Frankreich sorgt für Unruhe, die US-Notenbank für Gegenwind. Gold sitzt dazwischen und hält sich erstaunlich stabil. Am Montagnachmittag kostete die Feinunze in London rund 4.152 Dollar, ein Plus von 0,25 Prozent zum Freitag.

Sicherer Hafen dank Frankreich

Die Stabilisierung folgt auf einen schwachen September, in dem das Edelmetall um rund sechs Prozent nachgegeben hatte. Zuletzt stützten gestiegene Kreditrisiken in der Eurozone den Preis. Die angespannte fiskalische und politische Lage in Frankreich treibt dort die Anleiherenditen nach oben und strahlt auf andere Euroländer aus. Einige Experten fühlen sich bereits an die Staatsschuldenkrise erinnert.

In solchen Phasen suchen Anleger Schutz. Gold profitiert davon.

Zusätzlich half ein enttäuschender US-Arbeitsmarktbericht für September am Freitag. Er dämpfte die Erwartung weiterer Leitzinserhöhungen in den USA. Höhere Zinsen belasten Gold, weil es keine laufenden Erträge abwirft.

Bernstein kappt das Langfristziel

Genau dieses Zinsumfeld nimmt Bernstein zum Anlass, die Prognose für 2030 zu senken. Analyst Bob Brackett erwartet nun 5.600 statt zuvor 6.100 Dollar je Feinunze. Zu Jahresbeginn rechnete das Haus noch mit ein bis zwei Zinssenkungen der Fed. Inzwischen sieht es bis 2027 zwei bis drei Erhöhungen.

Die Realzinsen sind seit Anfang März von etwa 1,7 auf rund 2,7 Prozent gestiegen. Abflüsse aus Goldanlagen gab es bislang aber nicht deutlich. Die Bestände goldbesicherter ETFs blieben 2026 weitgehend stabil, und auch nach der Fed-Zinserhöhung am 16. September hielt sich der Preis gut.

Zentralbanken als Fundament

Die wichtigste Stütze bleibt aus Sicht von Bernstein die Nachfrage der Notenbanken. Sie kauften 2022, 2023 und 2024 jeweils mehr als 1.000 Tonnen, fast ein Viertel der jährlichen Minenproduktion. China, Japan und Saudi-Arabien halten bislang weniger als zehn Prozent ihrer Reserven in Gold. Bei westlichen Notenbanken sind es 60 bis 70 Prozent. Brackett sieht darin Nachfragepotenzial.

Risiken sieht er in nachlassenden Zentralbankkäufen. Hohe Diesel- und Raffinerieproduktpreise könnten zudem die Inflation anheizen und weitere Zinserhöhungen wahrscheinlicher machen. Verliert Präsident Trump bei den Zwischenwahlen die Kongressmehrheit, könnte außerdem die Nachfrage nach sicheren Anlagen sinken.

Fundamental sehen Marktbeobachter die Lage weiterhin solide. Goldminen erzielen gute Margen und können Kapital an ihre Aktionäre zurückführen. Kurzfristig bleiben Schwankungen wahrscheinlich, getrieben von Frankreichs Anleihemarkt und den Zinserwartungen in den USA.