bleibt sie so deutlich unter dem Gebot? Der Abstand ist der Preis für die Unsicherheit. Die RAG-Stiftung hält gut 43 Prozent an Evonik und verweist an den Vorstand, die NRW-Landesregierung ist gegen den Deal. BASF-Chef Markus Kamieth versucht, diese Hürde zu räumen, etwa mit dem Verzicht auf betriebsbedingte Kündigungen bis 2032 und einem Vorstandsressort in Essen.
Wer Evonik hält, sitzt seit Jahresbeginn auf einem kräftigen Plus. Die Position ist damit eine Wette auf die Stiftung, nicht auf die Chemiekonjunktur. Als Signal gilt das Hoch von 21,84 Euro vom 14. Oktober.
Gold und Silber: Die Zinsen wiegen schwerer als der Golf
Gold hat heute zum ersten Mal seit Mitte Juli die 4.000-Dollar-Marke unterschritten. Die Unze steuert auf den größten Wochenverlust seit Juni zu. Silber bricht noch heftiger ein und fällt auf den tiefsten Stand seit November 2025.
Ist das nicht verkehrt herum? Brent-Öl steht nach Huthi-Angriffen auf saudische Energieanlagen über 115 Dollar. Normalerweise wäre das ein Kaufsignal für Gold. Doch der Markt liest den Ölschub als Inflationstreiber. An den Terminmärkten, wo auf künftige Zinsen gewettet wird, gilt eine Zinserhöhung der Fed im Dezember als wahrscheinlich.
UBS-Rohstoffanalyst Giovanni Staunovo sieht bei 4.000 Dollar eine starke Unterstützung, also eine Marke, an der Käufer erfahrungsgemäß zugreifen. Er empfiehlt Käufe bei Rücksetzern auf dieses Niveau. Der Test kommt am Donnerstag mit den US-Inflationsdaten zum privaten Konsum. Hält die Marke bis dahin, ist der Rücksetzer gekauft; fällt sie mit den Daten, wird 3.800 Dollar das nächste Ziel.
Rüstung und Luftfahrt: DroneShield wackelt, MTU leidet unter Safran
Die Rüstungswerte liefern diese Woche schwache Charts, allen voran DroneShield. Die Aktie notiert im Verlauf bei rund 0,89 Euro und hat seit Jahresbeginn die Hälfte verloren. Daran ändert auch der wachsende Markt für Drohnenabwehr bisher nichts.
Das 52-Wochen-Tief von 0,823 Euro ist nur noch wenige Cent entfernt. Bricht es, öffnet sich weiterer Raum nach unten. Ein Einstieg vor einer Rückeroberung der 0,91 Euro ist ein Griff ins fallende Messer.
MTU Aero Engines verlor auf Wochensicht 10,4 Prozent. Auslöser war Safran, dessen Antriebssparte die Prognose verfehlte; die Safran-Aktie brach deutlich ein. Für MTU heißt das: Das eigentliche Risiko ist die Lieferkette der Triebwerkshersteller, nicht die Nachfrage.
Telekom und Sartorius: Zwei Bewegungen mit Nachrichtenkern
Die Deutsche Telekom verliert im Verlauf fast 3 Prozent. Grund sind Pläne von SpaceX, sich per Mietverträgen mit Funkturmbetreibern Standorte in den USA zu sichern und darauf ein eigenes Mobilfunknetz aufzubauen. Was heißt das für Telekom-Aktionäre? Das Juni-Tief von 23,54 Euro gehört als Stopp in den Blick.
Sartorius läuft in die Gegenrichtung. Die Vorzugsaktien markieren bei 282,40 Euro ein Jahreshoch. UBS bestätigt die Kaufempfehlung mit Kursziel 300 Euro, Goldman Sachs hebt sein Ziel bei neutraler Einstufung an, RBC stuft auf Outperform hoch, also besser als der Markt. Ein Ausbruch auf Jahreshoch mit drei Analystenstimmen im Rücken ist das sauberste Kaufsignal im DAX dieser Woche.
Welche fünf Unternehmen vom Serienstart humanoider Roboter profitieren können, zeigt das Live-Webinar „Der Robo-Boom“ mit Carsten Müller. Während DAX-Anleger diese Woche auf Übernahmekämpfe und Zinsmarken schauen, nimmt Müller einen Trend ins Visier, den Großbanken gerade kräftig nach oben korrigieren. Er stellt seine dreistufige Robo-Boom-Triage vor, mit der sich jede Roboter-Aktie selbst einordnen lässt. Termin ist der 25.10.2026 um 18:00 Uhr. Jetzt kostenlos zum Webinar anmelden
Marschroute
Der DAX hält die 25.000 Punkte, doch seine kurzfristige Trendlinie ist gerissen. Laut HSBC verläuft die 200-Tage-Linie, der langfristige Durchschnittskurs, bei rund 24.879 Punkten; darunter kippt das Bild. Heute Abend entscheidet Moody’s über Frankreichs Rating. Nächste Woche folgen Ifo-Index, Fed am Mittwoch, EZB am Donnerstag sowie Zahlen von BASF, Deutscher Bank, Mercedes-Benz und Volkswagen.
Bei Gold bleibt die runde Marke die Kaufzone, der Stopp liegt unter 3.946 Dollar. Commerzbank gegen Deutsche Bank bleibt das Paar bis Mittwoch, und DroneShield meiden Sie vor einer Rückeroberung der 0,91 Euro. Nutzen Sie die zwei handelsfreien Tage, um die Stopps zu ziehen, bevor Fed und EZB den Takt vorgeben. Das Wochenende gehört den Nachrichten aus Paris und vom Golf, der Rest gern Ihnen.
Gute Trades, Ihr Andreas Sommer
Stand heute, 23. Oktober: Commerzbank – Kaufen, halten oder verkaufen?
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