Gold steht vor einer richtungsweisenden Woche. Am Mittwoch, den 29. Juli, verkündet die US-Notenbank um 20:00 Uhr MESZ ihre Zinsentscheidung. Für das Edelmetall könnte sich dabei entscheiden, ob die jüngste Stabilisierung anhält oder der Abwärtstrend weitergeht.

Die Zinsentscheidung ist Nebensache

An den Terminmärkten rechnet kaum jemand mit einer Änderung. Das Zielband für die Fed Funds Rate liegt seit Dezember 2025 unverändert bei 3,50 bis 3,75 Prozent.

Entscheidend wird die Pressekonferenz. Fed-Chef Kevin Warsh muss die Risikobalance zwischen hartnäckiger Inflation und schwächelndem Arbeitsmarkt einordnen. Die Märkte wollen wissen, ob er die Tür für September offen lässt.

Ein Blick auf die Juni-Sitzung zeigt, wie unentschlossen die Notenbank derzeit ist. Der FOMC hielt zum vierten Mal in Folge still — zuletzt am 17. Juni, einstimmig und erstmals unter Warsh als Vorsitzendem. Bemerkenswerter als der Beschluss war der Dot Plot: Neun der 18 Teilnehmer sahen bis Jahresende mindestens eine Zinserhöhung, acht keine Veränderung, nur einer eine Senkung. Warsh selbst reichte demonstrativ keinen eigenen Punkt ein — ein Zeichen, dass er sich nicht festlegen will.

Kurs bleibt unter Druck

Gold notiert aktuell bei 4.055,70 US-Dollar und liegt damit knapp 28 Prozent unter seinem Rekordhoch vom Januar. Der RSI von 44,7 signalisiert weder Überkauft- noch Überverkauft-Zustand — der Markt sucht offenbar seine Richtung.

Notenbanken kaufen, Anleger verkaufen

Während die Zinserwartungen belasten, bleibt die physische Nachfrage ein Gegengewicht. Notenbanken kauften im ersten Quartal 2026 netto rund 244 Tonnen Gold. Das ist das stärkste Quartal seit über einem Jahr und liegt über dem Fünfjahresdurchschnitt.

Die chinesische Zentralbank hat ihre Kaufserie inzwischen auf 19 Monate in Folge ausgedehnt. Diese Käufer folgen laut Marktbeobachtern keinen kurzfristigen Zinssignalen, sondern strategischen Motiven der Reservediversifizierung.

Bei den ETF-Strömen zeigt sich das Gegenteil. Dort gab es zuletzt Nettoabflüsse — der westliche Finanzinvestor verkauft, die Notenbank kauft. Diese Spaltung zwischen offizieller und privater Nachfrage prägt den Goldmarkt seit Monaten.

Banken bleiben optimistisch

Trotz der Kursverluste seit Januar halten mehrere Großbanken an positiven Prognosen für die zweite Jahreshälfte fest. JP Morgan sieht rund 4.500 US-Dollar im vierten Quartal, Goldman Sachs peilt bis Jahresende 4.900 US-Dollar an.

Der Kalender bleibt dicht

Nach der Fed-Sitzung folgt am 12. August der nächste Inflationsbericht. Die nächste Projektionssitzung der Notenbank steht am 15. und 16. September an.

Bis dahin dürfte Gold zwischen zwei gegenläufigen Kräften schwanken: restriktiver Zinspolitik auf der einen Seite, anhaltenden Notenbankkäufen auf der anderen. Hinzu kommt die geopolitische Lage im Nahen Osten als zusätzlicher Unsicherheitsfaktor. Zuletzt kam Rückenwind von einem schwächeren Dollar und technischen Käufern — ob das reicht, um die Fed-Sitzung zu überstehen, entscheidet sich am Mittwochabend.